Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauenpower statt Macho-Gehabe

26.08.2009
Afrikanische Grillkuckuck-Weibchen vertreiben Eindringlinge mit ihrem Gesang

Nicht bei allen Vogelarten sind die Männchen für die Verteidigung des Brutreviers zuständig. Beim afrikanischen Grillkuckuck übernimmt offenbar das Weibchen diese Rolle. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und der Universität Leiden haben nämlich herausgefunden, dass bei dieser Vogelart das Weibchen seinen Gesang ändert, wenn ein anderes Weibchen in das Revier eindringt. Größere Weibchen können dabei tiefer singen als kleinere und so Eindringlinge durch ihren Gesang einschüchtern. (Behavioral Ecology and Sociobiology, 20. August 2009)


Grillkuckuck-Weibchen während der Äußerung von Lauten: \"whoots\" (links) und \"k’tucs\" (rechts).
Bild: Wolfgang Goymann

Grillkuckucke gehören zu einer der wenigen Vogelarten mit vertauschten Geschlechterrollen, bei denen in erster Linie die Weibchen singen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind es hier auch die Damen, die mit einem prächtigen Brutgefieder um Partner werben. Sie verteidigen große Reviere, aus denen sie Konkurrentinnen rigoros vertreiben. Männchen sind dagegen willkommen - je mehr desto besser: Jedes Weibchen verpaart sich mit bis zu vier Männchen. Bereits vor zwei Jahren hatten Max-Planck-Wissenschaftler in Seewiesen entdeckt, dass das Sexualhormon Testosteron bei diesem Rollentausch eine wichtige Rolle spielen könnte. Grillkuckuck-Weibchen bilden nämlich in bestimmten Gehirnbereichen mehr Testosteron-bindende Rezeptormoleküle aus als die Männchen. Dadurch können geringere Testosteron-Mengen ausreichen, um bei den Weibchen Aggression und Revierverhalten zu steuern.

Nicole Geberzahn, Wolfgang Goymann und Christina Muck vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, haben mit Carel ten Cate von der Universität Leiden den Gesang der Grillkuckuck-Weibchen im Südwesten Tansanias untersucht. Der Gesang der Grillkuckuck-Weibchen setzt sich aus Lautäußerungen zusammen, die lautmalerisch "whoot" und "k’tuc" genannt werden. In ihren Experimenten platzierten die Forscher Lautsprecher in die Mitte der Reviere und spielten den Vögeln Lautäußerungen eines fremden Weibchens vor, das vermeintlich in ihr Revier eingedrungen war. Die Revierinhaberinnen näherten sich daraufhin dem Lautsprecher und antworteten selbst mit Gesängen, während sich die Männchen im Hintergrund aufhielten und nicht in das Geschehen eingriffen.

Als die Forscher nun die Antwortlaute auswerteten, zeigte sich ein interessantes Ergebnis: Die Tonlage der Antwortgesänge war tiefer als bei spontan geäußerten Gesängen. Außerdem waren die "whoot"-Laute, die sie am häufigsten als Antwortlaute benutzten, länger, wenn die Weibchen durch die imaginäre Konkurrentin provoziert wurden. Je größer die Revierinhaberin war, desto tiefer klang ihr Gesang. Der Konkurrenz-Gesang der Grillkuckuck-Weibchen vermittelt Eindringlingen also möglicherweise wichtige Informationen. So werden diese abgeschreckt, ohne dass es zum Kampf kommt. "Fremde Weibchen können anhand dieses Gesangs zuverlässig erkennen, ob sich eine Konfrontation lohnt. Denn nur große Weibchen können auch tief singen", vermutet Nicole Geberzahn vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Letztendlich haben nur solche "ehrlichen Signale" im Tierreich eine Chance fortzubestehen - sollten kleinere oder schwächere Artgenossen die Signale der Starken kopieren, würden sie schließlich doch auffliegen, und die entsprechenden Signale wären wirkungslos. "Bei den Grillkuckucken könnte die Ehrlichkeit des Signals dadurch garantiert werden, dass die Weibchen mit ihrem Gesang an die Grenzen der physikalischen Lautproduktion gehen", so Geberzahn.

[SL]

Originalveröffentlichung:

Nicole Geberzahn, Wolfgang Goymann, Christina Muck, Carel ten Cate
Females alter their song when challenged in a sex-role reversed bird species
Behavioral Ecology and Sociobiology (2009), DOI: 10.1007/s00265-009-0836-0
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Nicole Geberzahn
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Tel.: +49 8157 932263
E-Mail: geberzahn@orn.mpg.de

Dr. Felicitas von Aretin | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise