Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln innovatives Malz-Getränk ohne Alkohol

11.08.2008
Bio boomt und das nicht erst seit gestern. In dem Maße, in dem sich immer mehr Menschen für eine gesunde Ernährung entscheiden, tüfteln auch Wissenschaftler an neuen, innovativen Lebensmitteln und Getränken.

Neuester Coup der Forscherinnen und Forscher am Fachgebiet Brauwesen der Technischen Universität Berlin ist ein antialkoholisches Getränk, das den Geschmacksvergleich zum derzeitigen Marktführer "Bionade" nicht zu scheuen braucht.

Seit zwei Jahren tüfteln Prof. Dr.-Ing. Frank-Jürgen Methner und sein Team an dem Malztrunk, der ähnlich wie Bier gebraut wird. Nachdem sich mehrere Studien- und zwei Diplomarbeiten mit der Entwicklung des spritzigen Drinks beschäftigt haben, kann das Produkt nun vermarktet werden. "Wir verhandeln bereits mit mehreren Interessenten", sagt Methner. Frisch, leicht säuerlich und mit einer leichten Kohlensäurenote besteht die bern-steinfarbene Flüssigkeit den Geschmackstest mit Bravour. Beim Einschenken bildet sich eine stabile Schaumkrone, die auch passionierte Biertrinker erfreuen dürfte - und dabei ist die Malzbrause auch noch alkoholfrei.

Dem Professor die Einzelheiten des Brauvorganges zu entlocken, gleicht dem Versuch, das Geheimnis um das Rezept von Coca Cola zu lüften. "Im Prinzip wird unser Getränk wie Bier hergestellt - allerdings ohne Hopfen", berichtet Methner. In der Studienbrauerei des Fachgebietes in Berlin-Wedding wird geschrotetes Gerstenmalz mit Wasser vermischt und mehrere Stunden lang erhitzt. Die "Maische" entsteht und wird regelmäßig im großen Bottich umgerührt. Bei diesem Prozess wird Stärke freigesetzt, die unter Temperaturerhöhung von bestimmten Enzymen in Zucker gespalten wird. "Im Gegensatz zu anderen Herstellungsverfahren verzichten wir auf die Zugabe von Zucker", gibt Prof. Methner ein Geheimnis preis. Im nächsten Schritt wird die Flüssigkeit gefiltert: Treber, so nennen die Brauer die festen Bestandteile, und Würze, die Flüssigkeit, trennt man voneinander. Durch Kochen werden die Enzyme inaktiviert. Für ein Bier würden die Braumeister nun den Hopfen dazu geben, die neue alkoholfreie Limo kommt ohne aus.

Für den Geschmack und das Aroma jedes neuen Gebräus sind Mikroorganismen wie Hefen und Milchsäurebakterien von großer Bedeutung, die die Würze vergären. "Es war eine wahre Sisyphosarbeit, für das neue Getränk einen neuen Stamm Hefe zu finden", sagt Methner. Obwohl in der Hefebank der dem Fachgebiet angeschlossenen "Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin" (VLB) mehr als 100 Hefestämme gelagert und gepflegt werden, ist Methner weit gereist, um seine Innovation zu finden. "Ich fahre oft nach Süd-Ost-Asien, dort gibt es viele fermentierte Lebensmittel", sagt Methner. Aus einem solchen Produkt sei es den Berliner Forschern letztlich gelungen, einen Hefe-Stamm zu isolieren, der nun für die Veredlung der neuen Malz-Limo verwendet wird.

Im Prinzip werden die Mikroorganismen dazu nacheinander auf mit Agar ausgegossenen Petrischalen ausgestrichen. Der gallertartige Nährboden, auf dem Mikroorganismen gezüchtet werden können, enthält verschiedene Nährstoffe. Je nachdem, auf welchen Agarplatten Mikroorganismen wachsen, kann man Rückschlüsse auf die Identität der Mikroorganismen ziehen. So wachsen zum Beispiel Saccharomyces-Hefen nicht auf Agar, der nur mit der Aminosäure Lysin versetzt ist. Milchsäurebakterien benötigen eine andere Nährstoffzusammensetzung. Und um Hefen und Bakterien voneinander zu trennen, können dem Agar Antibiotika zugesetzt werden.

Der gekochten Würze wird nach dem Abkühlen der geheime Hefe-Stamm beigegeben. Bei der anschließenden Gärung entsteht fast kein Alkohol: Fertig ist das neue Getränk. "Alle Geschmackstests mit dem Produkt sind ausgesprochen positiv verlaufen", sagt Prof. Methner. Es sei als etwas hellere und als dunklere, würzig-malzigere Variante jeweils als Prototyp abgefüllt worden. Außerdem eigne es sich auch zum Mischen mit natürlichen Aromen wie Limone. Wann die Berliner Innovation letztendlich in den Su-permarktregalen stehen wird, ist noch nicht kalkulierbar. Und auch über den Namen darf noch spekuliert werden. Vielleicht Berliner TU-Nade?

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Frank-Jürgen Methner, Technische Universität Berlin, Institut für Biotechnologie, Fachge-biet Brauwesen, Tel.: 030/45080-296, Fax: 030/45080-196, E-Mail: methner@lb.tu-berlin.de

Weiterführende Links:
Homepage der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) e.V.:
www.vlb-berlin.org
Forschungsinstitut für Technologie der Brauerei und Mälzerei (FBM):
www.vlb-berlin.org/cms/front_content.php?idcat=7
Homepage der "Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e.V. (GGB)":
www.ggb-berlin.de
Pressefotos zum Thema finden Sie unter:
www.tu-berlin.de/?id=42100

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit