Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geesthachter Küstenforscherin weist neuartige Flammschutzmittel in Aalen nach

12.08.2013
Roxana Sühring vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht untersucht in ihrer Doktorarbeit, wie sich Flammschutzmittel in dem fetthaltigen Gewebe von Aalen anreichern.

Dabei geht es besonders um neuartige Flammschutzmittel, die als Ersatz für bereits verbotene Chemikalien dieser Art eingesetzt werden. In allen Gewebeproben aus den von ihr untersuchten Aalen fand Sühring sowohl die alten als auch die neuartigen Flammschutzmittel – im europäischen Vergleich in teilweise hohen Konzentrationen. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Chemosphere“ veröffentlicht.

Bestandsrückgang des Aals

In den letzten 30 Jahren hat die Bestandsgröße des Europäischen Aals deutlich abgenommen. „Neben der Veränderung der natürlichen Lebensräume, der Überfischung und anderen Faktoren werden auch Schadstoffe als möglicher Grund für den starken Rückgang des Bestandes vermutet“, sagt Marko Freese vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Hamburg.

Im Rahmen des Datenerhebungsprogramms „Data Collection Framework“ der Europäischen Kommission untersuchen Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen gemeinsam, welche Faktoren beim Rückgang der Aalbestände eine Rolle spielen und welche Maßnahmen geeignet sind, damit der Bestand sich erholen kann.

Dazu gehören auch die Untersuchungen in dem „POPs in Eels-Project“ der Abteilung “Umweltchemie“ am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG). „Ich möchte herausfinden, welche Rolle die alten und neuartigen Flammschutzmittel beim Bestandsrückgang des Aals spielen“, sagt Doktorandin Roxana Sühring vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

Einsatz und Verbreitung von Flammschutzmitteln

Flammschutzmittel werden Kunststoffen und Textilien zugesetzt, um sie schwer brennbar zu machen. Einige dieser Chemikalien sind gesundheitlich und ökologisch bedenklich und bauen sich in der Umwelt nur langsam ab.

Mit dem „Stockholmer Übereinkommen zu persistenten organischen Schadstoffen (POPs)“ (Stockholmer Konvention) sind seit 2004 die Herstellung und der Einsatz von einigen Flammschutzmitteln, wie zum Beispiel polybromierte Diphenylether (PBDEs), eingeschränkt oder verboten. Es werden jedoch chemisch ähnliche Flammschutzmittel auf den Markt gebracht, die derzeit noch nicht reguliert sind. Der weltweite Einsatz an Flammschutzmitteln wird auf mehrere hunderttausend Tonnen pro Jahr geschätzt.

Flammschutzmittel in Aalen

In ausgewachsenen Aalen weist Sühring, im Vergleich zu den von ihr untersuchten Jungaalen, im europäischen Vergleich nach wie vor hohe Konzentrationen der bereits verbotenen PBDEs nach. Als Ersatz werden heute bromierte Flammschutzmittel oder chlorierte Dechlorane eingesetzt. Diese Substanzen konnte Roxana Sühring in allen Lebensstadien der Aale finden.

Besonders in Jungaalen sind diese Ersatzstoffe in höheren Konzentrationen enthalten als die PBDEs. Dafür hat die Umweltchemikerin in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Thünen-Instituts Gewebeproben von etwa 90 Europäischen Aalen verschiedenster Lebensstadien aus der Elbe, dem Rhein und dem deutsch-dänischen Fluss Vidå untersucht.

Anhand der von Roxana Sühring untersuchten Proben ist neben der Konzentration der Chemikalien im Gewebe auch zu erkennen, wo die Stoffe aufgenommen werden. Denn Aale leben in den Ozeanen und Mündungsbereichen der Flüsse, bevor sie ab einem Alter von ein bis drei Jahren flussaufwärts wandern. Die neuartigen Stoffe werden sowohl im Mündungsbereich von den Jungtieren als auch weiter flussaufwärts von den ausgewachsenen Tieren aufgenommen.

Die heute verbotenen PBDEs wurden überwiegend flussaufwärts nachgewiesen – vor allem in Proben aus Industriegebieten am Rhein. Auffällig ist, dass Sühring das chlorierte Flammschutzmittel Dec-602 nachweisen konnte, das weder in Europa produziert noch nach Europa importiert wird. Durch die Arbeit von Sühring wurde Dechloran Dec-602 erstmals in aquatischen europäischen Organismen untersucht und nachgewiesen.

Es ist bekannt, dass von halogenierten organischen Verbindungen Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. Zu dieser Stoffgruppe gehören auch die bromierten Flammschutzmittel und die chlorierten Dechlorane.

Um das Risiko dieser neuartigen Flammschutzmittel einzuschätzen, gibt es laut Sühring jedoch noch zu wenige Untersuchungsdaten und daher auch keine offiziellen Grenzwerte. Um gesicherte Aussagen zu treffen, welche Rolle die Flammschutzmittel beim Bestandsrückgang der Aale spielen, müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Kontakt

Julika Doerffer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Bereich Küsten- und Klimaforschung
Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Telefon: 04152 87 1784
Mobil: 0171 2350220
E-Mail: julika.doerffer@hzg.de
Roxana Sühring
Institut für Küstenforschung
Abteilung Umweltchemie
Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Telefon: +49 (0)4152 87 2353
E-Mail roxana.suehring@hzg.de

Dr. Torsten Fischer | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.hzg.de
http://www.hzg.de/institute/coastal_research/structure/biogeochemistry_in_coastal_seas/environmental_chemistry/index.html.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise