Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gendefekt führt zu Fehlern bei Fruchtbarkeitstest

29.06.2011
Ursache ist ein Basenaustausch in einem speziellen Enzym-Gen

Ein neuer Botenstoff findet seit einigen Jahren zunehmendes Interesse bei Hormonforschern und Frauenärzten: die Serumkonzentration des so genannten anti-Müller-Hormons (AMH) zeigt einen engen Zusammenhang mit der Zahl heranreifender Eizellen im Eierstock und damit indirekt mit den Erfolgschancen einer Kinderwunschbehandlung.

Dieser Zusammenhang führt teilweise bereits dazu, dass Krankenversicherungen die Kostenübernahme für eine Kinderwunschbehandlung vom AMH-Wert einer Patientin abhängig machen. Auch die richtige Dosierung der Hormontherapie wird mittlerweile von vielen Kinderwunschzentren vom AMH-Test bestimmt.

Allerdings fällt bei diesem vielversprechenden Test immer wieder auf, dass bei einzelnen Patientinnen die Reifung der Eizellen doch nicht in dem Maße erfolgt, wie es der AMH-Wert erwarten lässt.

Die Arbeitsgruppe um Professor Christian Thaler vom Hormon- und Kinderwunschzentrum am Klinikum der Universität München (LMU), Campus Großhadern, konnte jetzt einen genetisch bedingten Störfaktor für den AMH-Test identifizieren: wie in der elektronischen Vorab-Publikation der amerikanischen Fachzeitschrift „Fertility and Sterility“ zu lesen ist, konnten Thaler und sein Team nachweisen, dass Frauen mit einer angeborenen Funktionsstörung eines Enzyms des B-Vitamin- (Folsäure)-Stoffwechsels um fast 25% schlechter auf die Hormonbehandlung für die assistierte Fortpflanzungtherapie reagieren (doi:10.1016/j.fertnstert.2011.03.023:Pavlik R et al: Divergent effects of the 677C>T mutation of the 5,10-methylene-tetrahydrofolate reductase (MTHFR) gene on ovarian responsiveness and anti-Mullerian hormone concentrations; Fertility and Sterility epub ahead (2011)). Der Basenaustausch C>T in der Gen-Position 677 führt bei diesem Enzym (Metylen-Tetra-Hydro-Folat-Reduktase: MTHFR) zu einem Funktionsverlust um etwa 70%. „Bei etwa einem Zehntel aller Kinderwunschpatientinnen finden wir auf beiden Genen den Funktionsdefekt“, so Thaler, „und bei diesen Frauen müssen wir damit rechnen, dass die Eierstockreaktion deutlich schlechter ausfällt als es angesichts der AMH-Bestimmung zu erwarten wäre. Unsere Studie zeigt, dass die gleichzeitige Analyse des MTHFR-Gens die richtige Bewertung des AMH-Tests signifikant erhöhen könnte. Wir bieten deshalb unseren Kinderwunschpatientinnen diese Zusatzuntersuchung an, um das Risiko einer unterdosierten Hormonbehandlung möglichst zu vermeiden.“

Kontakt:
Prof. Dr. med. Christian J. Thaler
Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU
München - Grosshadern
81377 München
Tel: +49-(0)89/7095-4588
Fax: +49-(0)89/7095-7588
E-mail: christian.thaler@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2010 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 465.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen sowie 35 interdisziplinäre Zentren verfügen über mehr als 2.200 Betten. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2010 rund 70 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), einer Forschergruppe (FOR 535) sowie an drei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202, SFB-TR 36) beteiligt. Hinzu kommen die drei Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) und „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fertstert.org/article/S0015-0282%2811%2900432-8/fulltext
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.kinderwunsch-uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie