Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettschwanzmakis auf Madagaskar: Kein Energievorteil durch gemeinsamen Winterschlaf

20.11.2014

Westliche Fettschwanzmakis (Cheirogaleus medius) sind kleine madagassische Primaten, die in lebenslangen Partnerschaften leben – zusammen mit ihrem Nachwuchs.

Obwohl in den Tropen zuhause, halten Fettschwanzmakis für sieben Monate Winterschlaf, wenn Wasser und Nahrung knapp werden und die Temperaturen vergleichsweise niedrig sind. Während dieser Zeit bevorzugen die Tiere dann allerdings eine „Single“-Baumhöhle.


Westlicher Fettschwanzmaki (Cheirogaleus medius)

Foto: UHH/Dausmann


Westlicher Fettschwanzmaki mit Sender

Foto: UHH/Dausmann

Das hat ein Forscherteam der Arbeitsgruppe Tierökologie und Naturschutz der Universität Hamburg herausgefunden. Welche Unterschiede in Körpertemperatur, Energieverbrauch und Schlafrhythmus es beim Einzelschläfer im Vergleich zu Artgenossen aus Winterschlaf-Gruppen gibt, beschreiben Prof. Dr. Kathrin Dausmann und Dr. Julian Glos erstmals in einem Artikel im Fachjournal „Functional Ecology“.

53 ausgewachsene Westliche Fettschwanzmakis wurden während der Sommermonate von Dezember bis April in einem Trockenwald im Westen Madagaskars für die weitere Identifizierung gechipt und mit einem Halsband-Sender versehen, der die Ortung der Tiere sowie die Übermittlung der Hauttemperatur ermöglichte. Den Winterschlaf von April bis Oktober verbrachten die Makis in ihren Baumhöhlen, wobei einige der Behausungen mit speziellen Geräten präpariert wurden, um den Energieverbrauch zu bestimmen.

Die Tiere sind in den Wintermonaten täglichen Temperaturschwankungen von zehn Grad in der Nacht bis zu 35 Grad Celsius am Mittag ausgesetzt, wobei sich die Körpertemperatur der untersuchten Lemuren-Art der Umgebungstemperatur anpasst (passive Thermoregulation).

Zudem herrscht eine extreme Trockenheit. Indem die Fettschwanzmakis ihren Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren, sparen sie Energie und vor allem Wasser. Unterbrochen wird dieser Zustand immer wieder von kurzen Wachphasen, in denen sie – wie ihr Name sagt – von den Fettreserven zehren, die in ihrem Schwanz eingelagert sind.

Prof. Dausmann und ihr Team untersuchten mit ihrem Projekt die These, dass sich das Zusammenleben von Individuen evolutionär erst durch die Vorteile beim gemeinsamen Winterschlaf entwickelt habe, wie beispielsweise beim Alpenmurmeltier. Durch das gegenseitige Wärmen in Gruppen sei der Energieverbrauch während der Wachphasen, in denen der Stoffwechsel ‚hochgefahren‘ werden muss, geringer.

Für die Westlichen Fettschwanzmakis scheint das – trotz ihrer Geselligkeit in den Sommermonaten – nicht zu gelten. 90 Prozent der Tiere machten alleine Winterschlaf, fünf Prozent in Paaren und weitere fünf Prozent in größeren Gruppen. Zwischen den einzeln schlafenden Individuen und den Paaren stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem keine signifikanten Unterschiede in der Schwankung der Körpertemperatur sowie dem Energieverbrauch fest.

In größeren Gruppen mit drei oder mehr Individuen schien der gemeinsame Winterschlaf sogar eher problematisch zu sein, da einzelne Tiere in den Wachphasen die Körpertemperatur der anderen Baumhöhlenbewohner passiv mit erhöhten. Dies veränderte unfreiwillig deren Energiehaushalt und -verbrauch.

„Das Überwintern in Gruppen scheint daher für den Westlichen Fettschwanzmaki keinen energetischen Vorteil zu bringen“, fasst Prof. Dausmann die Ergebnisse zusammen. Zudem seien die Tiere allein eher vor Fressfeinden geschützt.

Kommt es doch zu einem gemeinsamen Winterschlaf, hat das laut Dausmann eher soziale Faktoren: „Die Tiere, die im Laufe der Untersuchung aus dem solitären Winterschlaf zu einem anderen Individuum gewechselt sind, waren ausschließlich Männchen, die sich weiblichen Tieren angeschlossen haben. Sehr wahrscheinlich, um in der Paarungszeit direkt nach dem Winterschlaf in ihrer Nähe zu sein.“

Link zum vollständigen Artikel (Early View):

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.12368/full

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Kathrin H. Dausmann
Universität Hamburg
Tierökologie und Naturschutz
Biozentrum Grindel
Tel.: 040 42838-3864
E-Mail: kathrin.dausmann@uni-hamburg.de


Weitere Informationen:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.12368/ful  - Artikel im Fachjournal „Functional Ecology“

Birgit Kruse | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse
21.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik