Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geburtenkontrolle im Zoo: Veterinären gelingt schwierige Flusspferd-Kastration

20.12.2013
Flusspferde vermehren sich in Gefangenschaft bestens. In Zoos kann diese Fortpflanzungslust jedoch zum Platzproblem werden.

Um einer Überpopulation vorzubeugen, ist die Kastration der männlichen Tiere prinzipiell eine gute Sache. Die Anatomie der männlichen Fortpflanzungsorgane- der Dickhäuter stellt Veterinäre allerdings vor eine Herausforderung.

WissenschafterInnen vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna entwickelten erfolgreich eine Kastrationsmethode für Flusspferde und veröffentlichten ihre Resultate im Fachjournal Theriogenology.

Das Flusspferd (Hippopotamus amphibius), oftmals auch Nilpferd genannt, ist in der freien Wildbahn vom Aussterben bedroht. In Gefangenschaft vermehren sich die mächtigen Wassertiere jedoch so gut, dass Zoos ihre Fortpflanzung eindämmen müssen.

Ein weibliches Flusspferd wird in etwa 40 Jahre alt und kann bis zu 25 Jungtiere zur Welt bringen. Für so viele Jungtiere hätten Zoos beim besten Willen keinen Platz. Die Kastration der Männchen ist prinzipiell eine gute Methode, die Fortpflanzung einzuschränken, denn gleichzeitig bremst eine Kastration auch die Aggression männlicher Tiere untereinander.

Leider gibt es nur wenige dokumentierte Fälle erfolgreicher Flusspferdkastrationen. Das Verfahren ist bekanntermaßen schwierig, da sowohl Narkose als auch das Auffinden der Hoden problematisch ist.

Anpassung an ein Leben im Wasser

Flusspferde sind an ein Leben im Wasser angepasst und können bei Tauchaktionen auch mit Sauerstoffmangel umgehen. Die üblichen Narkosemittel können bei den Tieren Atemprobleme verursachen und manchmal sogar tödlich sein. Solche Probleme wurden durch Fortschritte bei Anästhesieverfahren reduziert. Ein Team um Chris Walzer veröffentlichte bereits 2012 ein für diese Tierart entwickeltes Narkoseprotokoll, welches die Injektion von genug Narkosemittel durch die dicke Haut der Tiere zulässt.

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2012
/narkose-flusspferd/
Auch wenn man es als Laie kaum vermuten würde, Flusspferde sind entfernt mit den Walen verwandt und haben außer der dicken Haut noch andere Anpassungen an ihren teilweise aquatischen Lebensraum. Das ist auch an ihrer Anatomie und Physiologie erkennbar. Während die Hoden von Walen sich immer intern im Bauchraum befinden, „verstecken“ männliche Flusspferde ihre Fortpflanzungsorgane im Leistenkanal, einer Passage in der vorderen Bauchwand. Die Hoden der Tiere sind deshalb schwer zu finden, man kann sie kaum sehen oder ertasten.

Sichtbar mithilfe von Ultraschall

Chris Walzer und KollegInnen aus drei verschiedenen zoologischen Einrichtungen und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildforschung (IZW) haben eine neue chirurgische Kastrationsmethode an zehn Flusspferden aus verschiedenen Zoos durchgeführt.

Für die Kastration wurden die Tiere unter ständiger Beobachtung der Vitalparameter narkotisiert. Die TierärztInnen mussten bei extrem schlechten Sichtverhältnissen operieren, also setzten sie ein Ultraschallgerät ein, um die schwer zu findenden Hoden im Körper der Tiere zu lokalisieren. „Für die Hippo-Kastration haben wir eine Methode, die eigentlich für Pferde entwickelt wurde, angepasst. Bei Pferden liegen die Hoden außerhalb des Körpers und sind deshalb problemlos sichtbar. Beim Flusspferd sieht man hingegen gar nichts. Uns sind keine Berichte über die vorherige Verwendung von Ultraschall zur Lokalisierung der Hoden bekannt, aber genau das war essenziell”, erklärt Walzer. „Denn die Hoden sind nicht nur schwer auffindbar, sie können auch während der Operation immer wieder ihre Position verändern.“

Widerstandsfähige Schwergewichte

Nach den chirurgischen Eingriffen konnten die Tiere problemlos in ihr Gehege mit Schwimmbecken entlassen werden. Sie verfügen, genau wie ihre Verwandten die Wale, über eine sehr gute Wundheilung: sie scheiden eine Art roten „Schweiß“ aus, der antibakterielle Eigenschaften hat. Das dürfte für sie überlebenswichtig sein, da sie einander oft bei Kämpfen verletzen und sich die Wunden im Wasser sonst schnell infizieren könnten. „Aufgrund ihrer natürlichen Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen erholen sich Flusspferde rasch von operativen Eingriffen. Wir haben nun eine effektive und sichere Methode entwickelt, um die Vermehrung dieser beliebten und ungewöhnlichen Tierart im Zoo im Zaum zu halten“, resümiert Walzer.

Der wissenschaftliche Artikel “Surgical castration of the male common hippopotamus (Hippopotamus amphibius)” von Christian Walzer, Thierry Petit, Gabrielle L. Stalder, Igal Horowitz, Joseph Saragusty, und Robert Hermes wurde im Journal Theriogenology veröffentlicht. (Copyright Elsevier, 2013)

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0093691X13004275

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und modernste Forschungsinfrastruktur. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls dazu. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Chris Walzer
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 48909150-180
chris.walzer@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark
25.07.2017 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

nachricht Welcher Scotch ist es?
25.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie