Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Giftpflanzen retten das Leben der Oryxantilope

19.08.2013
Wie überstehen Pflanzenfresser die extremen klimatischen Verhältnisse in der namibischen Wüste?

In Dürrezeiten frisst der Springbock (Antidorcas marsupialis) alles was er an Pflanzen finden kann, während die Oryxantilope (Oryx gazella gazella) größtenteils auf giftige Pflanzen ausweicht – und überlebt. Diese Entdeckung wurde jetzt im wissenschaftlichen Online-Journal PLOS ONE veröffentlicht.


Oryxantilope (Oryx gazella gazella) in der afrikanischen Kunene Region in Namibia.
Foto: David Lehmann/IZW

„Wir wollten verstehen, wie diese gut erforschten Huftiere mit unterschiedlichen Nahrungsstrategien in einem lebensfeindlichen Ökosystem wie der afrikanischen Kunene-Region in Namibia überleben und sogar gedeihen können. In diesem oftmals bis zu 50 Grad Celsius heißen Gebiet gibt es starke, unvorhersehbare Schwankungen im Nahrungsangebot“, sagt David Lehmann, Doktorand am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und Erstautor der Studie.

Die Forscher des IZW, der University of Namibia und anderer namibischer Partnerinstitutionen fanden heraus, dass Oryxantilopen ihre Nahrungsaufnahme je nach Jahreszeit anpassen. In Dürrezeiten ernähren sie sich von einer begrenzten Anzahl von Pflanzen. Mehr als 30 % ihrer Nahrung beziehen sie von Sträuchern und Bäumen. Überraschenderweise frisst die Oryxantilope in Dürrezeiten aber auch den hoch giftigen Damara-Milchbusch (Euphorbia damarana), eine nur in dieser Region und das ganze Jahr über vorkommende Pflanzenart. Bis zu 25 % des Nahrungsbedarfs wird durch diese Pflanze gedeckt. In der Regenzeit, wenn ein reichhaltigeres Nahrungsangebot vorliegt, spezialisiert sich die Oryxantilope hingegen ausschließlich auf Gräser und ungiftige, kurzlebige Sukkulenten, auch als saftreiche Pflanzen bekannt.

Im Gegensatz dazu ernähren sich Springböcke vorwiegend von Büschen und Bäumen, unabhängig von Dürre oder Regenzeit. Dennoch zeigten die Forscher, dass sich auch Springböcke einem wechselnden Nahrungsangebot anpassen können. Während der Regenzeit frisst der Springbock auch Grassprossen. Wird die Qualität des Grases aber durch eintretende Trockenheit schlechter, frisst der Springbock wieder überwiegend Blätter von Büschen und Bäumen. An giftigen Pflanzen hat er kein Interesse. Der Springbock hat somit eine andere, aber ebenso erfolgreiche Nahrungsstrategie entwickelt.

Mögliche negative Auswirkungen, die der Konsum des hoch giftigen Damara-Milchbusches auf die Gesundheit der Oryxantilopen haben könnte, sind bisher weder bekannt noch erforscht. Die sehr wasserhaltige und nährstoffreiche Giftpflanze ermöglicht der Oryxantilope ein Überleben unter extremen klimatischen Bedingungen.

Die Oryxantilope und der Springbock sind für die lokale Bevölkerung als zentrale Proteinquelle von großer Bedeutung. Negative Auswirkungen auf die Bestandszahlen der Wildtiere würden sich daher auch negativ auf die lokale Bevölkerung auswirken.

Der fortschreitende Klimawandel erhöht das Auftreten von Dürrezeiten und führt zunehmend zu einer Versteppung des südlichen Afrikas. Für ein erfolgreiches Wildtiermanagement ist es daher von entscheidender Bedeutung, zu verstehen, wie Wildtiere auf Prozesse wie die Verknappung des Nahrungsangebotes reagieren.

Publikation:
Lehmann D, Mfune JKE, Gewers E, Cloete J, Brain C, Voigt CC (2013): Dietary plasticity of generalist and specialist ungulates in the Namibian desert: A stable isotopes approach. PLOS ONE
Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung (IZW)
David Lehmann
Tel.: +49 30 5168-520
lehmann@izw-berlin.de
Steven Seet
(Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: +49 30 5168-125
seet@izw-berlin.de
Weitere Informationen:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0072190 - Publikation
http://www.oryxproject.com

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.oryxproject.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics