Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

(Fleder)Mäuse als Krankheitsüberträger - Untersuchungen zu Vektoren in Hessens Wäldern

18.12.2012
Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) untersuchen anhand von Mäusen und Fledermäusen die potentielle Ausbreitung von Infektionskrankheiten in Hessen. Besonders das Hantavirus ist in hessischen Wäldern auf dem Vormarsch.

Eine Hantavirus-Erkrankung beim Menschen beginnt mit schnell steigendem Fieber, Kopfweh und Schmerzen im Bereich des Rückens und Bauches. In Deutschland sind aus dem zurückliegenden Jahr über 2000 Infektionsfälle bekannt – Tendenz steigend.


Die Rötelmaus: Putzig anzuschauen, aber Träger des gefährlichen Hantavirus

© James Lindsey at Ecology of Commanster


Fledermäuse können Krankheiten übertragen und sind häufig von Unmengen parasitären Bettwanzen befallen

© Senckenberg

Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) untersuchen gemeinsam mit Forstämtern und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) an 12 über Hessen verteilten Standorten Nagetiere daraufhin, ob diese als potentielle Überträger von Hantaviren auf den Menschen in Frage kommen.

„Besonders Rötelmäuse sind geeignete Vektoren, also Überträger für das Virus“, erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und BiK-F. „Die Mäuse selbst erkranken nicht, können aber Menschen beispielsweise durch einen Biss oder über Viren in ihrem Kot und Urin infizieren.“

Bisher gab es zum Thema Hantaviren in Nagetieren keine flächendeckenden Untersuchungen in Hessen, und die seit 2011 gesammelten Proben stellen allein schon vom Probenumfang eine einmalige Datenerhebung dar. In Deutschland sind bislang mindestens drei Nagetier-assoziierte Hantavirus-Arten nachgewiesen (Puumalavirus, Dobrava-Belgrad-Virus, Tulavirus). „In unseren Nagerproben aus Hessen konnten wir bisher in Feld- und Erdmäusen ausschließlich das Tulavirus nachweisen. Die Ergebnisse zeigen für dieses Virus sowohl eine weite geografische Verbreitung als auch ein für Hantaviren unerwartet breites Wirtsspektrum.“ so Klimpel. Aber auch diverse Parasiten konnten von den Wissenschaftlern identifiziert werden.

„Wir haben beispielsweise erstmals eine etwa 6 Millimeter große Flohart bei den Mäusen in Hessen nachweisen können“, erzählt Projektmitarbeiter Raphael Frank. Dieser Riese unter den parasitären Insekten (der gewöhnliche Hundefloh ist gerade mal ein Drittel so groß) kann als potentieller Überträger von Vektor zu Vektor fungieren.
Und auch andere „Mäuse“ stehen im Fokus der Parasitologen. „Fledermäuse spielen eine wichtige Rolle in unseren Breiten, sind sie doch zum Beispiel bekannte Tollwut-Überträger“, erläutert Klimpel. Fledermäuse, die zu den ältesten Säugetierarten der Welt gehören, tragen aktiv zur Regulierung von Insektenbeständen bei. Sie zählen vor allem in Europa zu den bedrohten Tierarten. Doch Fledermäuse beherbergen häufig auch Paramyxoviren, zu denen auch die Erreger von Tollwut oder Mumps gehören.

Eine Überraschung haben die Untersuchungen an den fliegenden Säugetieren bereits ergeben: Die Wissenschaftler konnten an den hessischen Fledermäusen Unmengen von Bettwanzen nachweisen. Die vier bis sechs Millimeter großen blutsaugenden Insekten sind als Mitbringsel aus tropischen Regionen bekannt und gelten als äußerst lästige Begleiter, da sie nur schwer wieder loszuwerden sind.

„Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Bettwanzen zahlreiche Erreger von Krankheiten wie Q-Fieber, Hepatitis B und Hepatitis C beherbergen können“, erklärt Klimpel.

Eine Übertragung von der Bettwanze auf den Menschen ist jedoch noch nicht belegt und soll nun in Zusammenarbeit mit Kollegen des Bernhard-Nocht-Institutes für Tropenmedizin in Hamburg (BNI) geprüft werden.

„Fest steht, dass Globalisierung und anthropogener Klimawandel sich auf die Verbreitung invasiver Arten und die Vektorendichte auswirkt. Als Konsequenz wird in den nächsten Dekaden die Verbreitung der durch Vektoren übertragenen Infektionskrankheiten stark zunehmen“, resümiert Klimpel.

Kontakt
Prof. Dr. Sven Klimpel
Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel.: 069 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie