Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FAU-Neurowissenschaftler erforschen Nerven-Erkrankungen

29.04.2011
Sie sind selten und schwer zu diagnostizieren, führen zu Lähmungen der Muskeln und im Extremfall zum Tod: Motoneuron-Erkrankungen, eine in manchen Fällen erblich bedingte, fortschreitende und irreversible Schädigung von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark.

Für die Betroffenen sind diese Erkrankungen besonders schlimm, da es noch keine wirksame Therapie gibt. Um ihnen zu helfen, wollen Neurowissenschaftler um Dr. Beate Winner vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) die Krankheitsmechanismen von unterschiedlichen erblichen Motoneuronerkrankungen in einem menschlichen Zellkulturmodell verstehen lernen.


Neurone, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen von humanen Hautzellen generiert wurden sind mittels Fluoreszenzmarkierung grün dargestellt. Darstellung: Dr. Beate Winner

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ihr Projekt mit dem Titel „Induzierte pluripotente Stammzellen als Modellsystem für Motoneuronerkrankungen“ in den kommenden fünf Jahren mit 1,8 Millionen Euro.

Motoneurone sind spezialisierte Zellen, die Signale vom Gehirn innerhalb des Körpers zur Muskulatur weiterleiten. Sind die Neurone geschädigt, können sie Befehle des Gehirns nicht mehr an die Muskeln geben. Spastische Lähmungen sind die Folge, die die Betroffenen im Alltag erheblich beeinträchtigen. Dr. Winner und ihr Team untersuchen insbesondere Formen der hereditären spastischen Spinalparalyse (HSP) und der erblichen amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Das Forschungsprojekt

Um die Motoneuron-Erkrankungen zu erforschen, wird Patienten mit einer genetischen Form von Motoneuronerkrankungen eine kleine Hautbiopsie entnommen. In einem komplizierten Verfahren wandeln die Forscher der Arbeitsgruppe um Dr. Beate Winner diese Patienten-Hautzellen dann in pluripotente Stammzellen um. Das sind Stammzellen, die sich zu jedem beliebigen anderen Zelltyp eines erwachsenen Organismus entwickeln können, etwa zu Nerven- oder Gehirnzellen. Diese Wandlungsfähigkeit der pluripotenten Stammzellen nutzen die Wissenschaftler: „Bisher war die Forschung an Motoneuronen dadurch limitiert, dass nur eingeschränkt Gewebe von Patienten zur Verfügung stand. Jetzt können wir aus Hautzellen des Patienten spezifische Nervenzellen machen. Wir untersuchen damit exakt die Zellen, die bei Motoneuronerkrankungen geschädigt werden.“ Dieses komplizierte Verfahren wird in enger Zusammenarbeit mit dem Salk Institute for Biological Studies in La Jolla, Kalifornien, sowie dem Institut für Humangenetik an der FAU und der Abteilung für Molekulare Neurologie der FAU durchgeführt.

Ziel ist, zu verstehen, wie die Krankheitsmechanismen bei Motoneuron-Erkrankungen funktionieren. Darüber hinaus wollen Dr. Winner und ihr Team mit Hilfe der individuellen Nervenzellen der Patienten Substanzen identifizieren, die sich schützend auswirken können. „Das würde uns ermöglichen, neue Therapieansätze zu entwickeln“.

Das Förderprogramm des BMBF

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Selbstständige BMBF-Forschungsgruppe in den Neurowissenschaften“ finanziert. Dieses Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll gezielt die Qualifizierung von Frauen in den Neurowissenschaften fördern. Darüber hinaus will es Forscherinnen ermöglichen, ihre wissenschaftliche Expertise auszubauen und sich an einer deutschen Forschungseinrichtung international zu etablieren.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF)

Das IZKF ist ein zentrales Instrument der Forschungsförderung an der Medizinischen Fakultät der FAU, insbesondere der klinisch orientierten Forschung. Einer der Schwerpunkte des IZKF liegt in der Nachwuchsförderung. Die Nachwuchsgruppen sollen jungen Wissenschaftlern aus dem klinischen und klinisch-theoretischen Bereich die Möglichkeit geben, sich durch die erfolgreiche Leitung eines längerfristig konzipierten Forschungsvorhabens national wie auch international zu profilieren.

Weitere Informationen

PD Dr. Beate Winner
beate.winner@med.uni-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Wie Proteine Zellen stabil machen
21.02.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Baukasten-System für die Linienfertigung: Die VL-Baureihe von EMAG

21.02.2017 | Maschinenbau

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort

21.02.2017 | Wirtschaft Finanzen