Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsverbund gegen hautschädigende Nebenwirkungen der Chemotherapie

10.08.2009
Moderne Chemotherapeutika sind hoch wirksam und eine der wichtigsten Waffen gegen Krebs. Leider kommt es bei den neuen Mitteln oft zu teils schwerwiegenden Nebenwirkungen an der Haut der Patienten.

Der BMBF-geförderte Forschungsverbund CHEMOPRÄVENT will diese Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten mit optischen Technologien untersuchen und so mögliche Therapieansätze aufzeigen.

Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten in Europa bekommt eine Chemotherapie - also Medikamente, die Krebszellen im Körper zerstören. Die meisten dieser Medikamente richten ihre zerstörerische Wirkung aber nicht nur auf den Tumor selbst, sondern teilweise auch auf gesundes Gewebe.

Besonders betroffen sind schnell wachsende Zellen, die sich beispielsweise im Darm oder in den Haarwurzeln befinden. Die Folgen für die Patienten wie Übelkeit oder Haarverlust sind bekannt und auch seelisch eine Belastung. Weniger auffällig, aber weitaus schmerzhafter sind wunde Stellen der Haut, die besonders an den Hand- und Fußflächen auftreten. Sie treten bei 60 Prozent aller Chemopatienten auf und führen oftmals zum Abbruch der gesamten Therapie, denn bisher ist kaum bekannt, warum es zu dieser Reaktion kommt und wie man sie heilen kann.

An dieser Stelle setzt der Forschungsverbundes CHEMOPRÄVENT an. Die beteiligten Forscher aus Akademie und Industrie wollen erstmals zwei laserbasierte bildgebende Verfahren in einem Gerät kombinieren, das völlig neue Einblicke in die chemischen Prozesse unter der Haut erlauben soll. Dieses mikroskopische System vereint die nicht-lineare Raman-Spektroskopie und die Multi-Photonen-Tomographie und stellt somit nicht nur die verschiedenartigen zellulären Strukturen der Haut dar, sondern ermöglicht gleichzeitig auch eine chemische Analyse in diesen Strukturen. So können Ärzte die Anreicherung der Krebsmedikamente an bestimmten Stellen des Körpers untersuchen und erforschen auf welchem Wege dies geschieht.

"Unser größter Verdacht ist, dass die Chemotherapeutika über die Schweißdrüsen in die Haut gelangen und sich daher besonders an stark transpirierenden Hautpartien anlagern", sagt Prof. Jürgen Lademann von der Charité Universitätsmedizin Berlin, der das Projekt koordiniert. Sein Institut erforscht in dem Verbund die medizinischen Grundlagen der Nebenwirkungen an der Haut, die durch die Anwendung der Krebsmedikamente hervorgerufen werden.

Insgesamt fünf Partner ziehen in dem Verbund an einem Strang. Das nötige mikroskopische und spektroskopische Fachwissen für die biomedizinische Diagnostik steuern das Institut für Photonische Technologien und die JenLab GmbH aus Jena bei. Die Toptica GmbH entwickelt eine Laserquelle für den Routineeinsatz der Technologie im klinischen Alltag und die Bioskin GmbH wiederum, wird neben der Erforschung der Hautprozesse mit der Testung von Antioxidantien bereits eine mögliche Therapie im Rahmen des Verbundes überprüfen. Das entstehende Gerät, der Fluoreszenz-CARS-Tomograph, soll auch in anderen Anwendungen zur Erforschung von Hautprozessen dienen können, beispielsweise in der Reaktion auf Kosmetik.

Das Projekt ist Teil des Forschungsschwerpunktes Biophotonik im Bereich der Optischen Technologien. Das BMBF unterstützt damit Unternehmen bei der Erforschung optischer Lösungen für Medizin und Lebenswissenschaften. Die Biophotonik gehört zu den Zukunftsfeldern, in denen hochqualifizierte neue Arbeitsplätze entstehen und deutliche Verbesserungen für das Leben der Menschen zu erwarten sind. Die Förderinitiative soll helfen, die sehr gute Position deutscher Hersteller auf diesem Markt auch künftig zu halten und auszubauen. Das BMBF hat die Förderung optischer Technologien für das Gesundheitswesen bereits mit über 100 Millionen Euro unterstützt.

Der vollständige Titel des Projektes CHEMOPRÄVENT lautet:
"Entwicklung von Präventionsstrategien gegen Hautnebenwirkungen bei der Chemotherapie".

Ansprechpartner

Prof. Jürgen Lademann
Charité Berlin Universitätsmedizin
Tel 030 / 450 518 100
Fax 030 / 450 518 918
juergen.lademann@charite.de
Dr. Marion Jürgens, Dr. Andreas Wolff, Clemens Homann
Forschungsschwerpunkt Biophotonik, Öffentlichkeitsarbeit
Universität Jena / IPHT Jena
Tel 03641/ 206 034, 035, 064
Fax 03641/ 206 044
info@biophotonik.org

Clemens Homann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biophotonik.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie