Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Gen verantwortlich für die Nebenwirkungen einer Cholesterintherapie

05.09.2008
Wissenschaftler des Französischen Zentrums für Genotypisierung in Evry haben zusammen mit Kollegen der Oxford Universität (Großbritannien) eine Genvariante identifiziert, die in direktem Zusammenhang mit der Entstehung unerwünschter Nebenwirkungen bei einer hochwirksamen Cholesterintherapie steht.

Laut der Studie kommt diese genetische Variante bei 15 Prozent der Bevölkerung vor. Als Statine werden Lipidsenker (zur Senkung der Blutfette) bezeichnet, die u.a. die Produktion von LDLCholesterin (das „schlechte“ Cholesterin) hemmen. Leider führt die effiziente hochdosierte Statin- Cholesterintherapie in seltenen Fällen zu Muskelschädigungen (Myopathien) sowie anderen Nebenwirkungen. Für die Studie untersuchten die Forscher die Genome von 85 Probanden, die an einer Statin-Therapie teilnahmen und an Myopathien litten, und von 90 Probanden, die ebenfalls an einer Statin-Therapie teilnahmen, jedoch keine Symptome aufwiesen. Die im Rahmen dieser Studie untersuchten Personen waren Teilnehmer der SEARCH Studie, die 12.000 Patienten umfasste. Die Probanden dieser Studie wurden täglich mit 80 mg Simvastatin – einem Statin-Typ – behandelt. Die Genetiker fanden nicht nur heraus, dass eine bestimmte Variante des SLCO1B1-Gens an der Entstehung der bei der Simvastatin-Therapie verursachten Komplikationen beteiligt ist - sondern auch, dass diese genetische Variante die LDL-Cholesterin-Senkung der Simvastatin-Therapie negativ beeinflusst.

Das SLCO1B1-Gen befindet sich auf dem Chromosom 12 und kodiert für ein Eiweiß, das die zirkulierenden pharmazeutischen Moleküle – wie Statine – vom Herzen zur Leber transportiert, wo sie anschließend ausgeschieden werden. Befindet sich die identifizierte Variante auf dem Chromosom 12, verringert sich die Wirkung des Eiweißes. Somit kommt es zur schlechteren Ausscheidung der Arzneimittel über die Leber und die Moleküle sammeln sich im Blut an. Dies führt häufig zu relativ schweren Komplikationen, die sich je nach Anzahl dieser genetischen Variante im Genom unterscheiden. Diese genetische Variante wird entweder von der Mutter oder vom Vater oder von Beiden vererbt.

Laut der Studie ist bei einem Patienten, der mit einer hohen Dosis von Simvastatin behandelt wird und nur ein Exemplar dieser Variante in sich trägt, das Risiko eine Myopathie zu entwickeln 4 Mal größer als bei Patienten, die diese Variante nicht aufweisen. War der Proband Träger von zwei Exemplaren dieser Variante, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um das 17fache. Erhielten diese Patienten täglich 80 mg Simvastatin, so stieg das Risiko eine Myopathie zu entwickeln weiter (18 % der Probanden waren betroffen).

Rund zwei Drittel der Myopathien, die Patienten mit hoher Dosis von Simvastatin entwickeln, können zudem auf diese Variante zurückgeführt werden. Das Risiko erhöht sich, wenn es zu Wechselwirkungen mit anderen Behandlungsmaßnahmen kommt. Bei niedrig konzentrierten Simvastatin-Therapien sinkt zwar das Risiko für die Ausbildung einer Myopathie, jedoch bleibt das Risiko für Patienten mit dieser Variante des SLCO1B1- Gens deutlich höher.

Diese Ergebnisse haben einen wichtigen medizinischen Einfluss auf die Verschreibung von Statinen, die in der Vergangenheit immer weiter zugenommen hat. Nach Aussagen der Wissenschaftler wäre es notwendig, einen Diagnosetest für diese genetische Variante zu entwickeln, um die Entstehung solcher Komplikationen zu vermeiden.

Kontakt:
Französisches Zentrum für Genotypisierung –
Tel: +33 160 878 344 –
E-Mail: cngenquiries@ cng.fr
Quelle: Pressemitteilung des französischen Zentrums für Atomenergie (CEA) – 25.08.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 148 vom 04.09.2008)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich
Kostenloses Abonnement durch E-Mail : sciencetech@botschaft-frankreich.de

| Wissenschaft Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse
21.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik