Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fremde Arten steigern Infektionsrate in Ägypten – Eindringlinge helfen Parasiten

12.02.2014
Sauberes Trinkwasser für das Land am Nil – dafür arbeiten das Zentrum für Wasser- und Umweltforschung an der Uni Duisburg-Essen (UDE) und die Fayoum University in Ägypten seit zwei Jahren eng zusammen.

In einer Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass eine aus Nordamerika stammende Wasserschnecke die Infektion mit gefährlichen Leberegeln begünstigt. Das sind Parasiten, die die Leber von Rindern, Schafen oder auch des Menschen befallen und großen Schaden anrichten. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass eine nicht-heimische Pflanze die Ausbreitung fördert. Ihre Erkenntnisse wurden jetzt in PLOS One veröffentlicht und sollen helfen, die Parasiten besser unter Kontrolle zu halten

Bisher war das ausgeklügelte Wirt-Parasit-System in Ägyptens Kanälen kaum erforscht: „Die im Wasser geschlüpften Larven der Leberegel können sofort schwimmen, brauchen aber einen Zwischenwirt um zu überleben“, erklärt Dr. Daniel Grabner aus der Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie an der UDE. Hier kommen die Schnecken ins Spiel. Die Larven bohren sich in die Organe der Weichtiere, entwickeln sich weiter und können sich ungeschlechtlich vermehren. Pro Schnecke potenziert sich so ihre Anzahl um ein Vielfaches. Besorgniserregend dabei ist, dass die eingeschleppte, nordamerikanische Schlammschnecke sich stark ausbreitet und offenbar einen besseren Zwischenwirt darstellt als einheimische Schneckenarten.

Sind die Larven gereift, verlassen sie aktiv ihren Zwischenwirt und heften sich im Wasser an Pflanzen. Mit dem bloßen Auge sind die Schädlinge nicht zu erkennen. „Jetzt sind sie hochinfektiös und warten darauf, gemeinsam mit der Pflanze vom Endwirt gefressen zu werden“, sagt Dr. Grabner. Und weil sie sich über die ägyptischen Bewässerungssysteme auch ungehindert an Nutzpflanzen auf den landwirtschaftlichen Überschwemmungsflächen ablagern, wächst die Infektionsrate bei der Bevölkerung. „Gelangen die Parasiten in den Körper, dringen sie durch Darm und Lebergewebe und nisten sich als fertige Würmer in den Gallegängen ein“, warnt der Experte. Dort produzieren sie neue Eier, die ausgeschieden werden und wieder im Wasser schlüpfen – der schadhafte Kreislauf ist geschlossen.

Wildwuchs verschärft die Problematik

Zusätzlich greift offenbar die aus Südamerika eingeschleppte Wasserhyazinthe in diesen Zyklus ein. An der stark wuchernden Pflanze können sich die Schnecken ungestört vermehren. Außerdem bietet sie Schutz vor Pestiziden, die schon lange zur Schneckenbekämpfung in den ägyptischen Bewässerungsgräben eingesetzt werden: „Mit Gift ist die Lage nicht in den Griff zu kriegen. Die amphibischen Schnecken retten sich einfach so lange auf die Wasserhyazinthen bis die tödliche Welle vorbei ist.“

Es sind also gleich zwei eingewanderte Arten, die gleichzeitig die Ausbreitung des Leberegels und dessen schädliche Wirkung für den Menschen begünstigen. Dieses Problem wollen die deutschen und ägyptischen Forscher in ihrem Kooperationsprojekt Integrated Water Technologies, kurz IWaTec, weiter bekämpfen, sagt Dr. Grabner: „Neue Management-Strategien für die Bewässerungsgräben könnten die Infektionsraten möglicherweise senken. Wenn etwa Felder nicht mehr geflutet, sondern per Sprinkleranlage versorgt werden. Denkbar ist auch, Wasserpflanzen gezielter zu entfernen und geeignete schneckenfressende Fische auszusetzen.“

Um die Situation nachhaltig in den Griff zu kriegen, bilden die UDE-Wissenschaftler zudem kompetente Fachkräfte aus. Das macht die Kooperation auch in politisch schwierigen Zeiten so erfolgreich. Noura Zaghloul aus Fayoum ist eine der ägyptischen Studierenden, die seit September 2013 an der UDE zu Gast sind. Sie analysiert die heimischen Wirt-Parasit-Systeme im Labor: „Die Ergebnisse sind extrem spannend. Mithilfe der hier vorhandenen Methoden und Expertise können wir vielleicht die Situation in Ägypten verbessern“, sagt die 30-Jährige.

Das Gemeinschaftsprojekt untersucht die zahlreichen Probleme Ägyptens in der Wasserversorgung und versucht, den richtigen Umgang mit der kostbaren Ressource zu vermitteln. Die Studie zur Parasitenausbreitung ist nur eines von insgesamt acht Forschungsprojekten, die jedes Jahr gemeinsam durchgeführt werden. IWaTec wird finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und gefördert vom DAAD.

Publikationshinweis: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0088537

Hinweis für die Redaktion:
Ein Bild von einer nordamerikanischen Wasserschnecke auf dem Blatt einer Wasserhyazinthe (Fotonachweis: UDE/Noura Zaghloul) stellen wir Ihnen unter folgendem Link zur Verfügung: http://www.uni-due.de/de/presse/pi_fotos.php
Weitere Informationen:
Dr. Daniel Grabner, Tel. 0201/183-2250, daniel.grabner@uni-due.de
Prof. Dr. Bernd Sures, Tel. 0201/183-2617, bernd.sures@uni-due.de
Redaktion: Carmen Tomlik, Tel. 0203/379-2430

Katrin Koster | Universität Duisburg-Essen
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz