Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fliegender Ölteppich - Eine Vision der Bienenforscher

25.03.2009
Das Wundertuch, mit dem ausgelaufenes Öl nach Tankerunfällen einfach aufgewischt werden kann, eine utopisch klingende Vorstellung.

Aber in der Tat eine reale Vision der aktuellen Bionikforschung. In dieser Disziplin der Naturwissenschaften verbinden Forscher Biologie und Technik nicht nur im Wortspiel, sondern in Form realer technischer Anwendungen, wie beispielsweise wasserabweisende Oberflächen nach dem Lotus-Prinzip.

Während die spezielle Haarstruktur auf dem Lotusblatt dafür sorgt, dass Flüssigkeiten nicht haften bleiben, gibt es Bienen, deren Haare genau das Gegenteil bewirken. Die Beinhaare der über 300 Arten der Ölbienen bilden ein so enges Geflecht, das selbst große Öltropfen derart fest bindet, dass diese sogar im Flug nicht verloren gehen. Mehr noch, beim Schleudern haftet das Öl noch bei 800 Umdrehungen pro Minute in den Haaren der Bienenbeine.

"Diese Entdeckung hat uns derart fasziniert, dass wir uns gefragt haben, wie sie uns Menschen nützlich sein könnte", so Professor Dieter Wittmann vom Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn, der sich schon seit mehr als 20 Jahren mit der Erforschung einheimischer, südamerikanischer und afrikanischer Bienen beschäftigt. Gemeinsam mit Textilingenieuren aus Denkendorf in Baden-Württemberg und mit dem Diplomanden Jean Eischeid erforschte er die spezielle Anordnung der Bienenhaare. Anhand der Ergebnisse wurden dem Geflecht der Beinhaare ähnliche Textiltücher entwickelt.

Die Vision: Eines Tages könnte ein mehrschichtiger Teppich mit der nachgebauten Bienen-Technik dazu eingesetzt werden, Ölteppiche nach Tankerunfällen von der Wasseroberfläche zu entfernen - sozusagen "Wisch-und-Weg-Technik" im Großmaßstab. In einer Ölwanne hat der aus mehreren Schichten bestehende Lappen bereits den Motoröl-Test bestanden. "Wir müssen aber noch besser werden", so Wittmann, denn das Tuch verliert im Gegensatz zur Biene noch Öl.

Die Herausforderung für die Wissenschaftler besteht nun darin, die verästelte Anordnung der Bienenhaare so perfekt wie möglich nachzuahmen. Physikalisch gesehen sind es besonders starke Kapillarkräfte, die das Öl an die Haare binden. Für die Bienen ist der sichere Öltransport überlebenswichtig, denn sie füttern damit ihre Nachkommen und kleiden ihre Brutzellen wasserdicht aus.

Solche Entdeckungen zeigen, dass es sich lohnt, den Artenschwund von Tier- und Pflanzenarten zu stoppen, denn die Natur hält die besten Erfindungen für uns bereit.

Friederike Eversheim | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie