Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Code macht Menschen zu Schlafwandlern

08.02.2011
Fehler am Chromosom 20 ist entscheidend

Wissenschaftler der Washington University School of Medicine glauben, dass sie den genetischen Code entdeckt haben, der manche Menschen zu Schlafwandlern macht. Das Team um Christina Gurnett untersuchte vier Generationen einer Familie von Schlafwandlern.

Verantwortlich soll ein Fehler einer Sektion des Chromosoms 20 sein. Verfügt man nur über eine Kopie der fehlerhaften DNA reicht das schon, um zum Schlafwandler zu werden, schreiben die Wissenschaftler in Neurology.

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Das Tam hofft die beteiligten Gene zu identifizieren, um damit neue Behandlungsmöglichkeiten für eine Krankheit zu finden an der laut BBC bis zu zehn Prozent der Kinder und einer von 50 Erwachsenen leiden. In den meisten Fällen ist das Schlafwandeln kein großes Problem und wächst sich im Laufe der Jahre einfach aus.

Bei extremeren Fällen kann es sehr störend sein und auch gefährlich werden, vor allem dann wenn Menschen auch noch als Erwachsene schlafwandeln. Sie können in diesem Zustand komplexe Dinge tun wie ihre Autoschlüssel finden, die Tür aufsperren und dann wegfahren. Es gibt sogar Fälle, in denen Menschen in diesem Zustand gemordet haben.

Tritt in einigen Familien gehäuft auf

Trotzdem ist relativ wenig über den Somnambulismus bekannt. Klar ist, dass Schlafwandeln in manchen Familien gehäuft auftritt und das manche Menschen besonders anfällig dafür sind. Übermüdung und Stress können ein Auslöser sein. Die aktuelle Familie wurde untersucht, weil eines der jüngsten Mitglieder, die 12-jährige Hannah, große Probleme damit hatte. Sie verließ in der Nacht regelmäßig das Haus und wanderte umher. In den vier Generationen der Familie waren neun von 22 Familienmitgliedern Schlafwandler.

Die Wissenschaftler untersuchten mit Hilfe von Speichelproben die DNA der Familie und versuchten so die genetischen Grundlagen der Krankheit zu identifizieren. Es zeigte sich, dass ein genetischer Code auf dem Chromosom 20 entscheidend war. Dieser Code wurde von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Verfügt jemand über dieses Gen, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er es vererbt bei 50 Prozent. Und jeder, der eine Kopie der fehlerhaften DNA geerbt hat, wird zum Schlafwandler.

Derzeit noch 28 Gene in Verdacht

Das konkrete Gen oder die konkreten verantwortlichen Gene sind noch nicht identifiziert. 28 kommen derzeit in Frage. Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass es die Adenosin-Deaminase-Gen sein wird. Dieses Gen wurde bereits in der Vergangenheit mit den Tiefschlafphasen in Verbindung gebracht, in denen Menschen schlafwandeln. Laut Gurnett ist es wahrscheinlich, dass mehrere Gene eine Rolle spielen.

Das Abstract ist unter http://www.neurology.org/content/76/1/49.abstract?sid=df348e27-bcd5-4fc8-9d23-a012e48c8360 zu finden.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://wustl.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie