Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fehlerhafte Regulation des programmierten Zelltods in Tumorzellen

17.12.2008
In allen Krebsarten kann man eine erhöhte Menge des Proteins Survivin nachweisen. Survivin hemmt den programmierten Zelltod (Apoptose) und verleiht Tumorzellen eine erhöhte Resistenz gegen Krebsmedikamente oder gegen eine Bestrahlungstherapie.

Eine erhöhte Survivin-Menge in den Tumoren geht einher mit einer schlechteren Prognose für den Patienten. Bis heute ist noch nicht vollständig geklärt wie Survivin das Überleben von Tumorzellen begünstigt. Das Forscherteam um Prof. Achim Temme untersucht neue Proteinpartner des Survivins, deren Interaktionen untereinander zu einer Aktivierung anti-apoptotischer Signale und zu einem vermehrten Tumorwachstum führen könnten.

Die Aufklärung neuer molekularer Signalwege in der Tumorzelle könnten Ansatzpunkte für neue Therapien von Krebserkrankungen aufdecken.

Der Mechanismus des programmierten Zelltods (Apoptose) gewährleistet im sich entwickelnden und erwachsenen Organismus die Elimination alternder oder geschädigter Zellen. Apoptose wird von einem komplexen System miteinander interagierender Faktoren reguliert, die den programmierten Zelltod sowohl induzieren als auch hemmen. Eine gestörte Regulation dieses Prozesses, die einhergeht mit einer erhöhten Resistenz gegen Krebsmedikamente oder einer Radiotherapie, ist ein häufiges Merkmal bösartiger Krebszellen und stellt oftmals ein großes Hindernis für die erfolgreiche Therapie humaner Tumoren dar.

Survivin ist in letzter Zeit in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, da dieses Protein stark in Tumorgeweben vorkommt, während es in benachbarten normalen Geweben kaum zu entdecken ist. Survivin wird nicht nur in Zellen des Primärtumors gebildet, sondern findet sich auch in Tumorabsiedlungen, so genannten Metastasen. Das Survivin-Protein ist ein "Inhibitor der Apoptose-Protein" (IAP). Hierbei fungiert dieses Protein wie eine interne Sicherung der Zelle, welche die im Verlauf von Zellschädigung, Zellstress oder Apoptose gebildeten Zell-verdauenden Enzyme, so genannte Caspasen, hemmen kann. Neuere Untersuchungen zeigen aber auch, dass das Survivin-Protein eine wichtige Funktion während der Zellteilung besitzt. Hier sorgt es zusammen mit anderen Proteinpartnern für eine geordnete Verteilung des genetischen Materials, den so genannten Chromosomen, auf die Tochterzellen.

In neueren Untersuchungen konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Temme eine Assoziation der des Survivin Proteins mit einem N-terminalen Fragment des Ras-GTPase-aktivierenden Proteins (RasGAP) entdecken. Das N-terminale Fragment (N-RasGAP), wird von Zellen bei Stress durch eine schwache Caspase-Aktivität freigesetzt und besitzt eine Adapterfunktion für die Zusammenführung von Proteinen. Weitere Analysen deuten darauf hin, dass eine Assoziation mit der in Tumoren häufig stark exprimierten Aurora B-Kinase erfolgen kann. In dem Projektvorhaben soll untersucht werden, ob dieser neue Komplex bestehend aus Survivin, Aurora B und N-RasGAP in der Zelle zu einer Veränderung von Signaltransduktionwegen führt und damit das Wachstum bzw. die Apoptoseresistenz von Tumorzellen verändert. Diese Studien sollen zum besseren Verständnis der Apoptoseresistenz von Tumorzellen beitragen, um letztendlich Grundlagen für neue Therapieansätze zu erlangen.

Kontakt: Prof. Dr. rer. nat. Hanns Achim Temme, Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Sektion Experimentelle Neurochirurgie/Tumorimmunologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, TU Dresden, Fetscherstr. 74, 01307 Dresden, Tel. 0351-7965751, E-Mail: achim.temme@uniklinikum-dresden.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 70.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie