Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam auf der Suche nach Wirkstoff gegen MRSA

31.03.2015

Neues Projekt bündelt Kompetenzen des HZI und des Lead Discovery Center in Dortmund

Krankenhauskeime stellen in Deutschland ein immer größeres Problem dar. Der Grund: viele von ihnen sind resistent gegen die meisten herkömmlichen Antibiotika. Neue Wirkstoffe werden daher dringend benötigt. Um diese zu finden, haben sich Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und des Lead Discovery Centers (LDC) Dortmund zusammengetan, um gemeinsam ein Mittel gegen den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA zu finden.


Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus ist einer der häufigsten und gefährlichsten Krankenhauskeime.

©HZI/Rohde

Die Abkürzung MRSA steht für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“. Methicillin ist ein Prüf-Antibiotikum, mit dem die Empfindlichkeit von Krankheitserregern gegen Antibiotika getestet wird. Keime, die gegen diesen Test-Wirkstoff resistent sind, sind es auch gegen nahezu alle anderen Breitband-Antibiotika.

Gegen den Keim, der eine ganze Reihe von Infektionen auslösen kann, fehlt es also an Gegenmitteln, was vor allem in Krankenhäusern fatale Folgen hat: Jährlich sterben daran Schätzungen zufolge etwa 2.000 Patienten. Neue Wirkstoffe gegen den Erreger werden daher dringend gesucht.

„In der Grundlagenforschung haben wir oft das Problem, dass wir neu entdeckte Ansätze nicht in kommerziell und medizinisch wertvolle Produkte umsetzen können“, sagt Prof. Mark Brönstrup, Leiter der Abteilung „Chemische Biologie“ am HZI. Genau das soll nun durch die Zusammenarbeit mit dem LDC gelingen. Ziel des Projektes ist es, Wirkstoffe gegen ein neues Zielprotein von MRSA zu finden, diese zu optimieren und am lebenden Organismus zu testen.

Dabei verfolgen die Wissenschaftler einen besonderen Ansatz, denn sie suchen speziell nach Wirkstoffen, die die Bakterien nicht abtöten, sondern sie nicht-infektiös machen, sogenannten Pathoblockern. „Es hat zwei große Vorteile, die Bakterien nur lahm zu legen, anstatt sie mit Antibiotika abzutöten. Zum einen wird die Resistenzentwicklung deutlich verlangsamt und zum anderen wird unsere natürliche Keimflora so nicht geschädigt“, sagt Brönstrup, der das Projekt am HZI leitet.

Die Zusammenarbeit zwischen dem LDC und dem HZI stellt dabei eine große Chance dar. „Durch Bündelung unserer Kompetenz, Erfahrung und Infrastruktur haben wir ideale Voraussetzungen, um einen neuen Wirkstoffkandidaten gegen MRSA zu identifizieren“, sagt Bert Klebl, Geschäftsführer des LDC. „Dies ist unser zweites Kooperationsprojekt mit der Helmholtz Gemeinschaft. Wir freuen uns sehr darauf, zusammen mit dem HZI jetzt auch auf dem Gebiet antibakterieller Wirkstoffe dringend benötigte Innovationen voranzutreiben.“

In der ersten Phase des Projektes gilt es nun zunächst potentielle Kandidaten zu identifizieren. Dank der Infrastruktur des LDC werden zu diesem Zweck mehrere 100.000 Substanzen in einem Hochdurchsatzscreen getestet. Aktive Substanzen werden parallel in verschiedenen spezialisierten Arbeitsgruppen des HZI und des LDC profiliert und in ihren Eigenschaften optimiert.

Finanziert wird das Projekt aus Geldern des HZI und aus dem Helmholtz-Validierungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit dem Fond eine Reihe an Kooperationsprojekten zwischen Helmholtz-Zentren und dem LDC unterstützt.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Am seinem Standort in Braunschweig-Stöckheim blickt das Zentrum auf eine jahrzehntelange Historie zurück. Bereits 1965 begannen hier die ersten Arbeiten; 2015 feiert das HZI 50-jähriges Jubiläum.
Weitere Informationen: http://www.helmholtz-hzi.de

Das Lead Discovery Center
Die Lead Discovery Center GmbH (LDC), ist ein Inkubator für translationale Projekte im Bereich der niedermolekularen Wirkstoffforschung. Das LDC nimmt vielversprechende Projekte aus der akademischen Forschung auf und entwickelt sie - in enger Zusammenarbeit mit führenden Partnern aus der akademischen Forschung und Industrie - weiter bis zu pharmazeutischen Leitstrukturen, die nahtlos in die industrielle Weiterentwicklung überführt werden können. LDC arbeitet in strategischen Forschungsallianzen mit Partnern wie AstraZeneca, Bayer, Merck Serono und Daiichi Sankyo sowie führenden akademischen Drug Discovery Zentren weltweit zusammen.
Weitere Informationen: http://www.lead-discovery.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/gemeinsam... - Diese Pressemitteilung auf der Homepage des HZI.

Rebecca Winkels | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften