Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Gen-Boten zum Leuchten bringen

24.06.2013
Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg entwickeln Verfahren zur Markierung von mRNA

Zellen sind die kleinste und wichtigste Einheit des menschlichen Organismus. Die entscheidenden Bestandteile sind von der Forschung bereits eingehend untersucht worden, aber einige sind kaum erkennbar. So auch die Ribonucleinsäuren (ribonucleic acids, RNA).


Wie Stecker und Steckdose: Sogenannte bioorthogonale Gruppen ermöglichen das Markieren der mRNA. Illustration: D. Schulz

Sie sind Vermittler zwischen einem Gen und dem daraus entstehenden Merkmal, können aber auch Prozesse in der Zelle regulieren. Es gibt zahlreiche Arten von RNA mit jeweils unterschiedlichen Aufgaben. Eine davon ist die Boten- bzw. messenger RNA (kurz mRNA). Sie stellt eine Abschrift der genetischen Information einer Zelle dar, die für die Protein-Fabrik, das Ribosom, lesbar ist.

Da sich mRNAs von anderen RNAs chemisch kaum unterscheiden, konnte man sie bisher nicht genauer untersuchen oder beispielsweise im Mikroskop verfolgen. Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem mRNAs in Zellen sichtbar gemacht werden können. Dies berichten sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Angewandte Chemie International Edition.

Jun.-Prof. Dr. Andrea Rentmeister sowie die Doktorandinnen Daniela Schulz und Josephin Holstein nutzen dabei eine Reaktion zwischen zwei sogenannten bioorthogonalen Gruppen. Damit werden künstlich geschaffene Veränderungen auf molekularer Ebene bezeichnet, die in der Natur nicht vorkommen. Sie ermöglichen es, bestimmte Moleküle in der Zelle zu erkennen und gezielt „anzuschalten“. Man kann sich das System als eine Steckdose vorstellen, zu der nur ein bestimmter Stecker passt. Mithilfe eines speziell entwickelten Enzyms wird die mRNA in der Zelle mit dieser Steckdose versehen und somit markiert. Schließt sich die zweite bioorthogonale Gruppe quasi wie ein Stecker an diese Ansatzstelle, wird die mRNA sichtbar und kann nachverfolgt werden.

Diese Methode kann helfen, Prozesse wie das Lernen und die Regeneration von Nervenzellen auf molekularer Ebene zu verstehen. Die Wissenschaftlerinnen haben das Verfahren inzwischen zum Patent angemeldet.

Link zur aktuellen Ausgabe Angewandte Chemie International Edition
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201302874/abstract

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201304978/abstract
Für Rückfragen:

Jun.-Prof. Dr. Andrea Rentmeister
Universität Hamburg, Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Tel.: 040 42838-8984
E-Mail: rentmeister@chemie.uni-hamburg.de

Birgit Kruse | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201304978/abstract

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise