Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gliazellen helfen bei der Reparatur verletzter Nerven

22.01.2013
Gliazellen bilden nach einer Nervenschädigung das Protein Neuregulin1 und fördern so die Regeneration von Nervengewebe

Das periphere Nervensystem besitzt im Gegensatz zum Gehirn und Rückenmark eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit nach Verletzungen. Forscher am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen haben herausgefunden, dass periphere Gliazellen nach einer Nervenschädigung den Wachstumsfaktor Neuregulin1 produzieren, der einen wichtigen Beitrag zur Regeneration verletzter Nerven leistet.


Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Nervenquerschnittes der Maus: Nach einer Verletzung zeigen zahlreiche regenerierte Nervenfasern eine zu dünne Myelinschicht.
© MPI für experimentelle Medizin

Die Fortsätze von Nervenzellen im peripheren Nervensystem, die Axone, sind über ihre gesamte Länge, vom Zellkörper bis hin zum Muskel oder zur Haut, von Gliazellen umgeben. Diese sogenannten Schwannzellen umhüllen die Axone mit einer isolierenden Schicht, dem Myelin, das eine schnelle Weiterleitung elektrischer Impulse ermöglicht. Nach einer Schädigung eines peripheren Nervs werden die verletzten Axone zunächst abgebaut.

Nach einigen Wochen wachsen sie aber erneut aus und werden anschließend von Schwannzellen wieder mit Myelin ummantelt. Aus bisher nicht verstandenen Gründen gelingt es den Schwannzellen jedoch nicht, die Myelinscheiden wieder vollständig zu regenerieren. Die Funktion der Nerven bleibt daher oft dauerhaft beeinträchtigt und betroffene Patienten leiden zum Beispiel unter Lähmungen bestimmter Muskeln.

In einer aktuellen Studie zeigen die Wissenschaftler, dass der Wachstumsfaktor Neuregulin1 die Nervenreparatur und den Wiederaufbau der Myelinschicht unterstützt. Normalerweise wird dieses Protein von Nervenzellen hergestellt und ist auf Axonen lokalisiert. Dort dient es als wichtiges Signal für die Reifung von Schwannzellen und die Myelinbildung. Da die Axone nach einer Verletzung aber schnell abgebaut werden, verlieren die verbleibenden Schwannzellen ihren Kontakt zu den Axonen. Ihnen fehlt damit das Neuregulin1-Signal der Nervenfaser. „In der Phase nach einer Nervenschädigung, in der die Axone fehlen, müssen die Schwannzellen viele Aufgaben ohne die Hilfe von axonalen Signalen ausführen. Wenn die Schwannzellen diese erste große Hürde nach einer Nervenverletzung nicht nehmen können, misslingt in der Folge die adäquate Reparatur des Nervs“, erklärt Ruth Stassart, eine Autorin der Studie.

Um dies zu verhindern, übernehmen Schwannzellen selbst die Produktion des eigentlich neuronalen Signalmoleküls. Nach einer Nervenschädigung synthetisieren sie solange das Neuregulin1-Protein, bis die Axone wieder nachgewachsen sind. Mit Hilfe genetisch veränderter Mäuse konnten die Wissenschaftler in der Studie nachweisen, dass das in Schwannzellen produzierte Neuregulin1 für die erneute Reifung der Schwannzellen und die Regeneration der Myelinscheide nach einer Verletzung notwendig ist. „Mäuse, denen das Neuregulin1-Gen in Schwannzellen fehlt, zeigen eine weitreichende Beeinträchtigung der ohnehin schon unvollständigen Nervenregeneration“, verdeutlicht Mitautor Robert Fledrich.

Die Forscher wollen jetzt genauer untersuchen, wie Schwannzellen nach einer Nervenschädigung zur vollständigen Reparatur myelinisierter Axonen beitragen, um dieses Wissen auch therapeutisch nutzbar zu machen.

Ansprechpartner

Prof. Klaus-Armin Nave Ph.D.,
Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, Göttingen
Telefon: +49 551 3899-757
Fax: +49 551 3899-758
E-Mail: nave@­em.mpg.de
Originalpublikation
Ruth M Stassart, Robert Fledrich, Viktorija Velanac, Bastian G Brinkmann, Markus H Schwab, Dies Meijer, Michael W Sereda & Klaus-Armin Nave
A role for Schwann cell–derived neuregulin-1 in remyelination
Nature Neuroscience, 2013 Jan; 16(1):48-54. doi: 10.1038/nn.3281

Prof. Klaus-Armin Nave | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de
http://www.mpg.de/6857882/Gliazellen_Nervengewebe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt
23.03.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

nachricht Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien
23.03.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Impfstoffe zuverlässig inaktivieren mit Elektronenstrahlen

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Darmkrebs: Wenn die Wachstumsbremse fehlt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie