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Genetische Ursache für häufigen Hirntumor

02.08.2011
Meningeome sind gutartige, aber nicht harmlose Hirntumore, die sehr häufig vorkommen. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Neurochirurgischen Universitätsklinik und des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn entdeckten nun eine Region im Erbgut von Patienten, die das Risiko beeinflusst, an einem Meningeom zu erkranken.

„Meningeome sind nach den Gliomen die häufigsten Hirntumore, die wir operieren“, sagt Prof. Dr. med. Matthias Simon, einer der Studienleiter und Leitender Oberarzt an der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Bonn. Dort führen die Chirurgen rund 100 Meningeom-Eingriffe jährlich durch.

Der Tumor breitet sich von den Hirnhäuten aus und kann den Patienten gefährlich werden, obwohl er zu den gutartigen Geschwulsten zählt. „Durch sein Wachstum kann das Meningeom auf das Gehirn drücken und Schäden verursachen“, berichtet Prof. Simon. „Teilweise lassen sich die Tumoren bei Operationen auch nicht vollständig entfernen - der Tumor kann also wiederkehren.“

Bereits in den 1960er Jahren hatten Forscher bei Meningeom-Patienten genetische Auffälligkeiten im Visier. „Obwohl die Krankheit einmal als Paradebeispiel der Tumorgenetik galt, ist man über viele Jahre mit der Untersuchung der erblichen Ursachen nicht weitergekommen“, sagt der Bonner Oberarzt. Das internationale Forscherteam suchte nun nach häufigen Varianten im Erbgut von Patienten, die mit der Entstehung des Tumors zusammenhängen. „Wir gehen davon aus, dass nicht ein einziges verändertes Gen, sondern mehrere Gene zu einem höheren Meningeom-Risiko beitragen“, berichtet Prof. Simon.

Die Forscher untersuchten mehr als 270.000 Stellen im Erbgut

Die Wissenschaftler gewannen die DNA aus Blutproben und untersuchten das Erbgut von 1.633 Meningeom-Patienten auf Unterschiede zu gesunden 2.464 Probanden. Die Forscher nutzten so genannte „Genchips“ - kleine Plättchen, an die bestimmte Abschnitte des Erbguts andocken, die von Mensch zu Mensch verschieden sind. Das Verfahren erlaubt, automatisiert viele einzelne Erbgutabschnitte zu analysieren. Damit überprüften die Forscher insgesamt mehr als 270.000 variable Stellen auf der DNA eines jeden Patienten.

Das internationale Team fand eine Region im Erbgutstrang des Chromosoms 10, die bei Meningeom-Patienten besonders häufig verändert war. Dort befindet sich das AF10/MLLT10-Gen. „Wer über diese Erbgutveränderung verfügt, hat ein zirka 1,5-fach erhöhtes Risiko, an einem Meningeom zu erkranken“, berichtet Prof. Simon. Der Zusammenhang sei statistisch eindeutig belegt, aber der Unterschied zu gesunden Personen erscheine zu gering, um mit einem Erbguttest die genetisch bedingte Anfälligkeit für ein Meningeom zu untersuchen. „Bei weitem nicht jeder, der über diese Erbgutvariante verfügt, erkrankt irgendwann an einem Meningeom“, sagt Prof. Dr. med. Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn.

Das Kandidatengen ist auch an Leukämien beteiligt

„AF10/MLLT10 ist an chromosomalen Veränderungen bei verschiedenen Leukämien beteiligt“, sagt Prof. Nöthen. Das sei ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass dieses Kandidatengen auch bei der Entstehung von Meningeomen eine Rolle spielt. „Es muss nun die Umgebung in dieser Region des Erbguts genauer angesehen werden, um das verantwortliche Gen sicher zu identifizieren“, sagt Prof. Nöthen. Dann könnten die Wissenschaftler herausfinden, wo genau das verdächtige Gen in den Stoffwechsel der Patienten eingreift. „Das sind dann potenzielle Ansatzpunkte für neue Medikamente“, erläutert der Humangenetiker.

Publikation: Common variation at 10p12.31 near MLLT10 influences meningioma risk. Nature Genetics, published online 31 July 2011, DOI: 10.1038/ng.879

Kontakt:

Prof. Dr. med. Matthias Simon
Leitender Oberarzt
Neurochirurgische Universitätsklinik Bonn
Tel. 0228/28716502
E-Mail: Matthias.Simon@ukb.uni-bonn.de
Prof. Dr. med. Markus M. Nöthen
Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn
Tel. 0228/287 511 01
E-Mail: markus.noethen@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

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