Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frösche liefern neue Antibiotika

06.09.2010
Amphibienhaut produziert tausende chemische Substanzen

Die Haut von Fröschen könnte in Zukunft Ideen für den Einsatz bisher ungenützter neue Antibiotika liefern. Ein Forscherteam der United Arab Emirates University hat in der Haut von insgesamt 6.000 Fröschen mehr als 100 potenzielle Bakterienkiller identifiziert. Einige der Substanzen sind hochgiftig und werden nun von den Wissenschaftlern so umgebaut, dass sie sich zur medizinischen Anwendung eignen. Die Arbeit wurde beim Jahrestreffen der American Chemical Society präsentiert.

"Ganze Arsenale von Substanzen finden sich in der Froschhaut wieder", bestätigt der Amphibienexperte Heinz Grillitsch vom Naturhistorischen Museum Wien http://www.nhm-wien.ac.at im pressetext-Interview. "Dadurch, dass die Haut der Amphibien feucht ist, müssen sich diese Tiere ganz besonders davor schützen, nicht von Schimmelpilzen oder Krankheitserregern besiedelt zu werden. Im Laufe der Evolution haben sie eine Vielzahl solcher chemischen Stoffe zu ihrem eigenen Schutz entwickelt."

Probleme mit Antibiotika-Resistenzen

Krankheitserregende Bakterien, gegen die keine wirksamen Antibiotika (mehr) verfügbar sind, gehören zu den größten Problemen der Menschen und der Wissenschaft. Das Forscherteam um Michael Conlon hat in einem seltenen amerikanischen Frosch nun eine neue Substanz entdeckt, die vielversprechend für die Entwicklung eines neuen Antibiotikums scheint. Bis es jedoch zum Einsatz eines neuen Medikaments kommen wird, dauert es noch.

"Selbst wenn man die chemische Zusammensetzung dieser Substanzen kennt, kann man sie nicht einfach anwenden", erklärt Grillitsch. Vielmehr müssen in langwierigen Untersuchungsverfahren geeignete Darreichungsformen entwickelt werden. Sie stellen sicher, dass die in ihrer ursprünglichen Form giftigen Stoffe menschliche Zellen nicht zerstören oder schädigen. "Man muss zudem dafür sorgen, dass die Wirkstoffe vor allem dort ihre Wirkung entfalten, wo sie die Pathogene zerstören sollen."

Amphibien unbedingt schützen

Anders als Säugetiere, Vögel oder Reptilien haben sich die Frösche und Salamander in ihrer Entwicklung nie ganz vom aquatischen Lebensraum losgelöst und sind dadurch sowohl an ein Leben im Wasser als auch an Land angepasst. "Sie besitzen eine drüsenreiche feuchte Haut, die ganz spezielle Eigenschaften aufweisen muss, damit sie nicht von Pilzen oder pathogenen Mikroorganismen befallen wird, die das Tier töten", erklärt Grillitsch. "In der Epidermis der Frösche werden unzählige Substanzen produziert, die dafür sorgen, dass die empfindliche Haut trotz hoher Luftfeuchtigkeit gesund bleibt und keine Eintrittspforte für Krankheitserreger darstellt", so der Experte.

"Viele dieser Substanzen sind bekannt. Es handelt sich um biogene Amine, Peptide, Alkaloide und andere organische Verbindungen", erklärt Grillitsch. Den US-Forschern ist es gelungen, die Molekularstruktur der antibiotisch wirksamen Komponente des Froschhautsekrets so zu verändern, dass die Substanz die Zellen nicht zerstört, aber noch effektiver Bakterien abtötet.

"Amphibien haben ihren Hautschutz in gut 300 Mio. Jahren Evolution entwickelt und verfeinert", meint Grillitsch abschließend. Alleine diese Tatsache weist auf die Wichtigkeit hin, die Amphibienbestände, die in den vergangenen Jahrzehnten weltweit rapide zurückgingen, zu schützen." In Sachen chemische Abwehr von Pathogenen könnten sie dem Menschen noch einigen Nutzen bringen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uaeu.ac.ae

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Bakterien Evolution Frösche Krankheitserreger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie