Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher weisen Progesteron in höheren Pflanzen nach

24.02.2010
Eine kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Natural Products“ online vorab veröffentlichte Studie berichtet erstmals über das Vorkommen von Progesteron und verwandten Substanzen in zwei höheren Pflanzen, dem Walnussbaum und dem Adonisröschen.

Die Untersuchung unter der essentiellen Mitarbeit von Dr. Bernhard Glodny von der Universitätsklinik für Radiologie (Leitung Univ.-Prof. Werner Jaschke) der Medizinischen Universität Innsbruck findet internationale Beachtung in der Wissenschaftsgemeinde.

Das Progesteron ist ein in seiner Bedeutung als Corpus Luteum-Hormon (Gelbkörperhormon) bei Tieren und Menschen seit dem Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts bekannt. Das Steroid bewirkt in der zweiten Zyklushälfte der Frau als Vorbereitung für die Einnistung der Eizelle die Umwandlung des Endometriums in das sogenannte Sekretionsstadium, und hält, produziert von der Plazenta, die Schwangerschaft aufrecht. „Während die physiologische Bedeutung des Progesterons im menschlichen Organismus gut untersucht zu sein scheint, ist sie es bei den vaskulären Pflanzen nicht“, weiß Dr. Bernhard Glodny von der Universitätsklinik für Radiologie, der in Zusammenarbeit mit Professor Guido F. Pauli vom Department of Medicinal Chemistry und Pharmacognosy der University of Illinois in Chicago die neuen, viel beachteten Erkenntnisse lieferte.

Nebenprodukt der Krebsforschung
Der Fund von Progesteron in den Blättern des Walnussbaumes ist ein Nebenprodukt der Suche nach neuen anti-tumoralen Wirkstoffen. Die Arbeiten des Forscherteams fußt auf einer einfachen Beobachtung im Garten, wonach das Laub des Walnussbaumes das Wachstum des Grases und der Blumen hemmte. „Auf der Suche nach dem wachstumshemmenden Prinzip von Extrakten dieser Blätter stießen wir eines Tages, nach jahrelanger Arbeit, am Rande einer Gruppe von neuartigen, maligne Tumore hochwirksam hemmenden Substanzen auf einen farblosen Feststoff, der zwar nicht auf die Tumorzellen wirkte, aber bereits in reiner Form vorlag“, so Glodny. Die massenspektrometrischen und magnetresonanzspektroskopischen Daten dieser drei Milligramm des Isolates waren komplex und konnten belegen, dass es sich um Progesteron handelte. Im Zuge paralleler Untersuchungen fand das Team um Glodny fast zeitgleich auch im Adonisröschen, einem tiefrot blühenden Hahnenfußgewächs, neuartige Steroide aus den Gruppen der Pregnenolone, sowie eine dem Cardenolid Strophanthidin verwandte neuartige Substanz, das Spirophantigenin.

Für die Studienautoren erscheint es nun wahrscheinlich, dass es sich bei diesen Steroiden um archaische, universell vorkommende Bioregulatoren handelt, deren Bedeutung im Falle des Progesterones bei Pflanzen erst noch untersucht werden muss.

Endogene Naturstoffe für die Medizin
Auf der Grundlage derartiger Erkenntnisse lassen sich in weiterer Folge tiefere Einblicke in die Funktionsweise dieser Stoffe bei Pflanze und Tier und damit auch ein medizinisch-relevanter Nutzen erwarten. Die Ergebnisse zeigen auch, dass dem Einsatz moderner Analytik in der biomedizinischen Forschung und der Arbeit an Naturstoffen weiterhin erhebliche Bedeutung zukommt.
So wie es inzwischen mit Hilfe chromatographischer Trennverfahren möglich geworden ist, eine Substanz sogar aus dem Parts-Per-Million Bereich oder weniger präparativ aufzureinigen, will man in Zukunft auch andere nicht-peptidische Hormone, die sich einer Separierung bislang widersetzt haben - etwa die blutdrucksenkenden Hormone der Niere, Medullipin und Angiolysin – versuchen zu isolieren und damit Strukturanalysen zugänglich zu machen.

„Letztlich geht es darum, hochwirksame, zum Teil endogene Naturstoffe für die Medizin und hier vor allem für die Krebstherapie nutzbar zu machen“, betont Glodny.

Kontakt:

Dr. Bernhard Glodny
Univ.-Klinik für Radiologie
Anichstraße 35
6020 Innsbruck Austria
Telefon 0512 504-22761
oder 0512 504-80918
e-Mail bernhard.glodny@i-med.ac.at

Dr. Bernhard Glodny | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Berichte zu: Adonisröschen Glodny Hormon Innsbruck Progesteron Radiologie Steroid Walnussbaum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie