Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fresszellen als Komplizen von Viren

21.07.2011
Schleimhautepithelien sind wirksam vor krankmachenden Keimen geschützt.

Dennoch gelingt es einzelnen Viren, wie dem HI-Virus, auf unbekannte Weise über die Schleimhaut in den Körper einzudringen. Zellbiologen der Universität Zürich haben nun einen neuen Infektionsmechanismus identifiziert. Sie weisen nach, dass die Viren körpereigene Fresszellen für die Infektion benutzen. Die neuen Erkenntnisse sind für Krebsgentherapien und die Entwicklung von anti-viralen Medikamenten von Bedeutung.

Schleimhautepithelien haben auf der Aussenmembran keine Rezeptoren für die Aufnahme von Viren wie z.B. Hepatitis C-, Herpes-, Adeno- oder Polioviren. Auf diese Weise sind Schleimhautepithelien wirksam vor krankmachenden Keimen geschützt. Dennoch gelingt es einzelnen Viren, wie z.B. dem menschlichen Immundefizienz-Virus HIV, über die Schleimhaut in den Körper einzudringen. Wie dieses Eindringen auf molekularer Ebene abläuft, war bislang ein ungelöstes Rätsel. Diskutiert wurden drei Hypothesen: Erstens eine mechanische Beschädigung der Schleimhaut als Ursache, zweitens das Vorhandensein von noch nicht bekannten Rezeptoren auf den Schleimhautzellen oder drittens das Eindringen der Viren mittels einer Art Trojanischen Pferdes. Jetzt ist es Zellbiologen der Universität Zürich erstmals gelungen, den Infektionsmechanismus für Adenoviren zu identifizieren.

Verena Lütschg und Zellbiologen des Molekularbiologischen Instituts unter der Leitung von Urs Greber zeigen im kürzlich publizierten online Magazin Nature Communications, wie Adenoviren vom Typ 5 im Lungenepithel eine durch die Infektion ausgelöste Antwort des Immunsystems für den weiteren Verlauf der Infektion ausnützen. Adenoviren benützen Fresszellen und deren einsetzende Produktion von antiviralen Zytokinen als Türöffner für die Infektion der Lungenepithelzellen.

Exposition von abgeschirmten Rezeptoren

Antivirale Zytokine spielen bei immunologischen Reaktionen eine wichtige Rolle und führen zum Beispiel zu Entzündungsreaktionen. Sie bringen die Epithelzellen dazu, gewisse, unter normalen Umständen abgeschirmte Rezeptoren zu exponieren und damit Immunzellen für die Abwehr zu aktivieren. Für gesunde Menschen ist eine Infektion der Lunge mit Adenoviren vom Typ 5 harmlos, da diese lediglich eine Erkältung auslösen. Unter grossen Stresssituationen oder bei chronischen Atemwegerkrankungen können Adenoviren jedoch stark akute Infektionen hervorrufen, die unter Umständen tödlich sein können.

Der neu identifizierte Infektionsmechanismus kann als Modell dafür dienen, auf welchem Weg Krankheitserreger in die Schleimhautepithelzellen eindringen und in den Körper gelangen. Er ist aber auch insbesonders im Hinblick auf therapeutische Anwendungen von grosser Bedeutung. Bereits heute werden Adenoviren vom Typ 5 sehr häufig als Transportvehikel in der Krebsgentherapie eingesetzt. Die Kenntnis des Transportwegs wird dazu dienen, diese Gentherapien, aber auch die Entwicklung von spezifisch wirkenden Krebsmedikamenten, weiter voranzutreiben.

Literatur:
Verena Lütschg, Karin Boucke, Silvio Hemmi, Urs F. Greber, Chemotactic antiviral cytokines promote infectious apical entry of human adenovirus into polarized epithelial cells, Nature Communications DOI: 10.1038/ncomms1391, www.nature.com/naturecommunications
Kontakt:
Prof. Urs Greber, Universität Zürich, Institut für Molekulare Biologie
Tel. +41 44 635 48 41, E-Mail urs.greber@imls.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.imls.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie