Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geckozehen haften dank Schwerkraft besser

05.08.2009
Haarlamellen kommen erst ab bestimmtem Neigungswinkel zum Einsatz

Geckos benutzen das perfekte Haftsystem ihrer Zehen nur ab einer gewissen Neigung.

Das berichten Biologen der University of Calgary und der Clemson University in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B. Sie konnten nachweisen, dass Geckozehen, die für ihre perfekte Haftung an glatte Oberflächen bekannt sind, erst ab einem bestimmten Einfallswinkel auf Haftwirkung umschalten. Dabei büßen sie auf rauen, geneigten Oberflächen allerdings an Laufgeschwindigkeit ein. Bei flachem Untergrund verzichten Geckos hingegen auf ihr Haftsystem, selbst wenn sie dabei ausrutschen sollten.

Die Forscher statteten Bretter mit Sandpapier und Acrylglas aus, kippten sie in verschiedenen Winkeln und ließen jeweils sechs Mauergeckos darüber laufen. Ohne Neigung rutschten die Tiere auf der glatten Oberfläche aus, ohne ihr Haftsystem einzuschalten. Bei einem Winkel von zehn Grad schalteten drei der Tiere ihr Haftsystem ein, was auf Sandpapier eine Drosselung der Geschwindigkeit auf die Hälfte bedeutete, während die Tiere ohne Haftsystem noch mit 81 Prozent ihrer ursprünglichen Geschwindigkeit weiterliefen. Auf glattem Kunststoff rutschten die Tiere hingegen nicht mehr und waren um ein Drittel schneller als auf der flachen Ebene. Bei einem stärkeren Kippwinkel von 30 Grad benutzten schließlich alle sechs Tiere ihr Anti-Rutsch-System.

Durch die Wahrnehmung der Gravitation durch den Neigungswinkel entscheidet der Gecko somit, wann er auf seine Fußstellung mit Haftfunktion umschaltet. "Dieser Wechsel schadet der Geschwindigkeit, bringt der Haftung jedoch Vorteile. Das ist dasselbe Prinzip wie bei einem Formel-1-Wagen, der dann auf Regenreifen wechselt, wenn Haftung vorteilhafter als reine Geschwindigkeit ist", erklärt Studienleiter Anthony Russell. Die Forscher gehen davon aus, dass die Erkenntnis in verschiedenen Einsatzgebieten Vorteile bringen könnte, etwa in der Robotik und Weltraumforschung, bei medizinischen Vorgängen, bei militärischen Anwendungen wie etwa in der Entsorgung von Bomben oder auch beim Aufhängen eines Bildes an die Wand.

Dass viele Details der Haftungstechnik beim Gecko bis heute nicht geklärt sind, berichtet der Reptilienexperte Kornelis Biron http://www.reptilientierarzt.de gegenüber pressetext. "Die Struktur von Geckoszehen ist nicht Saugnapf-artig wie bei Amphibien, sondern gleicht Lamellen, die unter dem

Elektronenmikroskop als feine Härchen erscheinen. Sie werden abgerollt und ermöglichen bei unebenen Wänden einen Klettverschluss-Effekt."

Der dadurch erreichte Halt sei so stark, dass man Geckos gegen ihren Willen kaum von einer Wand entfernen könne. "Auch tote Geckos bleiben bis zur Verwesung der Haftlamellen an der Wand hängen", so Biron. Die Lamellen der Gecko-Haftfinger verdrängen jedoch auch Wasser, da bei Feuchtigkeit sonst keine Haftwirkung möglich ist. Auf flachem Boden heben die Tiere ihre Haftfinger zu deren Schonung an, verfügen jedoch meist auch über feine Krallen, die bei Bedarf etwa auf Baumrinden einen sicheren Lauf gewährleisten.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ucalgary.ca
http://www.clemson.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften