Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Führen Stresshormone zu verstärktem Mitgefühl?

17.03.2014

Charité-Wissenschaftler untersuchen Einfluss von Stresshormonen auf das Empathie-Empfinden

In einer aktuellen Studie zeigen Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dass die Stimulation eines bestimmten Stresshormon-Rezeptors im Gehirn ein erhöhtes Maß an Mitgefühl erzeugt. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Neuropsychopharmacology* veröffentlicht.

Stress löst im Gehirn eine komplexe Kette von Reaktionen aus. So signalisiert das Nervensystem der Nebennieren-Rinde, verschiedene Hormone freizusetzen, unter anderem das Hormon Cortisol. Die Nebenniere ist eine paarige Hormondrüse und befindet sich beim Menschen auf den oberen Polen beider Nieren.

Das von ihr ausgeschüttete Cortisol wirkt im Gehirn über zwei verschiedene Rezeptortypen, den sogenannten Mineralocorticoid Rezeptor (MR) und den Glucocorticoid Rezeptor (GR). Die physiologische Wirkweise von Cortisol ist vielfältig. So ist beispielsweise die Erinnerungsfähigkeit bei einem hohen Cortisolspiegel verschlechtert – ein Effekt, den viele Menschen aus Prüfungssituationen kennen.

Auch die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden, scheint in Stresssituationen beeinträchtigt zu sein. Dies ist von besonderer Bedeutung, da im Alltag viele komplexe soziale Interaktionen unter Stress bewältigt werden müssen.

Die Charité-Wissenschaftler Prof. Dr. Katja Wingenfeld, Prof. Dr. Christian Otte und Privatdozent Dr. Stefan Röpke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin untersuchten in ihrer Studie erstmals, welchen Einfluss die gezielte pharmakologische Stimulation des MR-Rezeptors durch den Wirkstoff Fludrocortison auf die Fähigkeit hat, Mitgefühl zu empfinden.

Dabei wurden neben gesunden Probandinnen auch Patientinnen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung untersucht. Diese Erkrankung ist unter anderen durch ausgeprägte Defizite in der Regulation von Emotionen und äußerst instabile soziale Beziehungen gekennzeichnet.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Fludrocortison die Fähigkeit, Empathie zu empfinden, also das Ausmaß, in dem die Teilnehmerinnen mit Personen, die auf verschiedenen Bildern szenisch dargestellt waren, mitfühlten, deutlich steigerte“, erklärt Prof. Wingenfeld. „Interessant ist, dass die kognitive Empathiefähigkeit, also das reine Erkennen der Emotion der Personen auf den Bildern, durch die Rezeptorstimulation nicht verändert zu sein scheint. In nachfolgenden Studien wollen wir nun die Befunde genauer untersuchen, wobei die Frage, inwieweit diese positiven Ergebnisse auch therapeutisch nutzbar gemacht werden können, im Fokus stehen wird“, fügt sie hinzu. 

*Quelle: Wingenfeld K, Kuehl LK, Janke K, Hinkelmann K, Dziobek I, Fleischer J, Otte C,
Roepke S. Enhanced Emotional Empathy after Mineralocorticoid Receptor Stimulation In Women With Borderline Personality Disorder And Healthy Women.
Neuropsychopharmacology. 2014 Feb 18. doi: 10.1038/npp.2014.36.

Kontakt:
Prof. Dr. Katja Wingenfeld
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
katja.wingenfeld@charite.de

Weitere Informationen:

http://www.charite.de
http://psychiatrie.charite.de/

Dr. Julia Biederlack | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?

28.07.2017 | Studien Analysen

Assistenzsysteme für die Blechumformung

28.07.2017 | Maschinenbau

Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

28.07.2017 | Physik Astronomie