Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fledermäuse - der große Lauschangriff

07.05.2009
Fledermäuse verständigen sich bei der Jagd mit typischen Echoortungslauten - und sind so in der Gruppe erfolgreicher

Die Echoortung der Fledermäuse dient hauptsächlich der akustischen Orientierung, wobei eine Fledermaus das Echo ihres eigenen Rufes wahrnimmt.

Eine in Panama heimische Art, die Kleine Hasenmaulfledermaus, benutzt verschiedenartige Laute für das Beutesuchen und das Entdecken der Beute. Ist die Beute entdeckt, stößt sie spezielle Ortungsrufe aus, die andere Fledermäuse anziehen. Bislang war jedoch nicht klar, ob dieses Belauschen von Artgenossen auch das soziale Gefüge beeinflusst.

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Ornithologie hat nun in einer Freilandstudie, die mit Playback-Versuchen kombiniert wurde, festgestellt, dass die Mitglieder einer sozialen Gruppe sich gezielt "abhören" und sich so über den Erfolg bei der Futtersuche informieren. Diese passive Übermittlung von Informationen konnte so erstmals bei Fledermäusen experimentell nachgewiesen werden (Proceedings B; Online-Vorabveröffentlichung 6. Mai 2009)

Das Sammeln von Information durch das Belauschen oder Beobachten von anderen, ist vor allem in der Verhaltensforschung bekannt. Durch das Beobachten einer Interaktion von zwei Individuen kann das eigene Verhalten bei einem späteren Aufeinandertreffen verändert werden. Wenn beispielsweise ein Tier eine Auseinandersetzung von zwei Artgenossen sieht, kann es aufgrund der eigenen Einschätzung ermessen, ob er sich mit dem Gewinner oder dem Verlierer einlassen soll. Auch beim Menschen ist dieses Phänomen bekannt. So sorgten Debatten über das Abhören von Telefongesprächen in letzter Zeit immer wieder für Kontroversen.

Welche Rolle dieses Belauschen bei Fledermäusen die in einer Gruppe spielt, haben nun Forscher um Dina Dechmann vom Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung und dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell bei der in Panama heimischen kleinen Hasenmaulfledermaus untersucht. Die Forscher konzentrierten sich auf weibliche Tiere, die in kleinen Gruppen leben und bei der Nahrungssuche Insekten über Gewässern nachstellen. Da die Fledermäuse nur zu einer sehr kurzen Zeit aktiv sind und es nie vorhersehbar ist, wo sich die Insektenschwärme aufhalten, ist eine effektive Nahrungssuche von Vorteil.

Die Forscher haben dazu die Fledermäuse mit Harfenfallen ausfindig gemacht und sie mit kleinen Sendern versehen. Dabei stellten sie fest, dass das Vorspiel der speziellen Echoortungslaute, die die Tiere von sich geben, sobald sie eine Beute entdeckt oder gefangen haben, auch ihre Artgenossen anlockt. Mitglieder einer Gruppe koordinierten ihre Futtersuch-Ausflüge, indem sie den Echoortungslauten der anderen Tiere lauschten. Diese können sie aus einer viel größeren Distanz hören als die Beute selbst. Da die Tiere dabei verschiedene Laute benutzen, kann so eine lauschende Artgenossin sofort erkennen, ob die Futtersuche der belauschten Gruppe erfolgreich war oder nicht. Bei der Futtersuche flogen die Fledermäuse innerhalb der Gruppe in Hördistanz zueinander und erfuhren so, wenn ihre Gruppenmitglieder einen Insektenschwarm gefunden hatten. Auf diese Weise kann die Beute durch das gegenseitige "Belauschen" aus weiterer Distanz indirekt detektiert und das abgesuchte Gebiet vergrößert werden. Ist die Beute einmal entdeckt, kann die Fledermaus sich dem erfolgreichen Gruppenmitglied anschließen, so dass auf diese Weise die unvorhersehbar auftretenden Insektenschwärme effizienter gejagt werden können. Die Informationsübermittlung mittels typischer und eigens für die Orientierung und Beutefang entwickelten Echoortungslaute spielt somit eine wichtige Rolle im sozialen Leben der Fledermäuse, fassen die Autoren der Studie ihre Ergebnisse zusammen.

Originalveröffentlichung:

Dechmann, D.K.N., Heucke, S.L., Giuggioli, L., Safi, K., Voigt, C.C., Wikelski, M.
Experimental evidence for group hunting via eavesdropping in echolocating bats
Proceedings of the Royal Society of London, Series B, 6. Mai 2009
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Dr. Dina Dechmann, Vogelwarte Radolfzell
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Tel.: +49 7732 150-173
E-Mail: ddechmann@orn.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften