Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher definieren eine Großkatze neu: Auf den Spuren der Vergangenheit des Nebelparders

24.01.2011
Mit Hilfe genetischer und morphologischer Analysen hat ein internationales Forscherteam unter Führung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) nachgewiesen, dass sich der Nebelparder (Neofelis) nicht nur in zwei Arten, sondern eine davon sogar noch in zwei Unterarten klassifizieren lässt.

Bereits 2006 hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass sich der Neofelis in zwei räumlich isoliert voneinander lebende Arten aufteilt. Die Nebelparder Borneos und Sumatras unterscheiden sich genetisch und morphologisch so stark von ihren Verwandten auf dem Festland (Neofelis nebulosa), dass sie eine eigene Art, den Sunda-Nebelparder (Neofelis diardi) bilden. Die zwei Populationen des Sunda-Nebelparders auf Borneo und Sumatra leben seit mindestens 10.000 Jahren ebenfalls getrennt, nachdem die eiszeitlichen Landbrücken zwischen den Inseln verschwunden waren.


Das Forscherteam unter der Führung von Andreas Wilting und Jörns Fickel vom IZW sammelte deshalb weltweit in Naturkundemuseen Fell- und Knochenproben des Sunda-Nebelparders und untersuchte, inwieweit sich die räumlich getrennten Populationen schon verschieden entwickelt haben. „Obwohl wir vermuteten, dass die Nebelparder auf Borneo und Sumatra schon seit der letzten Eiszeit geographisch getrennt gewesen sein mussten, konnten wir nicht sagen, ob sich beide durch diese lange Isolierung bereits so verändert haben, dass sie als getrennte Unterarten anzusehen seien“, erklärt Wilting. In ihrer Studie gelang es den Wissenschaftlern jedoch, große genetische Unterschiede zwischen den beiden Populationen aufzuzeigen. Auch ein Vergleich der Schädelmorphologie zeigte Unterschiede zwischen den Populationen, wie Per Christiansen von der Aalborg Universität, ein Ko-Autor dieser Studie, feststellte.

Interessanterweise stellte ein weiterer Ko-Autor, Andrew Kitchener vom Nationalen Museum in Schottland aber fest, daß die Unterschiede in der Fellzeichnung nur gering waren. Die Autoren vermuten, dass für letzteres der auf Borneo und Sumatra ähnliche tropische Lebensraum verantwortlich ist. Aufgrund der entdeckten Unterschiede beschreiben die Wissenschaftler nun formal zwei Unterarten des Sunda-Nebelparders; eine ausschließlich auf Sumatra lebende und eine nur auf Borneo vorkommende.

„Über die genauen Abläufe in der Evolution des Nebelparders können wir bisher nur spekulieren“, sagt Jörns Fickel. Die Wissenschaftler vermuten, dass Naturkatastrophen und globale Klimaperioden für die Aufteilung in mehrere Arten und Unterarten verantwortlich sind, wobei dem Ausbruch des Supervulkans Toba auf Sumatra vor ca. 75.000 Jahren eine besondere Rolle zukommen könnte. Fickel erklärt, dass der Ausbruch mit Sicherheit extreme Konsequenzen für die lokale Tier- und Pflanzenwelt Südostasiens hatte. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, dass sehr wahrscheinlich nur zwei Populationen von Nebelpardern überlebt haben – eine in Südchina (Neofelis nebulosa) und eine auf Borneo (Neofelis diardi). Letzteren gelang es den Wissenschaftlern zufolge, über eiszeitliche Landbrücken wieder nach Sumatra vorzudringen, wo sie sich dann zu einer eigenständigen Unterart weiterentwickelten.

Beide Unterarten sind stark vom Aussterben bedroht, da sie wie andere Großkatzen auch in sehr geringen Dichten leben und große Streifgebiete zum Überleben brauchen. Deshalb sei es zum Schutz des Sunda-Nebelparders notwendig, große Waldflächen auf Borneo und Sumatra nachhaltig zu bewirtschaften oder zu schützen, so Wilting. Aus diesem Grund wurden sowohl dieses Projekt, als auch eine ergänzende Freilanduntersuchung am Nebelparder auf Borneo in enger Zusammenarbeit mit der Malaysischen Naturschutzbehörde durchgeführt. Im Ergebnis dieser Zusammenarbeit gelang es im Jahre 2009 erstmals, Sunda-Nebelparder in freier Wildbahn zu filmen.

Quelle:
Wilting A, Christiansen P, Kitchener AC, Kemp YJM, Ambu L, Fickel J (2010). Geo-graphical variation in and evolutionary history of the Sunda Clouded Leopard (Neofelis diardi) (Mammalia: Carnivora: Felidae) with the description of a new subspecies from Borneo. Molecular Phylogenetics & Evolution. doi:10.1016/j.ympev.2010.11.007.
Informationen:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildttierforschung (IZW)
Im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Deutschland
www.izw-berlin.de
Andreas Wilting, 0049 30 5168 619, wilting@izw-berlin.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften