Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der genetische Zusammenhang zwischen dem zirkadianen Rhythmus und der Diabetes

18.12.2008
Mutationen des Gens, das für den Melatoninrezeptor 2 (MT2) kodiert, führen sowohl zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel als auch zu einem erhöhten Diabetes-Risiko.

Zu diesem Ergebnis kamen kürzlich Forscher um Prof. Philippe Forguel [1] in Kooperation mit Kollegen aus Großbritannien, Dänemark und Finnland. Für die Studie wurden 23.000 Probanden in Frankreich, Dänemark und Finnland untersucht. Die Ergebnisse bewiesen den Zusammenhang zwischen der Regulation des zirkadianen Rhythmus [2] durch Melatonin und der Diabetes mellitus 2.

Das Melatonin gehört zu den ältesten gebildeten Hormonen. Dieses Hormon findet man sowohl bei Tieren als auch bei bestimmten Pflanzen und Pilzen. Melatonin spielt bei zahlreichen physiologischen Funktionen (wie z.B. der Schlafförderung, dem Schlaf-Wach-Rhythmus, dem zirkadianen Rhythmus, der Blutdruck- Regulation, der Aktivität des Immunsystems, der Entgiftung von freien Radikalen, der Abgrenzung der Knochen zueinander, usw.) eine Rolle. Bei Menschen wird das Melatonin von der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert. Die Melatoninproduktion wird durch das auf die Netzhaut (Retina) auftreffende Licht gesteuert.

Den MT2-Rezeptor findet man in der Retina, im Sehnerv, im Zwischenhirn und in den Insulinproduzierenden Pankreaszellen.

Die biologischen Rhythmen haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Zahlreiche Hormone, darunter das Melatonin, sind an der Regulierung der zirkadianen Rhythmen beteiligt. Diese Hormone steuern, unter anderem, die Schlafdauer und –qualität sowie die Stimmung. Werden diese Rhythmen gestört, führt dies zu einer anormalen Insulinproduktion. Die Forscher konnten somit nachweisen, dass diese Störungen mitverantwortlich sind für Fettleibigkeit. Bei Diabetikern, die oft an Depressionen leiden, treten diese psychischen Symptome manchmal sogar auf, noch bevor die Zuckerkrankheit ausbricht. Der molekulare Zusammenhang zwischen all diesen Erkrankungen war bislang unbekannt.

Den Ergebnissen der Studie zufolge wird der Blutzucker sehr stark von einer kleinen Anzahl von Genen gesteuert. Sie beweist des Weiteren, dass Probanden mit verschiedenen Mutationen dieser Gene Blutzucker des prädiabetischen Typs aufweisen, was das Risiko erhöht, in den kommenden Jahren an Diabetes und/oder Herz- und Gefäßerkrankungen zu leiden.

Nach einer systematischen Analyse des für Diabetes-Erkrankungen des Typs 2 verantwortlichen Genoms im Jahr 2007 haben die französischen Forscher, gemeinsam mit ihren Kollegen des Imperial Colleges London, im Jahr 2008 herausgefunden, dass das Gen eines Enzyms zur Regulierung des Glukosestoffwechsels (Glukose-6-Phosphatase) den Blutzucker deutlich beeinflussen kann. Durch ihre Forschungsarbeiten konnten sie nachweisen, dass das Melatonin einen großen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Diabetes und Depression ausübt. Diese Entdeckung könnte zu innovativen Therapien führen und damit den menschlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Volkskrankheit Diabetes mellitus 2 besser entgegenwirken. - [1] Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung, Universität Lille, Pasteur-Institut Lille und Imperial College London - [2] Unter zirkadianen Rhythmen versteht man die endogenen (inneren) Rhythmen, die eine Periodenlänge von circa 24 Stunden haben.

Kontakt: Philippe Froguel – Tel: +33 320877 954 oder +44 207 594 65 20 – E-Mail: philippe.froguel@good.ibl.fr oder p.froguel@imperial.ac.uk

Quelle: Pressemitteilung des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung – 08.12.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fre

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 154 vom 17.12.2008)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail an: sciencetech@botschaft-frankreich.de

Julien Sialelli | Wissenschaft Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Berichte zu: Blutzucker Depression Diabetes Diabetes mellitus Gen Hormon Melatonin Regulation Retina Rhythmus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics