Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entschlüsseln das Bonobo-Genom

14.06.2012
Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms sind näher mit dem Bonobo- oder dem Schimpansen-Genom verwandt als die Genome von Schimpanse und Bonobo miteinander

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hat das Genom des Bonobo-Weibchens Ulindi aus dem Zoo Leipzig untersucht und es mit dem von Schimpansen und Menschen verglichen.


Das Bonobo-Weibchen Ulindi im Zoo Leipzig
© Michael Seres

Das Ergebnis überraschte: Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms ähnelt mehr dem Bonobo- beziehungsweise dem Schimpansen-Genom. Die Ähnlichkeiten sind in diesen Bereichen deutlich größer als zwischen den Affenarten.

Schimpansen und Bonobos unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Während Schimpansen in Äquatorialafrika weit verbreitet sind, leben Bonobos ausschließlich südlich des Flusses Kongo in der Demokratischen Republik Kongo. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe, sie kooperieren aber miteinander, um ihren Lebensraum zu verteidigen und andere Gruppen zu bekämpfen.

Dies alles ist bei Bonobo-Männchen, die ihren Weibchen untergeordnet sind, nicht üblich. Zudem gelten Bonobos als sehr verspielt und haben ein sehr aktives Sexualleben, das nicht nur der Fortpflanzung dient.

Um die evolutionären Beziehungen von Bonobos, Schimpansen und Menschen besser zu verstehen, haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie jetzt das Erbgut des Bonobo-Weibchens Ulindi sequenziert und dieses mit dem von Schimpanse und Mensch verglichen.
Die Ergebnisse bestätigten eine frühere Annahme: Offenbar hat sich das Erbgut der Menschenaffen nach ihrer evolutionsgeschichtlichen Trennung nicht mehr miteinander vermischt. Der Fluss Kongo, der vor etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Jahren entstand, bildete vermutlich eine natürliche Barriere, die beide Affenarten trennte.

Ansprechpartner

Dr. Kay Prüfer
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Telefon: +49 341 3550-506
Email: pruefer@­eva.mpg.de

Originalveröffentlichung
Kay Prüfer, Kasper Munch, Ines Hellmann, Keiko Akagi, Jason R. Miller, Brian Walenz, Sergey Koren, Granger Sutton, Chinnappa Kodira, Roger Winer, James R. Knight, James C. Mullikin, Stephen J. Meader, Chris P. Ponting, Gerton Lunter, Saneyuki Higashino, Asger Hobolth, Julien Dutheil, Emre Karakoç, Can Alkan, Saba Sajjadian, Claudia Rita Catacchio, Mario Ventura, Tomas Marques-Bonet, Evan E. Eichler, Claudine André, Rebeca Atencia, Lawrence Mugisha, Jörg Junhold, Nick Patterson, Michael Siebauer, Jeffrey M. Good, Anne Fischer, Susan E. Ptak, Michael Lachmann, David E. Symer, Thomas Mailund, Mikkel H. Schierup, Aida M. Andrés, Janet Kelso, Svante Pääbo
The bonobo genome compared with the chimpanzee and human genomes
Nature, Online-Vorab-Publikation am 13. Juni 2012, 19 Uhr DOI: 10.1038/nature11128

Dr. Kay Prüfer | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/5838350/bonobo_genom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE