Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genom eines probiotischen Bakteriums entschlüsselt

22.02.2013
Studie Gießener Wissenschaftler ermöglicht die Untersuchung auf angebliche gesundheitsfördernde Eigenschaften

Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen haben das komplette Genom eines probiotischen Bakteriums entschlüsselt – damit können probiotische Eigenschaften wie die Stärkung des Immunsystems oder die Regulierung der Darmtätigkeit besser untersucht werden.

Mit Hilfe neuester Sequenziertechniken konnte das Team des Instituts für Medizinische Mikrobiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Eugen Domann das Genom des Bakeriums Enterococcus faecalis entschlüsseln. Das Bakterium ist der Wirkstoff eines probiotischen Medikaments. Bei solchen Medikamenten müssen nach dem neuen Arzneimittelgesetz die Bestandteile des Medikaments bekannt und die probiotische Eigenschaft, zum Beispiel auch durch klinische Studien, bewiesen sein.

Die Entschlüsselung des Genoms ist der erste Schritt, um die Wirksamkeit von probiotischen Eigenschaften auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis zu untersuchen. Dem Team, zu dem auch Dr. Moritz Fritzenwanker und Dr. Torsten Hain gehören, gelang die komplette Entschlüsselung des Genoms innerhalb einer Woche dank neuester Technologien. Das Hochleistungs-Sequenziergerät „MiSeq Personal Sequencer“ steht dem Institut seit Juli 2012 zur Verfügung. Die Wissenschaftler konnten damit zeigen, dass dieses Enterococcus-Genom aus 2,8 Millionen Basenpaaren besteht und über 2.733 Gene verfügt.

Aussagekräftig wird die Analyse allerdings erst, wenn dieses Genom mit den Genomen von anderen Enterokokken verglichen wird. Ein solcher Vergleich wurde in der am selben Institut angesiedelten Abteilung für Bioinformatik durchgeführt und hat gezeigt, dass das untersuchte Bakterium keine Eigenschaften enthält, die Infektionen auslösen könnten. Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung, um lebende Bakterien als Medikament zu verkaufen. Die Analyse ermöglicht es nun auch, die im Genom enthaltenen probiotischen Eigenschaften zu untersuchen.

Die neuen Sequenziertechnologien bieten die Möglichkeit, vergleichsweise kostengünstig komplette bakterielle Genome innerhalb einer Woche zu sequenzieren und bioinformatorisch zu analysieren. Gerade in Ausbruchssituationen, wie es zum Beispiel im Jahr 2011 beim EHEC-Ausbruch in Deutschland der Fall war, sind diese Technologien unersetzlich, um die molekulare Struktur eines Erregers zu verstehen und den Ausbruch epidemiologisch zu bewerten und einzudämmen. Hier sieht sich das Institut, das in dieser Funktion auch im „Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)“ angesiedelt ist, sehr gut gerüstet.

Publikation:
Fritzenwanker M, Kuenne C, Billion A, Hain T, Zimmermann K, Goesmann A, Chakraborty T, Domann E. 2013. Complete genome sequence of the probiotic Enterococcus faecalis Symbioflor 1 clone DSM 16431. Genome Announc. 1(1):e00165-12. doi:10.1128/genomeA.00165-12.
Kontakt:
Prof. Dr. Eugen Domann, Institut für Medizinische Mikrobiologie
Schubertstraße 81, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-41280

Lisa Dittrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie