Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetischer Bauplan von Krebs entschlüsselt

06.11.2008
Sequenzierungstechnik soll für maßgeschneiderte Medikamente sorgen

Wissenschaftler der Washington University haben erstmals die komplette DNA eines Krebs-Patienten dekodiert und die Krankheit auf ihre genetischen Ursachen zurückgeführt.

Das Team um Richard Wilson identifizierte zehn genetische Mutationen, die für das Entstehen der akuten myeloischen Leukämie (AML) der Patientin entscheidend gewesen sein dürften. Bisher wurden nur zwei dieser Mutationen mit der Krankheit in Zusammenhang gebracht. Die eingesetzte Sequenzierungstechnik könnte auch bei anderen Krebsarten zum Einsatz kommen und helfen, neue maßgeschneiderte Medikamente zu entwickeln. Details der Studie wurden in Nature veröffentlicht.

Die Forscher untersuchten zwei Proben der zwischen fünfzig und sechzig Jahre alten Frau in Hinblick auf DNA-Unterschiede. Sie starb später an der Krankheit. Eine Probe wurde direkt von gesunden Hautzellen entnommen, die andere von erkrankungsbedingt verändertem Knochenmarksgewebe. Es zeigte sich, dass nahezu jede Zelle der Tumorprobe über neun der entscheidenden Mutationen verfügte. Wie die meisten Krebsarten entsteht auch die akute myeloische Leukämie durch DNA-Mutationen, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln.

Bisher ist nur wenig über die genaue Art dieser Veränderungen bekannt und darüber, wie sie die biologischen Signalpfade so stören, dass es zu einem unkontrollierten Zellwachstum kommt. Frühere Versuche, das Genom eines einzelnen Menschen zu dekodieren, haben sich auf verbreitete Bereiche der DNA-Abweichungen konzentriert, die für ein Erkrankungsrisiko von Bedeutung sein können. Für die aktuelle Studie gelang es, mittels eines Gensequenzierungsverfahrens alle drei Milliarden chemischen Basen zu untersuchen, aus denen das menschliche Genom besteht. So wurde es möglich, jene Mutationen zu identifizieren, die zur Erkrankung der Patientin geführt hatten.

Die Wissenschaftler suchen noch immer nach anderen Gen-Mutationen, die ebenfalls eine Rolle spielen könnten. Sie untersuchten Proben von weiteren 187 AML-Patienten. Keiner verfügte über eine der acht neuen Mutationen. Wilson geht daher laut BBC davon aus, dass es bei Krebserkrankungen eine unendlich große genetische Mannigfaltigkeit gibt.

Das gelte allein schon für diese eine Krebsform. Das Team geht davon aus, dass die Mutationen nacheinander eingetreten sind. Jede führte die Zellen einen Schritt weiter in Richtung unkontrolliertes Wachstum.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://medschool.wustl.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen