Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gestörtes Recycling macht Krebszellen aggressiv

07.08.2015

Das Zellgerüst muss mitspielen, damit Zellen aneinander haften

Zusammenhalten gegen Krebs: Anheftungsproteine interagieren gezielt mit dem Zellgerüst, um die Beweglichkeit von Tumorzellen zu fördern. Das zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Marburg, Göttingen, Heidelberg und Turku (Finnland), indem sie den zugrunde liegenden Mechanismus beschreiben.


Wird das Protein Formin-like 2 (rot gefärbt) chemisch verändert, indem Phosphatgruppen angehängt werden, verlagert es sich von der Zell-Außenhülle (links oben) ins Innere (rechts oben).

Abbildung: Autoren

Wenn die beteiligten Verbindungen nicht richtig zusammenwirken, können sich Krebserkrankungen ausbreiten. Das Team um Professor Dr. Robert Grosse berichtet über ihre Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des Fachblatts „Developmental Cell“.

Zellen tragen an ihrer Außenhülle Proteine wie Integrin, die sich an die Zellumgebung heften. Von Zeit zu Zeit wird Integrin ins Zellinnere transportiert und in Bläschen verpackt, um später wiederverwendet zu werden. „Ist das Recycling von Integrin gestört oder erhöht, so erleichtert dies das Wachstum von Tumoren sowie die Bildung von Metastasen“, erläutern die Autoren.

Die Transportbläschen bewegen sich entlang des Zellgerüsts, als würden sie von Zugseilen gezogen. Welche Moleküle wirken als Vermittler zwischen Zellgerüst und Integrin-Recycling? Die Wissenschaftler gingen dieser Frage nach, indem sie das Protein Formin-like 2 (FMNL2) unter die Lupe nahmen, das zum Knüpfen der molekularen Zugseile beiträgt; FMNL2 ist besonders stark bei Krebsformen aktiviert, die Metastasen bilden.

Die Autoren verfolgten die Lokalisierung der beteiligten Moleküle und blockierten deren Aktivität, um herauszufinden, welche Funktion sie im Normalfall erfüllen. Das Team fand heraus: Wird FMNL2 chemisch modifiziert, indem Phosphatgruppen angehängt werden, so verändert sie dessen Funktion und das Molekül wandert von der Außenhülle der Zelle zu den Bläschen in deren Innerem. Wenn man die Verbindung künstlich stilllegt, wird das Anheftungsprotein Integrin nicht in Bläschen verpackt.

„Unsere Daten legen nahe, dass die Phosphorylierung von FMNL2 als eine Art molekularer Schalter wirkt, um den innerzellulären Transport von Integrin zu steuern, wenn Krebszellen in gesundes Gewebe eindringen“, fassen die Autoren ihre Ergebnisse zusammen.

„Es ist vorstellbar, dass dieser Mechanismus angeschaltet bleibt, wenn es zur Ausbreitung einer Krebserkrankung kommt: die betroffenen Zellen heften sich dann nicht aneinander, sondern an das Proteingemisch, das zwischen den Zellen liegt.“ Da FMNL2 in diesem Prozess eine entscheidende Funktion erfüllt, bietet es dem Autorenteam zufolge möglicherweise einen attraktiven Ansatzpunkt, um therapeutisch einzugreifen und die Phosphorylierung pharmakologisch zu hemmen.

Professor Dr. Robert Grosse ist Direktor des Pharmakologischen Instituts am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität und leitet einen Arbeitsbereich am Biochemisch-Pharmakologischen Centrum der Philipps-Universität.

Neben Grosses Arbeitsgruppe und Forschern des Marburger LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie um Gert Bange sind Partnerinnen und Partner von der Universität Heidelberg, vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen sowie von der Universität Turku an der Studie beteiligt. Die zugrunde liegende Forschungsarbeit wurde unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Deutsche Krebshilfe finanziell gefördert.

Weitere Informationen:
Professor Dr. Robert Grosse,
Pharmakologisches Institut und Biochemisch-Pharmakologisches Centrum Marburg
Tel.: 06421 28-65001 (Sekretariat)
E-Mail: robert.grosse@staff.uni-marburg

Weitere Informationen:

http://Originalveröffentlichung: Ying Wang & al.: FMNL2 regulates β1-integrin and cell invasion, Devel. Cell 2015, http://www.cell.com/developmental-cell/abstract/S1534-5807%2815%2900422-0
http://www.bpc-marburg.de/cytoskeletal-signaling-grosse-lab/

Dr. Gabriele Neumann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Dolchstössen gegen Amöben
18.08.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Mutter-Gen aktiv - Vater-Gen stillgelegt
18.08.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Wolkenmacher“: Wie Unternehmen Vertrauen aufbauen

18.08.2017 | Unternehmensmeldung

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie