Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung am Moosbioreaktor

21.08.2013
Universität Freiburg kooperiert mit einem biopharmazeutischen Unternehmen, um die Produktausbeute zu verbessern

Der Lehrstuhl für Pflanzenbiotechnologie der Universität Freiburg und das biopharmazeutische Unternehmen greenovation Biotech GmbH in Heilbronn haben eine Kooperation begonnen, um die Ausbeute an biotechnologisch hergestellten Proteinen aus Moos zu erhöhen.


Großproduktion in Moosbioreaktoren.
Foto: greenovation Biotech

Das Moos Physcomitrella patens kann in geschlossenen Behältnissen, wie zum Beispiel Bioreaktoren mit einem Volumen bis zu 500 Liter, kultiviert werden. In diesen Moosbioreaktoren können komplexe Proteine produziert werden.

Solche Glykoproteine werden als Biopharmazeutika für die Behandlung von menschlichen Krankheiten genutzt. Andere Produkte sind menschliche Wachstumsfaktoren, die Forscherinnen und Forscher für Gewebekulturen benötigen.

Die Produktion von Proteinen in Moos hat viele Vorteile gegenüber konventionellen Produktionssystemen, die auf tierischen Zellen basieren: Mooskulturen beinhalten weder aus Tieren gewonnene Komponenten, noch Krankheitserreger, die Menschen schaden könnten. Außerdem wachsen Moose ohne Antibiotika, die eventuell eine Resistenz hervorrufen.

Weiter besitzen Produkte aus Moos eine ausgezeichnete Reinheit. Vor kurzem haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Lehrstuhl für Pflanzenbiotechnologie der Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Reski den menschlichen Faktor H produzieren können. Dieses Protein kann vielleicht helfen, bestimmte Nierenkrankheiten zu heilen.

Greenovation war erfolgreich bei der Großproduktion verschiedener Proteine und wird im Frühjahr 2014 mit der ersten GMP-Produktion eines Biopharmazeutikums für klinische Versuche beginnen. Diese Technologie beinhaltet die Herstellung von genetisch veränderten Moosstämmen, die über einen längeren Zeitraum zuverlässig und in großen Mengen menschliche Proteine in das Nährmedium abgeben.

Die Biologen in Freiburg sind Spezialisten in der Moosforschung und haben dazu beigetragen, dass Physcomitrella weltweit als Modellorganismus für die Biologie, die Biotechnologie und die Synthetische Biologie benutzt wird. Während ihrer Analyse des Moosgenoms haben die Forscher genetische regulatorische Elemente entdeckt, die die Proteinproduktion in Moos noch stärker und zuverlässiger machen könnten. Im neuen Kooperationsprojekt wird dieses Wissen mit dem Know-how von greenovation bei der Großproduktion im Moosbioreaktor verknüpft.

„Ich bin begeistert, dass diese Zusammenarbeit es uns ermöglicht, Datensätze aus dem Produktionsprozess mit unseren Ergebnissen aus dem Labor zu vergleichen“, sagt Reski. „Solche öffentlich-privaten Kooperationen bilden den Kern der Bioökonomie und werden helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen.“

„Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeit, die Produktausbeute des Moosbioreaktors weiter zu optimieren und auf lange Sicht die Bioproduktion noch berechenbarer und stabiler zu machen“, betont Dr. Thomas Frischmuth, Geschäftsführer von greenovation. Die Firma entwickelt zurzeit zwei präklinische Programme in den Bereichen der oralen Erkrankungen (Wachstumsfaktoren FGF7 und KGF) sowie der Enzymersatztherapien für die Krankheiten Fabry und Gaucher. Die klinische Versuchsphase für die Ersatztherapie mit Alpha-Galaktosidase beginnt im Frühjahr 2014.

Ralf Reski leitet den Freiburger Lehrstuhl für Pflanzenbiotechnologie. Der Biologe ist Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS – Center for Biological Signalling Studies sowie Senior Fellow am FRIAS, dem Institute for Advanced Studies der Universität Freiburg. Darüber hinaus ist Reski Mitbegründer des Trinationalen Instituts für Pflanzenforschung TIP und ab Oktober auch Senior Fellow am USIAS, dem französischen Institute for Advanced Study der Universität Straßburg. Reski ist Miterfinder des Moosbioreaktors und Mitbegründer der Firma greenovation Biotech GmbH.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Reski
Lehrstuhl für Pflanzenbiotechnologie
Fakultät für Biologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-6969
E-Mail: pbt@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Uni Freiburg im Breisgau
Weitere Informationen:
http://www.plant-biotech.net
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften