Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetischer Bauplan der "Killeregel" entschlüsselt

16.07.2009
Fettsäuren als Achillesferse der gefährlichen Bilharziose-Erreger

Wissenschaftler des Wellcome Trust Sanger Institute haben den genetischen Bauplan jener zwei Pärchenegel identifiziert, die jährlich für Tausende Todesfälle verantwortlich sind.

Schistosoma mansoni und Schistosoma japonicum verursachen Schistosomiasis. Die aktuelle Untersuchung hat bereits mögliche Ansatzpunkte für neue Behandlungsmöglichkeiten entdeckt. Diese auch als Bilharziose bekannte Krankheit führt zu Fieber und Erschöpfungszuständen. Die Details der Studie wurden in Nature veröffentlicht.

Seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird mit Praziquantel ein billiges Medikament in den am meisten gefährdeten Regionen verteilt. Das Medikament ist wirksam, kann aber eine erneute Infektion nicht verhindern. Es besteht ebenfalls das Risiko, dass die Parasiten eine Resistenz entwickeln. Schon allein aus diesem Grund ist die Entwicklung neuer Medikamente von entscheidender Bedeutung. Bei der Untersuchung des genetischen Bauplans von S. masoni - dem am meisten verbreiteten der Parasiten - zeigte sich, dass er aus 11.809 Genen besteht. Damit ist er rund zehn Mal so groß wie das Malaria-Genom.

Das Team um Matthew Berriman identifizierte eine große Anzahl von Enzyme herstellenden Genen, die Proteine abbauen und so dem Parasiten ermöglichen, sich durch das Gewebe zu bohren. Die folgende Analyse brachte 120 Enzyme ans Licht, auf die mit neuen Medikamenten abgezielt werden könnte. Ziel dabei wäre es, den Stoffwechsel der Parasiten zu zerstören. 66 derzeit bereits auf dem Markt befindliche Medikamente wurden ermittelt, die ebenfalls wirksam sein könnten. S. mansoni fehlt laut der aktuellen Analyse ein Schlüsselenzym, das erforderlich ist, um essenzielle Fettsäure herzustellen. Für diese Säuren sind die Parasiten auf ihren Wirt angewiesen. Damit ist eine potenzielle Achillesferse der Pärchenegel gefunden.

Laut Najib El-Sayed von der University of Maryland besteht nun erstmals ein genaues Bild der Parasiten: Wie funktioniert ihr Energiehaushalt? Welche Strategien ermöglichen es ihnen, im Menschen zu überleben? In einer weiteren Studie wurde nachgewiesen, dass S. japonicum sogar über noch mehr Gene verfügt. Mehr als 200 Mio. Menschen erkranken jährlich an Schistosomiasis. 20 Mio. Betroffene erleiden durch schwere Anämie, chronischen Durchfall, innere Blutungen sowie durch die Würmer und ihre Eier verursachte schwere Organschäden oder die Reaktionen des Immunsystems bleibende Behinderungen. Allein in Afrika, südlich der Sahara, sterben jährlich 280.000 Menschen an Schistosomiasis.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sanger.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie