Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebänderte Flussköcherfliege ist Insekt des Jahres 2013

12.12.2012
Deutschland, Österreich und die Schweiz haben die Gebänderte Flussköcherfliege zum Insekt des Jahres 2013 gekürt. Köcherfliegen sind unscheinbare, graubraune Insekten, die sich tagsüber in Moos und Totholz oder unter Blättern ufernaher Pflanzen verbergen. Gegen Abend tanzen sie am Wasser in Schwärmen und werden dann häufig mit Mücken verwechselt.
Faszinierend sind ihre Larven, denn sie leben im Wasser und viele bauen sich einen Köcher. Daher der Name. Der Köcher ist eine Schutzhülle, die aus Sandkörnern oder Pflanzenstängeln zusammen geklebt wird, aus der nur der Kopf der Larve und die sechs Beine herausschauen. Die Gebänderte Köcherfliege wurde stellvertretend für die über 300 Arten in Mitteleuropa vom Kuratorium Insekt des Jahres ausgewählt.

Köcherfliegen verbringen die meiste Zeit ihres einjährigen Lebens unter Wasser. Wenn sich in einem Bachbett oder am Rande eines Teiches kleine Steinchen und Pflanzenteile auffallend von einer Stelle zur anderen fortbewegen, dann stecken meist die Larven von Köcherfliegen dahinter.

Aber nicht alle Köcherfliegenlarven haben Köcher, andere weben im geschützten Pflanzengeflecht oder unter Steinen feinmaschige Gespinste, die sie bewohnen und als Netze zum Nahrungserwerb nutzen, und wieder andere sind freilebende Räuber. Dazu zählt auch die Gebänderte Köcherfliege.

Die filigranen Anhänge am Hinterleib, mit denen sie Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen, kann man bei ihren Larven gut sehen, zumindest bei den 2 bis 3 cm großen kurz vor der Verpuppung. Da die Larven der Gebänderten Köcherfliege schnell fließende Gewässer lieben – das bedeutet der wissenschaftliche Name Rhyacophila - müssen sie sich am Untergrund mit Haken festkrallen, um nicht fortgerissen zu werden. Diese Haken sitzen an der „Nachschieberkralle“ am Ende des Hinterleibs. Außerdem ziehen die Larven aus einer Spinndrüse vorne an den Mundwerkzeugen einen Sicherheitsfaden, den sie zuvor auf stabilen, großen Steinen festkleben.

Haben sie sich viermal gehäutet und sind groß genug, dann sucht sich die Larve der Gebänderten Köcherfliege am Boden kleine Kiesel von bis zu 1 cm Größe und bauen sich daraus mit Spinnfäden eine Art Steinkuppel, unter der sie sich verpuppen. Nach nur zwei Wochen stechen sie die Kokonwand mit einem dolchförmigen Mundwerkzeug auf und klettern an Steinen oder Pflanzen empor bis über die Wasseroberfläche. Dann schlüpfen sie aus der Puppenhülle.

Die eigentliche Gebänderte Köcherfliege hat bis zu 14 mm lange Flügel, die sie dachartig zusammenlegt. Wenn sie fliegt, beträgt ihre Spannbreite ganz beachtliche 3 cm. Andere Köcherfliegen weisen nur 6 mm auf, die größte Art 6 cm. Mit ihren Mundwerkzeugen können sie nur Tau oder etwas Nektar auflecken. Sie leben auch nur zwei bis vier Wochen. Nach der Paarung fliegen die Weibchen zum Wasser und tauchen unter, um ihre Eier in Ritzen und Spalten von Steinen und Holz zu drücken. Sie taucht danach wieder aus dem Wasser auf; das Wasser perlt an ihr ab.

Köcherfliegen sind weit verbreitet, weltweit gibt es ca. 13.000 Arten. Sie gehören damit zu den erfolgreichsten Insektenarten unter Wasser. Allerdings haben sie sich dafür viel Zeit genommen. Von ihren nächsten Verwandten, den Schmetterlingen, spalteten sie sich vor ca. 250 Millionen Jahren ab. Ein gemeinsames Zeichen ist noch, das ihre Flügel dicht bedeckt sind, bei Schmetterlingen mit Schuppen, bei Köcherfliegen mit Haaren. Die Gebänderte Köcherfliege gehört mit ihren europäischen Unterarten zu den wenigen Köcherfliegen, die ganz Europa besiedeln, nur Irland nicht, und in Mitteleuropa die höchste Dichte aufweist. Die Chance, sie in einem Bach zu sehen ist, daher ziemlich groß. Der Bach muss allerdings sauberes Wasser aufweisen; die Larven sind ein Indikator für eine gute Wasserqualität.

Kontakt zum Pressesprecher des Kuratoriums:
Dr. Wohlert Wohlers
Julius Kühn-Institut, Standort Braunschweig
Tel.: 0531/299-3396
E-Mail: wohlert.wohlers@jki.bund.de

Die Fotos sowie die Liste der Insekten des Jahres finden Sie unter Presse > Insekt des Jahres

Dr. Wohlert Wohlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de/index.php?id=789

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics