Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefahr am Meeresboden - erstes Bestimmungsbuch für marine am Meeresgrund lebende Dinoflagellaten

11.08.2014

Die Meeresbiologin Dr. Mona Hoppenrath von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven hat gemeinsam mit internationalen Kollegen das weltweit erste Bestimmungsbuch für marine, benthisch lebende Dinoflagellaten verfasst.

Die winzigen Einzeller sind weltweit verbreitet und unter anderem Auslöser für die Krankheit Ciguatera, die am häufigsten auftretende Art der Fischvergiftung. Das Buch ist heute unter dem Titel „Marine benthic dinoflagellates – unveiling their worldwide biodiversity“ in der „Kleinen Senckenberg Reihe“ erschienen.


Der marine Dinoflagellat Gambierdiscus toxicus produziert Gifte, die für den Menschen gefährlich werden können.

© Senckenberg

Dinoflagellaten leben in Salz- und Süßgewässern rund um den Globus und haben sehr vielfältige Eigenschaften: Die mikroskopisch kleinen Einzeller lassen Wellen leuchten, spielen eine zentrale Rolle im aquatischen Nahrungsnetz und produzieren Gifte, die für den Menschen gefährlich werden können.

„Während planktonische, also im Wasser schwebende, Dinoflagellaten gut erforscht sind, hat sich bisher kaum jemand mit den im und am Meeresboden lebenden Dinoflagellaten beschäftigt“, erklärt Dr. Mona Hoppenrath, Wissenschaftlerin bei Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven und Autorin des neu erschienenen Buches.

Dies ist insofern verwunderlich, weil die benthisch lebenden Dinoflagellaten eine konkrete Gefahr für den Menschen darstellen: Einige der Arten können die zum Teil tödlich verlaufende Fischvergiftung Ciguatera verursachen. „Ciguatera ist die häufigste Art von Fischvergiftung.

Hervorgerufen wird sie durch die Giftstoffe Cigua- und Maitotoxin, die wiederum von auf Algen und Seegras lebenden Dinoflagellaten wie beispielsweise Gambierdiscus toxicus produziert werden“, erklärt Hoppenrath. Da die Gifte in der Nahrungskette angereichert werden, sind besonders Raubfische belastet.

In der neuen Zusammenfassung geht es aber nicht nur um diese etwa 30 potentiell gefährlichen Dinoflagellaten. Insgesamt 189 Arten in 45 Gattungen wurden von Hoppenrath und ihren Kollegen aufgelistet, beschrieben und illustriert. Hinzu kommen Informationen zu Lebensräumen, geographischer Verbreitung und Ökologie.

„Eigentlich könnten wir schon fast mit einer zweiten Auflage beginnen“, scherzt Hoppenrath, denn dauernd werden neue benthische Dinoflagellaten-Arten entdeckt. „Wir sind uns sicher, dass bisher erst ein Teil dieser Einzeller erfasst wurde“, ergänzt die Wilhelmshavener Meeresbiologin.

Die Autoren des Buches zählen zu den wenigen Experten der auch als Panzergeißler bezeichneten Organismen: Mehr als ein Drittel der bisher bekannten benthischen Arten wurde von ihnen beschrieben.

„Uns hat dabei vor allem die Arten-Vielfalt überrascht und dass die benthisch lebenden Dinoflagellaten kaum mit den planktonisch lebenden vergleichbar sind.“ Taxonomisch und systematisch sind diese beiden sehr nahe stehenden Gruppen schwer in Einklang zu bringen – beschreibt man eine Art im Sand und sucht dann nahe Verwandte in den Meeresströmungen, wird man genauso wenig fündig, wie umgekehrt.
„Das ist eine ganz eigene Welt, dort am Meeresgrund und wir können hier nicht nach ‚gewohntem Schema‘ vorgehen“, erläutert Hoppenrath.

In Sammlungen können die winzigen Einzeller nur schwer aufbewahrt werden – bei der Präparation werden oftmals Zellen zerstört oder so stark deformiert, dass die wesentlichen Bestimmungsmerkmale fehlen. Umso wichtiger sind die Zeichnungen und Fotografien im neuen Senckenberg-Buch. Hoppenrath fasst zusammen: „Wir glauben, dass unser Werk einerseits für Studierende und Wissenschaftler interessant ist, aber auch als Bestimmungshilfe für ‚Praktiker‘ – wie beispielsweise das Bundesumweltamt – bei der Überwachung der für den Menschen gefährlichen Dinoflagellaten helfen wird.“

Kontakt
Dr. Mona Hoppenrath
Senckenberg am Meer
Tel. 04421- 9475-116
Mona.Hoppenrath@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Kleine Senckenberg-Reihe 54
Mona Hoppenrath, Shauna A. Murray, Nicolas Chomérat & Takeo Horiguchi: Marine benthic dinoflagellates – unveiling their worldwide biodiversity
2014, 276 pp, 93 figs, 8 tabs,
ISBN 978-3-510-61402-8, 19,90 €
Sprache: Englisch
www.schweizerbart.de/9783510614028
Presseexemplare sind auf Anfrage bestellbar!

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics