Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Universität Greifswald untersuchen gefährliche Infektionskrankheit in Asien

03.12.2013
Wissenschaftler aus Greifswald und Hanoi (Vietnam) haben das gemeinsame Forschungsprojekt RENOMAB (Research Network on Melioidosis and Burkholderia pseudomallei) gestartet.

Wissenschaftliches Ziel des Projektes ist, in Vietnam die Verbreitung der gefährlichen Infektionskrankheit Melioidose zu erforschen. Diese Krankheit wird durch das Bodenbakterium Burkholderia pseudomallei verursacht.


Auf Reisfeldern in Asien infizieren sich viele Menschen mit dem Bodenbakterium Burkholderia pseudomallei

Foto: Ivo Steinmetz

Das mit rund 400.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt zielt auf den Aufbau von interdisziplinären Forschungsstrukturen in dem asiatischen Land.

Das Projekt wird von Professor Dr. Ivo Steinmetz, Leiter des Friedrich Loeffler Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald, koordiniert. Die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre. Die Universität Hanoi ist seit 2002 Partneruniversität der Universität Greifswald.

Das Bodenbakterium Burkholderia pseudomallei ist in vielen subtropischen und tropischen Teilen der Welt ein gefürchteter Krankheitserreger. Er kommt häufig in Reisfeldern vor und stellt dort vor allem für die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung eine Gefahr dar. Das Bakterium löst die Melioidose aus.

Die Krankheitsbilder können extrem vielfältig sein. Sie reichen von lokalen Infektionen der Haut über akute und chronische Lungenentzündungen (Pneumonien) bis hin zu schweren generalisierten Infektionen (Sepsis) mit hoher Sterblichkeit.

Im Nordosten von Thailand, der zu den wenigen gut untersuchten Endemiegebieten gehört, weiß man jetzt, dass Melioidose nach HIV und Tuberkulose die dritthäufigste infektiöse Todesursache ist.

B. pseudomallei steht auf der Liste potenzieller Biowaffen und weist natürliche Resistenzen gegen eine Vielzahl von Antibiotika auf. Auch mehr als 100 Jahre nach der Entdeckung von B. pseudomallei ist die weltweite Verbreitung dieses Erregers und der dazugehörenden Erkrankung immer noch unklar. „Die Ursachen liegen unter anderem in den extrem vielfältigen Krankheitsausprägungen der Melioidose. Dazu kommt, dass die notwendige mikrobiologische Analytik in vielen potenziellen Endemiegebieten nicht verfügbar ist. Dies gilt auch für Vietnam, wo Krankheitsfälle immer wieder sporadisch beschrieben wurden. Die Faktoren, die die Verbreitung von B. pseudomallei in der Umwelt beeinflussen, sind weitgehend unbekannt“, so Professor Dr. Ivo Steinmetz.

In potenziellen Endemiegebieten ist es notwendig, das Risiko von Erkrankungen für die Bevölkerung durch die Kartierung der Verbreitung von B. pseudomallei in der Umwelt zu erfassen. Es sind Umweltfaktoren zu identifizieren, die mit der Anwesenheit von B. pseudomallei verbunden sind. Um letztlich Strategien für eine frühe Diagnose und vorbeugende Schutzmaßnahmen entwickeln zu können, ist es notwendig, auch die Häufigkeit und geographische Verteilung von Melioidose bei Mensch und Tier zu bestimmen.

Die Erforschung von Infektionserregern, die ein natürliches Umweltreservoir haben, erfordert in besonderem Maße interdisziplinäre Forschungsstrukturen. Ziel dieses Projekts ist, eine Forschungsstruktur in Vietnam zu etablieren, die in der Lage ist, die Ökologie des pathogenen Umweltbakteriums Burkholderia pseudomallei und die Epidemiologie der durch diesen Erreger verursachten Infektionskrankheit Melioidose aufzuklären. Die geplante Initiative besteht in der Zusammenführung von deutscher und vietnamesischer Expertise aus sehr unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten wie Umweltmikrobiologie, Medizinischer Mikrobiologie, Infektionsbiologie, Klinischer Infektiologie und Infektionsepidemiologie. „Wir planen in RENOMAB die Entwicklung von Strukturen und Methoden, die möglicherweise dazu beitragen können, die Epidemiologie der Melioidose auch in anderen Teilen der Welt aufzuklären“, so Professor Steinmetz.

Neben dem Friedrich Loeffler Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald sind auf deutscher Seite das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das Institut für Mikrobiologie der Universität Greifswald als Partner beteiligt. Auf vietnamesischer Seite sind in Hanoi das Institute of Microbiology and Biotechnology, das Department of Microbiology des Bach Mai Hospitals und das Institute of Biotechnology (IBT) der Vietnam Academy of Science and Technology in den Verbund integriert.

Weitere Informationen
Die Fotos können für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist der Name des Bildautors zu nennen. Download:

http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/pressefotos/pressefotos-2013/pressefotos-dezember-2013.html

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. med. Ivo Steinmetz
Friedrich Loeffler Institut für Medizinische Mikrobiologie
Universitätsmedizin Greifswald KdöR
Martin-Luther-Straße 6
17489 Greifswald
Telefon 03834 86-5560
steinmetz.ivo@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/mikrobio

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen
18.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Zusammenarbeit von Fraunhofer und Universität in Würzburg bringt Medizinforschung voran
18.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten

„Carmenes“ findet ersten Planeten

18.12.2017 | Physik Astronomie

Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

18.12.2017 | Physik Astronomie