Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortgeschrittenen Krebs mit Viren gezielt bekämpfen

05.11.2015

ViraTherapeutics GmbH eröffnet neues Forschungslabor in Innsbruck

Das österreichische Biotechnologieunternehmen „ViraTherapeutics GmbH“ entwickelt eine weltweit neue Behandlung von Tumoren auf Basis krebstötender (onkolytischer) Viren. Auf dem langjährigen Weg zur einsetzbaren Therapie gegen fortgeschrittenen Krebs erreicht das Start-up ein weiteres Etappenziel. Die junge Firma eröffnet kommenden Montag (9. November) ihr neues Labor in Innsbruck.


Foto:
Das Forschungsteam von ViraTherapeutics

Copyright: ViraTherapeutics

Noch in diesem Jahrzehnt soll die neuartige Behandlung Krebskranken zugutekommen, bei denen die bisher gängigen Standardtherapien versagt haben. Die in der Tiroler Landeshauptstadt entwickelte tumorzerstörende Immunimpfung gilt deshalb als „weltweites Novum, da sie laut allen bisherigen Ergebnissen im Zellkultur- sowie Mausmodell auch bei mehrfacher Anwendung hochspezifisch wirksam bleibt und gesunde Zellen verschont.

Das unterscheidet unser onkolytisches Virus von den über 20 weiteren, die derzeit als neue Krebstherapeutika erforscht werden“, sagt Prof.in Dr.in Dorothee Holm-von Laer. Die Virologin ist Gründerin und Geschäftsführerin der ViraTherapeutics GmbH sowie Direktorin der Sektion für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI).

Innovation aus Tirol - Ein Gesundheitserreger mit Tarnkappe

Das in Innsbruck in molekularbiologischer und genetischer Feinarbeit entworfene Virus heißt kurz „VSV-GP“. Es ist eine Kombination zweier für den Menschen als harmlos geltenden Viren. Das Hülleiweiß des Vesikulären Stomatitisvirus (VSV) wurde dazu gegen das Glykoprotein (GP) des Lymphozytären Choriomeningitisvirus (LCMV) ausgetauscht.

„Diese Hülle fungiert wie eine Tarnkappe. Sie schützt VSV-GP teilweise vor der Erkennung durch das Immunsystem. Auch bei wiederholter Gabe kann dieses onkolytische Virus daher Krebszellen zerstören“, erklärt Dr.in Lisa Egerer. Die Biochemikerin ist Leiterin des neuen Labors der ViraTherapeutics GmbH.

Die VSV-GP-Therapie für fortgeschrittene Krebserkrankungen kann das junge Biotechnologieunternehmen im neuen Labor durch den im heurigen Sommer erfolgten Einstieg der Boehringer Ingelheim Venture Fund GmbH (Sitz Ingelheim Deutschland), der Heidelberger EMBL Ventures GmbH sowie der Venture-Capital-Initiative der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) als Investoren nun weiterentwickeln. Im Visier hat das Team eine verbesserte Therapie jener fortgeschrittenen Tumore, die bisher schwer zu behandeln oder besonders aggressiv sind. Schlüssel dazu ist das Wirkprinzip der Virotherapie. Diese neuartige Behandlung von Krebs greift nicht nur lokal. Vielmehr können onkolytische Viren und das durch sie aktivierte Immunsystem Krebszellen im gesamten Körper zerstören und somit auch Metastasen wirksam bekämpfen.

Vorarbeiten für erste klinische Studie laufen

Im neuen Labor samt Büro mit einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern laufen derzeit die zur Zulassung neuer Therapeutika gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser Effizienz- und Sicherheitsstudien sind ausschlaggebend dafür, dass eine kleine, ausgewählte Gruppe von Krebspatientinnen und –patienten VSV-GP im Zuge einer ersten klinischen Studie verabreicht bekommen kann. Nach Angaben des Unternehmens wird dies frühestens in eineinhalb Jahren der Fall sein. Aktuell können noch keine Patient/inn/en in Studien aufgenommen werden.

Die ViraTherapeutics GmbH mit Sitz in Innsbruck ist in mehrfacher Hinsicht jung. Das Unternehmen arbeitet in einem international neuen Forschungsfeld. Es ist eine Ausgründung der MUI und besteht seit 2013. Das elfköpfige Team des Start-up hat ein Durchschnittsalter von nur 30 Jahren. Auf das therapeutische Virus hält das Unternehmen das Basispatent. Dass VSV-GP „ein großes Potenzial als therapeutisches Virus, damit als Gesundheitserreger hat“, konnte die Gruppe durch die Ergebnisse aller bisher durchgeführten Studien bestätigen.

„Im Mausmodell wirkt dieses onkolytische Virus gegen sämtliche bisher getesteten, bösartigen Geschwülste. Das sind Hirntumore, Haut-, Lungen-, Eierstock- sowie Prostatakrebs. Die Voraussetzungen von VSV-GP als krebszerstörender Wirkstoff sind daher sehr gut“, betonen Holm-von Laer und Egerer uni sono.

Krebs neuartig behandeln

Die Virotherapie ist ein aufstrebendes Forschungsfeld. Viren zur Behandlung von Krebs einzusetzen, ist erst seit wenigen Jahren Thema. Die Wissenschaftler/innen kombinieren dazu bestimmte Funktionen von Viren. Sie rüsten diese Partikel zu ihrem Angriff auf bösartige Geschwülste hoch. Am molekularbiologischen Reißbrett dazu entworfene onkolytische Viren - wie das Innsbrucker VSV-GP - können Tumore auf dreifache Art und Weise angreifen. Sie vermehren sich ausschließlich in Krebszellen und lösen diese dadurch auf (Lyse).

Tumorantigene werden dabei freigesetzt. Diese Bausteine zerstörter Krebszellen regen das Immunsystem dazu an, Tumore im gesamten Körper gezielt zu attackieren. Lokale Entzündungen treten dabei auf. Diese Reaktionen zerstören weiters die Mikroumgebung von Tumoren. Das ist jenes Milieu, das sich Krebszellen für ihr ungebremstes Wachsen und Voranschreiten schaffen. Durch alle diese Wirkungen kann die Virotherapie zu einem Umbruch in der Onkologie beitragen. Der Grund: Bisher eingesetzte Standardtherapien gegen fortgeschrittenen Krebs sind in ihrem Erfolg häufig begrenzt.

Terminaviso:
Veranstaltung ausschließlich für Vertreter/innen der Medien sowie geladene Gäste

Labor-Eröffnung „Viren zur Krebstherapie”
Datum: Montag, 09. 11. 2015
Zeit: 17.00 Uhr, s.t. (bis 20.00 Uhr)
Ort: ViraTherapeutics GmbH, Exlgasse 20a, A-6020 Innsbruck
Programm:
17.00 bis 17.45: Willkommen & Grußworte
Univ.-Prof.in Dr.in Dorothee Holm-von Laer ( Geschäftsführerin ViraTherapeutics GmbH, Direktorin Sektion für Virologie MUI)
Univ.-Prof.in Dr.in Christine Bandtlow (Vizerektorin MUI)
Dr. Detlev Mennerich (Investmentmanager Boehringer Ingelheim Venture Fund GmbH)
Dr. Florian Becke (Geschäftsführer Tiroler Gründungszentrum CAST)
Kommerzialrätin Patrizia Zoller-Frischauf (Tiroler Wirtschaftslandesrätin)
17.45: Präsentation Forschungsteam
18:00: Führung durch das neue Labor

Kontakt:
Prof.in Dr.in Dorothee Holm-von Laer
Dr.in Lisa Egerer
ViraTherapeutics GmbH
Exlgasse 20a, A-6020 Innsbruck
Tel.: +43 512 272061
Mail: dvlaer@viratherapeutics.com
Mail: egerer@viratherapeutics.com
www.viratherapeutics.com

Mag.a Gabriele Rampl
Science Communications ViraTherapeutics
Forschungsteam Prof.in Dr.in Dorothee Holm-von Laer
Tel.: +43 650 2763351
Mail: office@scinews.at
www.viratherapeutics.com/news/

Mag.a Gabriele Rampl | ViraTherapeutics GmbH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolution des Immunsystems auf der Spur
08.12.2016 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heimcomputer entdecken rekordverdächtiges Pulsar-Neutronenstern-System

08.12.2016 | Physik Astronomie

Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten

08.12.2016 | Energie und Elektrotechnik

Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?

08.12.2016 | Verkehr Logistik