Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flechtenforscher im Goldrausch - Statt 100 fast 600 Arten im Yosemite-Nationalpark

17.10.2013
Ein internationales Team von Wissenschaftlern, darunter der Biologe Dr. Christian Printzen von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, untersuchte die Verbreitung von Flechten im US-amerikanischen Yosemite-Nationalpark.

Zusätzlich zu den 101 bereits erfassten Arten des kalifornischen Nationalparks konnten 461 bisher dort nicht bekannte Flechten und 22 flechtenparasitische Pilze dokumentiert werden. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin „North American Fungi“ veröffentlicht.


Letharia columbiana, eine Verwandte der in Mitteleuropa selten gewordenen Wolfsflechte Letharia vulpina. Bild: Dr. Christian Printzen

Der Yosemite Nationalpark liegt im westlichen Teil der Sierra Nevada in Kalifornien und erstreckt sich über eine Fläche von 3300 km². Teile des Parks wurden schon 1864 unter Schutz gestellt, um die Vielfalt der dort heimischen Tiere, Pflanzen und Lebensräume zu erhalten.

Trotz dieser langen Geschichte gibt es immer noch erstaunliche Wissenslücken, wenn es um die natürlichen Bewohner des Parks geht. Im Jahr 2009 wurde deshalb vom National Park Service eine Erfassung der Flechtenflora des Yosemite Nationalparks in Auftrag gegeben.

In der kürzlich veröffentlichten Studie „Lichens and Lichenicolous Fungi of Yosemite National Park, California“ dokumentieren die beteiligten Wissenschaftler nun 562 Flechten und 22 flechtenparasitische Pilze im Yosemite Nationalpark und versechsfachen somit die Anzahl der dort bislang kartierten Arten. Auf der Suche nach den Flechten durchkämmte ein Dutzend Spezialisten für verschiedene Flechtengruppen diverse Lebensräume innerhalb des Nationalparks.

Eine Aufgabe, die Erfahrung erfordert: „Viele Flechten sind sehr unauffällig. Man findet sie praktisch nur, wenn man genau weiß, wo man suchen muss“, erklärt Dr. Christian Printzen von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften zwischen einem Pilz und einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Partnern, nämlich Grünalgen oder Cyanobakterien. Flechten erfüllen verschiedene wichtige Funktionen in den Ökosystemen: Sie bieten Lebensraum für Kleinstlebewesen, dienen als Nahrungsquelle für Schnecken und schützen Böden vor Abtragung. Zudem sind sie maßgeblich am Stickstoff- und Kohlenstoffkreislauf der Erde beteiligt.

Die meisten Flechten sind auf saubere Luft angewiesen und reagieren sehr sensibel auf Schadstoffe. Sie eignen sich damit auch als Zeigerorganismen, sogenannte Bioindikatoren, für Umweltverschmutzung und werden auch bei Umweltuntersuchungen eingesetzt.

„Die größte Bedrohung für Flechten ist die Landnutzung durch den Menschen“, erläutert Dr. Printzen. Aufgrund der Zerstörung natürlicher Lebensräume z. B. durch Straßenbau, Landwirtschaft oder forstwirtschaftliche Maßnahmen sind auch in Deutschland etwa ein Drittel der knapp 2000 bekannten Flechtenarten gefährdet. „Strategien zum Artenschutz kann man nur entwickeln, wenn man weiß, was man überhaupt schützen soll“ so Printzen. „Das Beispiel Yosemite zeigt, wie viel wir selbst in ansonsten hervorragend erforschten Gebieten noch über unauffälligere Organismen lernen müssen und wie groß die Gefahr ist, dass durch menschgemachte Umweltveränderungen Arten aussterben, die noch gar nicht bekannt oder beschrieben sind.“

Kontakt

Dr. Christian Printzen Sektionsleiter Kryptogamen,
Abteilung Botanik und Molekulare Evolutionsforschung
Tel. 069 97075 1154
christian.printzen@senckenberg.de
Ilona Bröhl
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1444
pressestelle@senckenberg.de
Publikation:
Hutten, M. & Printzen, C. (2013): Lichens and Licheicolours Fungi of Yosemite National Park, California. North American Fungi, V. 8, No 11: 1-47.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt.

Ilona Bröhl | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie