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Forscher der Saar-Uni stellt neue Erkenntnisse zur Bekleidung des Steinzeitmenschen „Ötzi“ vor

03.11.2011
Der Steinzeitmensch Ötzi hat für seine Kleidung nicht nur Rinder- und Schaffelle verwendet, sondern auch Felle von Ziegen, Gämsen und Rothirschen sowie von Hunden oder von Verwandten des Hundes.

Diese neuen Ergebnisse zu Ötzi hat der Biochemiker Klaus Hollemeyer im Rahmen des zweiten Eismumienkongresses vorgestellt, der vor kurzem im italienischen Bozen stattfand. Der Saar-Forscher entwickelte vor einigen Jahren das SIAM-Verfahren, das die Zuordnung von Haar- und Fellproben zu Tiergruppen erlaubt.

2008 gelang es ihm erstmals, Proben aus der Kleidung des Steinzeitmenschen näher zu bestimmen. Hollemeyers Ergebnisse tragen dazu bei, mehr über Ötzis Leben in der Jungsteinzeit zu erfahren.

Die 5300 Jahre alte Gletschermumie, die mit dem Namen „Ötzi“ weltbekannt wurde, lebte in der Kupferzeit, der letzten Epoche der Jungsteinzeit. Da das Eis die Mumie über die Jahre gut konservierte, bietet Ötzi der heutigen Wissenschaft die Möglichkeit, die Lebensumstände der Steinzeitmenschen im alpinen Raum näher zu erforschen. Der Biochemiker Klaus Hollemeyer von der Universität des Saarlandes trug bereits 2008 erste detaillierte Erkenntnisse zur Bekleidung des Steinzeitmenschen bei. Nun stellte er auf dem zweiten Eismumienkongress im italienischen Bozen weitere Ergebnisse vor.

In seiner Arbeit konnte er unter anderem nachweisen, dass für die Herstellung der Leggings auch Felle von Hunden oder mit Hunden verwandten Tieren verwendet wurde. „Ob es sich dabei um Wolf, Hund oder Rotfuchs handelt, lässt sich aber nicht mehr feststellen“, sagt Hollemeyer. Widerlegen konnte der Saarbrücker Forscher aber die Annahme, dass die Schuhsohlen des Steinzeitmenschen aus Bärenfell seien. „Hier handelt es sich um Rind“, ergänzt der Saar-Forscher. Rinderfell befände sich zudem an der Schließe des Köchers, von der man bislang annahm, dass sie aus Gämsfell bestehe. Außerdem ist es dem Biochemiker gelungen, Fellstücke von Schaf und Gämse in Ötzis Mantel aufzuspüren. Bislang galt die Annahme, dass der Mantel aus Ziegen hergestellt wurde.

Eine weitere genaue Analyse der Kopfbedeckung brachte jedoch keine neuen Erkenntnisse. „Wir konnten hier nicht eindeutig nachweisen, dass es sich um Bärenfell handelt“, sagt Hollemeyer. Denkbar sei auch hier, dass das Fell von Hunden oder mit Hunden verwandten Tieren verwendet wurde. Darüber hinaus konnte er mit seiner Analysemethode auch ältere Ergebnisse anderer Wissenschaftler bestätigen. Das für Ötzis Schuhe verwendete Oberleder stammt zum Beispiel vom Rothirsch, wie auch die Laschen seiner Patchwork Leggings, die in die Schuhe gesteckt wurden.

Mit seinen Ergebnissen hilft der Biochemiker die Lebensumstände der berühmten Mumie näher zu beleuchten. Derzeit vermuten Experten, dass Ötzi Angehöriger einer Bauern- und Viehzuchtgesellschaft war und nicht Teil einer Sammler- und Jägergesellschaft war, wie man lange Zeit dachte.

Der Saarbrücker Klaus Hollemeyer entwickelte vor wenigen Jahren am Technischen Institut für Biochemie unter Professor Elmar Heinzle in Zusammenarbeit mit Wolfgang Altmeyer von der Firma Gene-Facts die sogenannte SIAM-Methode, die seit Herbst 2007 unter Patentschutz steht. Dieses Analyseverfahren ermöglicht es, Haar- und Fellproben mittels charakteristischer Proteinstücke bestimmten Tierarten zu zuordnen.

Fragen beantwortet:
Dr. Klaus Hollemeyer
Institut für Technische Biochemie
Tel.: 0681/3023721
E-Mail: k.hollemeyer@mx.uni-saarland.de

Melanie Löw | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

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