Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einer ist nicht genug – Mäusedamen „lieben“ mehr als nur einen Partner

30.08.2013
Weibliche Tiere beschränken sich oft nicht auf einen männlichen Sexualpartner. Hierfür gibt es verschiedene wissenschaftliche Hypothesen.

Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) haben nun das promiskuitive Verhalten wilder Hausmäuse untersucht. Sie fanden heraus, dass sich Weibchen mit mehreren Männchen verpaaren, wenn die zur Wahl stehenden Partner sexuell unerfahren sind, aber auch wenn sich die Männchen qualitativ ähneln.


Die Wahl des Sexualpartners hängt von vielen Faktoren ab.
Kerstin Thonhauser/Vetmeduni Vienna

Dieses Verhalten dient dem Schutz der Nachkommen und der Auswahl des idealen Kandidaten für die Vaterschaft. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschafter im Journal Behavioral Ecology and Sociobiology.

Mausweibchen paaren sich häufig mit mehreren Partnern. Unter welchen Umständen sich die Weibchen aktiv mehrere Partner aussuchen, wurde nun in einer Studie des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna aufgeklärt. Die Erstautorin Kerstin Thonhauser und ihre Kollegen beobachteten das Verhalten von wilden Hausmäusen (Mus musculus), indem sie jeweils einem Weibchen die Möglichkeit boten frei zwischen zwei Männchen zu wählen.

Promiskuität schützt die Nachkommen

Die Forscher fanden heraus, dass Weibchen sich besonders promiskuitiv verhalten, wenn sie mit sexuell unerfahrenen Männchen konfrontiert sind. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten ist die Vermeidung des so genannten Infantizids. Der zoologische Infantizid beschreibt das Töten von Jungtieren der eigenen Art. Männliche Mäuse töten häufig Jungtiere, um ihren eigenen Fortpflanzungserfolg zu erhöhen und selbst erneut zum Zuge zu kommen. Sexuell unerfahrene Männchen verhalten sich besonders häufig infantizidär. Haben Männchen jedoch die Chance, sich mit einem Weibchen zu paaren, töten sie seltener die Nachkommen dieses Weibchens. Die Jungtiere könnten ja von ihm selbst abstammen. So schützen Weibchen mit promiskuitivem Verhalten den eigenen Nachwuchs. Die Verhaltensforscher vermuten, dass Mäuse über Duftmarkierungen und über das Verhalten der Tiere erkennen können, ob ein Männchen bereits sexuell erfahren ist.

Duftmarkierung als Qualitätsmerkmal

Weibchen verhalten sich eher promiskuitiv, wenn die zur Wahl stehenden Männchen kaum Unterschiede in der Menge an gesetzten Duftmarken zeigen. Häufiges Markieren weist bei männlichen Mäusen auf einen hohen Status im sozialen Gefüge hin. Die Forscher stellten den Weibchen also jeweils zwei Männchen zu Wahl. Markierten die Männchen ähnlich häufig, paarten sich die Weibchen mit beiden. Die Entscheidung für ein Männchen hängt also auch mit der Fähigkeit zusammen, Unterschiede in der Qualität der Männchen zu erkennen.

Konkurrenz unter Vätern beeinflusst Wurfgröße

Bei Mäusen ist es keine Seltenheit, dass mehrere Väter an einem Wurf beteiligt sind. Diese Würfe sind insgesamt größer, wenn die beteiligten Männchen in besonders starker Konkurrenz zueinander standen. Thonhauser beschreibt: „Befinden sich die Männchen im Wettstreit um ein Weibchen und somit auch im Kampf um die eigenen Nachkommen, investieren sie möglicherweise mehr in die eigene Spermienqualität. Insgesamt sind die abgegebenen Ejakulate dann potenter und führen zu größeren Befruchtungsraten.“ Die Verhaltensforscher sind außerdem daran interessiert, ob sich multiple Vaterschaft in einem Wurf auf die Fitness der einzelnen Nachkommen auswirkt.

Die Arbeit “Why do female mice mate with multiple males?” von Kerstin Thonhauser, Shirley Raveh, Attila Hettyey, Helmut Beissmann und Dustin Penn ist vor Kurzem in der Zeitschrift Behavioural Ecology and Sociobiology erschienen. http://dx.doi.org/10.1007/s00265-013-1604-8

Wissenschaftlicher Kontakt:
Mag.rer.nat Kerstin Thonhauser
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLV)
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 4890915 – 861
kerstin.thonhauser@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschtisch@vetmeduni.ac.at

Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at/de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik