Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fliegen werden dank neuartiger Zelltherapie uralt

16.01.2015

Einem Team von Berner Forschenden ist es gelungen, die Lebensdauer von Fliegen deutlich zu erhöhen. Sie aktivierten ein Gen, welches ungesunde Zellen zerstört. Die Resultate der Studie zeigen dadurch neue Möglichkeiten auf, wie man das Altern beim Menschen verlangsamen könnte.

Unsterblichkeit ist ein alter Menschheitstraum. In vielen Mythologien ist es die Unsterblichkeit, welche die Götter vom Menschen trennt. Heute versuchen Biologen die Lebensdauer des Menschen durch die Erforschung von Modell-Organismen wie Mäusen oder Fliegen zu verlängern.


Auch ein dank Zelltherapie verlängertes Leben ist irgendwann zu Ende: ein totes Exemplar der Fliege Drosophila melanogaster.

Institut für Zellbiologie

Unter der Leitung von Eduardo Moreno ist es Forschenden des Instituts für Zellbiologie der Universität Bern nun gelungen, eine neue Methode zur Verlängerung der Lebensdauer von Fliegen zu entwickeln. Diese basiert auf der gezielten Selektion der am besten funktionierenden Zellen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Cell» veröffentlicht.

«Unsere Körper bestehen aus mehreren Billionen Zellen», erklärt Moreno. «Während wir altern, sammeln sich in ihnen aufgrund von Überbelastungen oder äusserer Störfaktoren, wie der UV-Strahlung der Sonne, immer mehr zufällige Defekte an.»

Aber diese Defekte treten nicht bei allen Zellen zur gleichen Zeit und mit der gleichen Intensität auf, wie er sagt: «Manche Zellen sind stärker davon betroffen als andere. Wir kamen deshalb auf die Idee, dass wir die Gesundheit des Zellgewebes und damit die Lebensdauer eines Organismus erhöhen können, indem wir die gesunden Zellen auslesen und die beschädigten eliminieren.»

Gen führt «Qualitätskontrolle» bei Zellen durch

Um ihre Hypothese zu testen, griffen die Forschenden auf die Fruchtfliege Drosophila melanogaster zurück. Die erste Herausforderung bestand darin, herauszufinden, welches die gesünderen Zellen in den Organen der Drosophila waren. Morenos Team entdeckte ein Gen, das in weniger gesunden Zellen aktiviert wird.

Sie tauften es Ahuizotl (kurz: Azot), nach einer Kreatur aus der aztekischen Mythologie, die Fischbestände von Gewässern schützt, indem sie gezielt Fischerboote attackiert – genau wie das neue Gen: Dieses greift gezielt weniger gesunde Zellen an, um die Unversehrtheit und Gesundheit von Organen wie dem Hirn oder den Eingeweiden zu schützen.

Normalerweise befinden sich zwei Kopien dieses Gens in einer Zelle. Indem sie eine dritte Kopie einfügten, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die gesünderen Zellen und Nervenzellen effizienter aussortieren. Das Resultat dieser zellulären «Qualitätskontrolle» war laut Moreno «äusserst aufregend»: Die behandelten Fliegen wiesen ein gesünderes Zellgewebe auf, alterten langsamer und hatten eine längere Lebensdauer. «Unsere Fliegen lebten im Mittel um 50 bis 60 Prozent länger als ihre übrigen Artgenossen», sagt Christa Rhiner, Ko-Autorin der Studie.

Könnte Azot auch das menschliche Altern verlangsamen?

Das Potenzial dieser Resultate geht aber über die Erschaffung von Methusalem-Fliegen hinaus, wie die Forschenden sagen: Weil das Azot-Gen auch im menschlichen Körper vorkommt, könnte die Selektion gesünderer, fitterer Zellen in den Organen künftig als Mechanismus zur Verlangsamung des Alterns dienen. Beispielsweise könnte damit der im Laufe des Lebens zunehmenden Degeneration von Gewebe und Nervenzellen in unseren Körpern entgegengewirkt werden.

2,4 Millionen Franken von der EU

Eduardo Morenos Projekt über die «Fitness» von Zellen wird seit Februar 2014 vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council ERC) mit einem ERC Consolidator Grant in der Höhe von rund 2,4 Millionen Franken gefördert. Der von der Europäischen Union 2007 gegründete ERC ist die erste gesamteuropäische Förderagentur für Spitzen-Grundlagenforschung. Er unterstützt die Forschung der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Europas.

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2015/al...

Anhang

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie