Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Saar-Uni arbeiten an neuen genetischen Markern für Hirntumore

18.12.2012
Zu den häufigsten Hirntumoren zählen die Meningeome. Diese meist gutartigen Geschwülste können meist in einer Operation vollständig entfernt werden.
Bei einigen Patienten kommen die Tumore jedoch wieder. Forscher um Nicole Ludwig und Professor Eckart Meese von der Saar-Uni möchten den Ursachen hierfür auf den Grund gehen. Mit einem neuen Analyseverfahren wollen sie herausfinden, ob sich diese „wiederkehrenden“ Meningeome in ihrem Erbgut oder dessen Ausprägung von den Meningeomen unterscheiden, bei denen der Patient nach der Operation geheilt ist. Dadurch wollen sie Merkmale finden, die Ärzten helfen, den Krankheitsverlauf besser einzuschätzen und individuelle Therapien zu entwickeln.

„Durch Veränderungen im genetischem Material kann aus einer gesunden Zelle eine Tumorzelle werden“, erklärt Nicole Ludwig, promovierte Biologin am Institut für Humangenetik in Homburg. „Dabei können diese Veränderungen im Erbgut selbst, wie zum Beispiel bei Mutationen oder Verlusten genetischen Materials, oder auch in der Ausprägung des Erbguts, der sogenannten Expression, liegen. Von einigen solcher Veränderungen weiß man bereits, dass sie einen Einfluss auf das Wachstumsverhalten von Meningeomen und damit auf den Krankheitsverlauf des Patienten haben.“

Die Wissenschaftler der Saar-Uni wollen herausfinden, ob sich Meningeome, die trotz einer vollständigen Entfernung des Tumors wieder wachsen, von solchen Meningeomen unterscheiden, bei denen dies nicht der Fall ist. „Zurzeit gibt es zwar Anhaltspunkte dafür, dass der Verlust genetischen Materials eines bestimmten menschlichen Chromosoms ein Merkmal ist, dass solche wiederkehrenden Meningeome auszeichnet, allerdings ist das nicht in allen Fällen so. Deshalb ist es notwendig, nach weiteren Merkmalen zu suchen, die diese Unterscheidung erlauben“, erklärt Ludwig weiter. Mit dem sogenannten Next Generation Sequencing – einem Verfahren, das Nukleinsäuresequenzen in kurzer Zeit vollständig analysiert – möchten die Homburger Forscher das komplette Erbgut der verschiedenen Meningeome ermitteln und auswerten.

„Mit der Sequenzierung können wir genetische Veränderungen des Tumors sehr effizient identifizieren“, erläutert Eckart Meese, Professor für Humangenetik in Homburg. „Außerdem können wir das Erbgut der einzelnen Tumor-Proben miteinander vergleichen, und so Unterschiede aufspüren, die bei den wiederkehrenden Meningeomen auftreten, aber bei den anderen Tumoren fehlen.“

Darüber hinaus wollen die Humangenetiker eine weitere Gruppe von Nukleinsäuren, die microRNAs, sequenzieren. Diese kleinen Moleküle haben in der Zelle verschiedene Aufgaben: Sie regulieren unter anderem die Expression von Genen und spielen auch bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle. Für die medizinische Diagnostik sind diese Moleküle von wachsendem Interesse, da sie eine spezifische Signatur ergeben, die einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden kann. So konnten die Homburger Wissenschaftler in der Vergangenheit bereits ein charakteristisches microRNA-Profil für Lungen-, Haut- und Magenkrebs, aber auch für Multiple Sklerose erstellen.

Die Forscher der Saar-Universität erhoffen sich, durch die Analyse des Erbguts und dessen Expression erklären zu können, warum manche Meningeome wiederkehren und andere nicht. Des Weiteren können die gefunden Merkmale, zum Beispiel eine bestimmte microRNA-Signatur, Medizinern künftig helfen, frühzeitig besser abzuschätzen, wie hoch das Risiko eines wiederkehrenden Meningeoms ist. Zusammengenommen könnten die Ergebnisse der Studie dazu beitragen, individuelle Therapieformen für Meningeom-Patienten zu entwickeln.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt die Studie mit über 275.000 Euro für drei Jahre. Derzeit fördert die DFG insgesamt fünf verschiedene Forschungsprojekte am Homburger Institut für Humangenetik mit einer Gesamtfördersumme von über 1,2 Million Euro. Darüber hinaus wird Nicole Ludwig von HOMFOR Exzellent, einem Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftler der Medizinischen Fakultät am Uniklinikum, unterstützt. Das Programm richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Forschungsvorhaben bis zu vier Jahre mit etwa 100.000 Euro zu fördern.

Fragen beantwortet:

Professor Dr. Eckart Meese
Institut für Humangenetik
Tel.: 06841 / 16-26038
E-Mail: eckart.meese(at)uks.eu

Dr. Nicole Ludwig
Institut für Humangenetik
Tel.: 06841 / 16-26269
E-Mail: n.ludwig(at)mx.uni-saarland.de

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie