Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Saar-Uni weisen erstmals neue Designerdroge nach

11.08.2014

Als Badesalze oder Kräutermischungen sind sie frei im Internet erhältlich: Hinter diesen harmlosen Namen stecken aber oft Designerdrogen.

Die Rauschmittel sind weltweit auf dem Vormarsch. Ihr Konsum steigt rapide an. Sie nachzuweisen und zu verbieten, ist oft ein schwieriges Unterfangen, da immer neue Substanzen auf den Markt kommen.


Der Homburger Toxikologe Professor Hans Maurer arbeitet an Verfahren, um den Konsum von Designerdrogen nachzuweisen. Foto: Saar-Uni

Toxikologen der Saar-Uni arbeiten daran, diesen Drogen schneller auf die Spur zu kommen. So haben Forscher um Jessica Welter und Professor Hans Maurer ein Verfahren entwickelt, mit dem sich der Konsum der Designerdroge Camfetamin eindeutig nachweisen lässt. Ihre Arbeit wurde nun in der Fachzeitschrift „Analytical and Bioanalytical Chemistry“ veröffentlicht.

Alleine in Deutschland sind im Jahr 2013 laut der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler 55 neue Rauschmittel auf den Markt gekommen. Die Drogenküchen sind den Ermittlungsbehörden und der Justiz dabei meist einen Schritt voraus. Wird eine synthetische Droge verboten, können die Hersteller der Drogen die chemische Struktur der Substanz leicht abwandeln und so schnell eine neue Form anbieten.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu bieten, hat mittlerweile auch die Europäische Kommission den psychoaktiven Substanzen den Kampf angesagt. Wichtig dabei: Ermittler müssen den Konsum solcher Drogen nachweisen können.

An der Universität des Saarlandes arbeiten Forscher um Professor Hans Maurer an derlei Verfahren. In einer aktuellen Studie haben sie einen Nachweis für die Substanz Camfetamin entwickelt. „Es handelt sich um ein Amphetamin, das seit 2010 im Internet erhältlich ist“, so Professor Hans Maurer von der Experimentellen und Klinischen Toxikologie am Homburger Uniklinikum.

„Die Droge ähnelt im Aufbau dem Fencamfamin, einem Appetitzügler aus den 60er Jahren.“ Sie erhöht bei Konsumenten vermutlich die Konzentrationsfähigkeit und Wachheit. Dabei kann es aber zu Nebenwirkungen wie Angstzuständen, Depressionen oder Herzrasen kommen.

Um den Drogenkonsum nachzuweisen, gibt es zwei verschiedene Methoden, wie Maurer erläutert: „Polizei, aber auch Kliniken nutzen oft einen Schnelltest, bei dem Antikörper mit dem nachzuweisenden Rauschmittel reagieren. Designerdrogen sind hiermit aber meist nicht nachweisbar.

Wir setzen im Labor daher auf die Massenspektrometrie.“ Bei diesem Verfahren wird eine Substanz in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt. Dies kann nach Trennung im flüssigen Zustand (Flüssigchromatographie) oder im gasförmigen Zustand (Gaschromatographie) erfolgen. „Wir erhalten für jeden Stoff ein individuelles Spektrum ähnlich wie bei einem Fingerabdruck“, so Maurer weiter.

Auch bei Camfetamin ist den Forschern nun dieser Nachweis gelungen. Darüber hinaus haben die Homburger Toxikologen untersucht, wie das Rauschmittel im Körper abgebaut wird. Im Urin konnten sie schließlich das Camfetamin an sich sowie charakteristische Abbauprodukte der Droge aufspüren.

Regelmäßig veröffentlichen Maurer und sein Team solche Referenzwerte für Designerdrogen in Büchern und Datenbanken, die Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung stehen.

Jessica Welter hat die Arbeit kürzlich auf dem Weltkongress der International Association of Therapeutic Drug Monitoring and Clinical Toxicology (IATDMCT) in Salt Lake City (UT) vorgestellt. Dafür hat sie den „Young Scientist Award for Best Oral Presentation“ erhalten.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Analytical and Bioanalytical Chemistry“ veröffentlicht. Dabei wurde die Arbeit der Homburger Wissenschaftler von dem Editor der Zeitschrift als sogenannte „Forefront“ Publikation besonders gewürdigt: GC-MS and LC-(high-resolution)-MSn studies on the metabolic fate and detectability of camfetamine in rat urine. Jessica Welter, Pierce Kavanagh, Hans H. Maurer.
DOI: 10.1007/s00216-014-7796-6
Link zur Studie: http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00216-014-7796-6

Fragen beantworten:
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Maurer
Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Uniklinikum des Saarlandes
Tel.: 06841 16-26438 oder -26050
E-Mail: hans.maurer(at)uks.eu

Jessica Welter
Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Uniklinikum des Saarlandes
Tel.: 06841 16-26432
E-Mail: jessica.welter(at)uks.eu

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten