Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genvariante für psychische Störung untersucht

05.08.2010
Veränderte Hirnfunktion begünstigt depressive Symptome

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Universitäten in Bonn und Heidelberg konnten nachweisen, dass eine Genvariante, die auf ein erhöhtes Risiko für manisch-depressive Erkrankungen hinweist, sich auch im Gehirn gesunder Menschen bemerkbar macht. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Archives of General Psychiatry* berichten sie über ihre Forschungsergebnisse.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Henrik Walter und Privatdozentin Dr. Susanne Erk von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte hat bei 110 gesunden Versuchspersonen mit einer Genvariante für die so genannte bipolare Störung die Gehirnfunktion untersucht. Die Forscher nutzten dazu die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT). Mit diesem Verfahren lassen sich aktivierte Strukturen im Gehirn bildlich darstellen. Die Forscher können die Auswirkungen kleiner genetischer Varianten mit dieser Methode früher und genauer nachweisen als mit psychologischen Verhaltensstudien. „Der Zusammenhang zwischen der aufgrund der Genvariante veränderten Hirnfunktion und depressiven Symptomen zeigte sich im Bild deutlich“, erläutert Prof. Walter. „In geringfügiger Ausprägung lassen sich diese Anzeichen auch bei gesunden Trägern der Genvariante feststellen.“

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass bei Trägern der untersuchten Risiko-Genvariante zwei Kernregionen des Gehirns in ihrer Funktion beeinträchtigt sind: der Hippokampus und der so genannte subgenuale mediale Präfrontalkortex. Der Hippokampus ist an der Gedächtnisbildung und der subgenuale mediale Präfrontalkortex wesentlich an der Regulation von Emotionen beteiligt. Die fMRT- Bilder zeigten eine gegenüber gesunden Menschen deutlich verminderte Aktivität in diesen beiden Hirnregionen. Diese Minderaktivierung war umso stärker, je mehr leichte depressionsartige Symptome bei den Patienten vorlagen.

Darüber hinaus korrespondiert die untersuchte Risiko-Genvariante mit einem Gen, das Calcium-Ionenkanäle steuert. „An diesem Ort wirken auch viele Medikamente, die bei bipolaren Störungen häufig eingesetzt werden“, erläutert Prof. Walter. Sein Team erhofft sich von dieser Kombination aus genetischen Erkenntnissen und bildgebenden Verfahren weitere Impulse für die Entwicklung innovativer Medikamente.

*Susanne Erk, Henrik Walter et al.: Brain Function in Carriers of a Genome-wide Supported Bipolar Disorder Variant. In: Archives of General Psychiatry, Volume 67, Issue 8, August 2010, S. 803-811.

doi:10.1001/archgenpsychiatry.2010.94

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Henrik Walter
Forschungsbereich „Mind and Brain“ an der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 517 141
henrik.walter@charite.de

Claudia Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik