Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Förderung des Wachstums von hämatologischen Neoplasien durch mesenchymale Stammzellen

07.01.2010
Die entarteten Zellen des Lymphknotenkrebs (Lymphom) aber auch Leukämiezellen benötigen für ihr Wachstum die Unterstützung durch eine geeignete Umgebung (griech. Stroma, Bett), welche sich im Lymphknoten oder Knochenmark findet. Dieses Stroma ist dadurch gekennzeichnet, dass es bestimmte Wachstumsfaktoren bereitstellt und durch Gefäßwachstum die Blutversorgung der entarteten Zellen sicherstellt.

Das Stroma ist ein komplexes Netzwerk aus einer Vielzahl von verschiedenen Zellen, von denen vor allem im Knochenmark sog. mesenchymale Stammzellen (MSC) eine wichtige Rolle spielen.

Sie stellen eine heterogene Population nicht-blutbildender Stammzellen dar, die kein spezielles Aussehen besitzen, allerdings die Fähigkeit zur Selbsterneuerung und Differenzierung in verschiedene Gewebe, wie Knochen, Fettgewebe und Knorpel aufweisen. Ursprünglich wurden diese Zellen im Knochenmark identifiziert, wo sie an der Ausbildung der blutbildenden Stammzellnische beteiligt sind, sie finden sich jedoch auch in anderen Geweben wie z.B. dem Fettgewebe.

Neben dieser Eigenschaft können mesenchymale Stammzellen aber auch Immunreaktionen beeinflussen und unterdrücken, wobei hier die zu Grunde liegenden Mechanismen nur zum Teil verstanden sind. Es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch unklar, ob es den entarteten Zellen nicht möglich ist, sich durch Umwandlung in mesenchymale Zellen Ihr "Bett" sozusagen selber zu schaffen.

Die Behandlung von Lymphknotenkrebs (Lymphomen), Leukämien und anderer Erkrankungen des Knochenmarks durch die Transplantation von blutbildenden Stammzellen eines fremden (allogenen) Spenders ist ein Therapieverfahren, das seit Jahrzehnten mit Erfolg eingesetzt wird. Da durch die Transplantation von blutbildenden Stammzellen quasi auch das Immunsystem des Spenders transplantiert wird, kann es jedoch zur sog. Spender-gegen-Wirt-Reaktion (englisch: Graft Versus Host Disease, GvHD) mit lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Die Unterdrückung dieser Immunreaktion durch die Gabe von mesenchymalen Stammzellen stellt hier einen neuen, vielversprechenden Therapieansatz dar, wobei derzeit unklar ist, welche Auswirkungen dies auf die Grunderkrankung wie z.B. einer Leukämie hat, da mesenchymale Stammzellen das Wachstum von Leukämien oder Lymphknotenkrebs fördern können. Durch die Unterdrückung der Immunreaktion (GvHD) mittels mesenchymaler Stammzellen wird zwar auf der einen Seite versucht, entsprechende Komplikationen zu vermeiden, auf der anderen Seite birgt diese Form der Therapie aber auch das Risiko, das Wachstum von residuellen Leukämiezellen nach Transplantation zu fördern.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Kammertöns und Dr. Gerbitz an der Charité will daher folgende Fragen klären:

1.) Können mesenchymale Stammzellen aus Lymphomen isoliert und gezüchtet werden.
2.) Sind Lymphomzellen in der Lage selbst mesenchymale Stammzellen zu bilden.
3.) Fördern mesenchymale Stammzellen das Wachstum von Lymphomen
4.) Werden mesenchymale Stammzellen in Lymphomen vor Ort gebildet oder aus dem Knochenmark rekrutiert.
Das Verständnis der Wachstumsförderung und Unterdrückung von Immunreaktionen durch mesenchymale Stammzellen soll der Optimierung dieser Therapieform dienen, aber auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen genauer beleuchten. Das Projekt verbindet insofern die aus dem klinischen Einsatz von MSC resultierenden Fragen mit tumorbiologischen und immunologischen Grundlagenfragen, wie Sie im Institut für Immunologie am Campus Benjamin Franklin bearbeitet werden.

Die Projektleiter arbeiten am Institut für Immunologie am Campus Benjamin Franklin der Charité in Berlin. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Thomas Kammertoens (thomas.kammertoens@charite.de) oder an PD Dr. Armin Gerbitz (armin.gerbitz@charite.de).

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikroben hinterlassen "Fingerabdrücke" auf Mars-Gestein
17.10.2017 | Universität Wien

nachricht Partnervermittlung mit Konsequenzen
17.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Partnervermittlung mit Konsequenzen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

3D-Mapping von Räumen mittels Radar

17.10.2017 | Energie und Elektrotechnik