Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fettleber: Grazer ForscherInnen publizieren Vorstufe zu neuer Diagnosemethode

10.10.2013
Fettleber ist nicht gleich Fettleber: Ein Team aus ForscherInnen der Karl-Franzens-Universität Graz, der Medizinischen Universität Graz und der TU Graz zeigte erstmals, dass sich anhand der spezifischen Zusammensetzung von Fett-Tröpfchen der Leberzellen auf die unterschiedlichen Ursachen der Krankheit schließen lässt.

Dieses Wissen ist der Grundstein für die Entwicklung neuer Therapiemethoden. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal of Lipid Research publiziert – und eroberten die Titelseite.


Leberzelle nach sehr fettreicher Ernährung, in Verbindung mit Insulinresistenz
Spener/Uni Graz


Gesunde Leberzelle
Spener/Uni Graz

Fettes Essen, Fasten oder genetische Vorbelastung: Eine Fettleber kann aus unterschiedlichen Stoffwechselstörungen entstehen. So wird die „Nichtalkoholische Fettleber“ durch übermäßig fettes Essen erworben, in Verbindung mit einer Insulin-Resistenz. Eine andere Ursache kann eine genetisch bedingte Blockade des fettspaltenden Enzyms ATGL sein. Auch Fasten führt zu einer vermehrten Fetteinlagerung in die Leber, da die Lipide, also Fette, aus anderen Stellen im Körper in die Leber wandern.

Welche Stoffwechselstörung einer Fettleber zugrunde liegt, darüber gibt die Zusammensetzung der Lipid-Tröpfchen von Leberzellen Auskunft, wie Grazer WissenschafterInnen im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts nun herausgefunden haben.

Charakteristisches Fett-Muster

„Es zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Lipid-Tröpfchen variiert“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Friedrich Spener vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz. „Je nach Krankheitsursache sind in den Tröpfchen verschiedene Lipid-Moleküle in unterschiedlichen Mengen vorhanden. Daraus ergibt sich jeweils ein charakteristisches Muster, das erkennen lässt, ob die Fettleber Folge der verschiedenen Arten von Ernährungsstress oder genetischem Stress ist. Besonders geeignet zur Unterscheidung ist das Profil der Triglyzeride“, fasst der Biochemiker und Molekularbiologe zusammen.

Forschung im Grazer Trio

Die drei Grazer Universitäten, die unter der Flagge „BioTechMed-Graz“ ihre Forschung an der Schnittstelle zwischen Mensch, Medizin und Technik bündeln, haben auch in diesem Projekt ihre Kräfte vereint und Arbeitsteilung betrieben. Das Team um Friedrich Spener isolierte Lipid-Tröpfchen aus den Leberepithelzellen, die dann mittels Massenspektrometrie (MS) von Dr. Harald Köfeler und seinen MitarbeiterInnen am Zentrum für Medizinische Forschung der Med Uni Graz untersucht wurden. Dr. Gerhard Thallinger und sein Team vom Institut für Genomik und Bioinformatik der TU Graz haben die Ergebnisse mit eigens entwickelten bioinformatischen Verfahren ausgewertet.

Die methodische Innovation liegt einerseits im Einsatz einer speziellen MS-Plattform, die im Hochdurchsatz-Verfahren große Mengen quantitativer Messdaten liefert, andererseits im bioinformatischen Auswerteverfahren, das die automatisierte Identifizierung der einzelnen Lipid-Moleküle und in ihrer Gesamtheit die Mustererkennung erlaubt. Dieser „lipidomische Ansatz“ ist die Methode der Wahl, denn insgesamt, so Schätzungen, gibt es über 100.000 verschiedene Lipid-Moleküle.

„Diese Methode zur automatisierten Quantifizierung der Lipid-Moleküle ist zum Patent eingereicht. Es ist langfristig ein Ansatz, der auch in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden kann“, erklärt der Bioinformatiker Gerhard Thallinger.

Graz als Zentrum europäischer Fettforschung

Graz ist neben Cambridge, Dresden, Lyon und Regensburg eines der großen Zentren der lipidomischen Forschung in Europa. Im Lipidomics Research Center Graz wurden auf Initiative von Friedrich Spener und Univ.-Prof. Dr. Sepp D. Kohlwein die Arbeitsgruppen am Standort unter einem virtuellen Dach zusammengeführt. Die Forschungen sind Teil der interuniversitären Plattform BioTechMed Graz.

Originalpublikation: Chitraju, C., Trötzmüller M., Hartler J., Wolinski H., Thallinger G., Haemmerle G., Zechner R., Zimmermann R., Köfeler H., Spener F.: The impact of genetic stress by ATGL deficiency on the lipidome of lipid droplets from murine hepatocytes. Journal of Lipid Research. 2013, Vol. 54, Number 8, 2185-2194.

Link: http://www.jlr.org/content/54/8/2185.abstract

Rückfragen:
Universität Graz
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Spener
Institut für Molekulare Biowissenschaften
Tel.: 0316/380-5501
E-Mail: fritz.spener@uni-graz.at
Medizinische Universität Graz
Dr. Harald Köfeler
ZMF – Zentrum für Medizinische Forschung
Tel.: 0316/385-73005
E-Mail: harald.koefeler@medunigraz.at
TU Graz
Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerhard Thallinger
Institut für Genomik und Bioinformatik
Tel.: 0316/873-5343
E-Mail: gerhard.thallinger@tugraz.at

Alice Senarclens de Grancy | Technische Universität Graz
Weitere Informationen:
http://www.tugraz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Immunabwehr ohne Kollateralschaden
23.01.2017 | Universität Basel

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie