Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entdecken neuen Mechanismus bei Nebennierentumoren

28.08.2015

Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München haben einen Mechanismus aufgeklärt, der für die Entstehung von Tumoren des Nebennierenmarks verantwortlich ist. Sie fanden heraus, dass das Protein BMP7 dabei eine entscheidende Rolle spielt und ein mögliches Ziel für künftige Therapien darstellen könnte. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift ‚Oncotarget‘ veröffentlicht.

Konkret forschte das Team um Dr. Natalia Pellegata vom Institut für Pathologie (PATH) am Helmholtz Zentrum München an Phäochromozytomen (PCCs). So bezeichnet man hormonell aktive Tumoren des Nebennierenmarks, die mehrheitlich gutartig sind.


Ines Leinhäuser und Dr. Natalia Pellegata

Quelle: Helmholtz Zentrum München (HMGU)

Patienten, bei denen aber maligne (bösartige) Formen auftreten und sich diese auf andere Gewebe ausbreiten, haben eine schlechte Prognose. Das liegt vor allem daran, dass es aktuell keine Möglichkeiten gibt, PCCs zu behandeln außer sie chirurgisch zu entfernen. Um neue Therapien zur Behandlung von PCCs zu entwickeln, untersuchten die Forscher zunächst die Mechanismen, die dieser Erkrankung zugrunde liegen.

Protein BMP7 besonders oft in PCC-Proben

„Unsere ersten Daten aus Patientenproben haben gezeigt, dass der Wachstumsfaktor BMP7 in Proben von PCC-Patienten häufiger vorkommt als in der Kontrollgruppe“, erinnert sich Erstautorin Ines Leinhäuser.

In weiteren Studien untersuchten die Helmholtz-Wissenschaftler dann, welche Konsequenzen die erhöhte Menge des Proteins nach sich zieht. In verschiedenen funktionellen Tests konnten sie nachweisen, dass erhöhtes BMP7 zu einer vermehrten Zellteilung sowie zu aggressivem Migrationsverhalten* von PCC-Zellen führt. Umgekehrt führt das gezielte ‚Stilllegen‘ des Proteins zu weniger invasiven Zellen.

Wirkstoffe gegen BMP7-Signalweg verursachen Zelltod von Tumorzellen

Als Ursache für diesen Effekt von BMP7 auf die Zellen identifizierten die Forscher einen bestimmten Signalweg. „Der PI3K/mTOR-Signalweg wird durch das Protein BMP7 aktiviert und vermittelt die Zellteilung sowie das Migrieren der Zellen“, erklärt Teamleiterin Pellegata.

Um diesen Mechanismus zu bestätigen und mögliche künftige Therapien zu überprüfen, nutzte das Team zwei chemische Substanzen. Das eine Molekül inhibiert die Signalweiterleitung von BMP7, das andere Molekül blockiert gezielt den PI3K/mTOR-Signalweg.

„In einem Tiermodell für PCC konnten wir zeigen, dass eine Behandlung der Tumoren mit dem den BMP-Signalweg inhibierenden Wirkstoff zu einer vermehrten Apoptose** führte“, so Pellegata. Obwohl weitere Tests diese Ergebnisse erst bestätigen müssen, hoffen die Krebsforscher, so neue Ansatzpunkte für künftige Therapien gefunden zu haben.


Weitere Informationen

Hintergrund
* Das Migrationsverhalten also das (Aus)wandern der Zellen ist ein Indiz dafür, dass sich die Zellen im Körper nicht mehr nur am Primär- oder Ursprungstumor aufhalten, sondern diesen verlassen und eventuell Metastasen bilden können.

** Als Apoptose bezeichnet man das Absterben von Zellen durch eine Art programmierten Zelltod. Dieser dient dazu, entartete oder potenziell schädliche Zellen auszusortieren. Apoptose kommt aber auch in der Entwicklung vor, beispielsweise bei der Regulation der Zellzahl und damit der Größe von Geweben oder der Rückbildung von Schwimmhäuten.

Original-Publikation:
Leinhaeuser, I. et al. (2015). Oncogenic features of the bone morphogenic protein 7 (BMP7) in pheochromocytoma, Oncotarget

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.

Das Institut für Pathologie (PATH) untersucht mikroskopische und molekulare Gewebestrukturen, die an der Entstehung und Progression von Erkrankungen beteiligt sind. Die Identifizierung und Charakterisierung molekularer Mechanismen und Signalwege bieten die Grundlage, um das Zusammenspiel von Genen und Umwelt besser zu verstehen und Ansatzpunkte für neue therapeutische Interventionen zu entdecken. PATH arbeitet eng mit dem Institut für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie der Technischen Universität München zusammen, wodurch sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte klinische Studien ermöglicht werden.

Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Natalia S. Pellegata, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Pathologie, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2633 - E-Mail: natalia.pellegata@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.impactjournals.com/oncotarget/index.php?journal=oncotarget&page=article&op=view&path[]=4912&path[]=12027 - Link zur Original-Publikation
http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/pressemitteilungen/2015/index.html - Pressemitteilungen Helmholtz Zentrum München
http://www.helmholtz-muenchen.de/en/path/index.html - Institut für Pathologie

Kommunikation | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics