Die faszinierende Welt des Seetangs

Die Charakterisierung von braunen Seetang-Arten ist einen großen Schritt vorangekommen: Einem internationalen Konsortium um Dr. Mark Cock von der „Station biologique de Roscoff“ in Frankreich ist es gelungen, das Genom eines dieser Organismen (Ectocarpus siliculosus) zu entschlüsseln.

PD Dr. Stefan Rensing und Dr. Daniel Lang von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg beteiligten sich an der Analyse des Genoms mit der Klassifizierung und phylogenetischen Analyse der Transkriptionsfaktoren sowie der Genomhistorie.

An vielen Küsten der Welt würde man sich, könnte man einfach ins Meer laufen, in einem dichten unterseeischen Wald wiederfinden. Diese Wälder werden von einer Gruppe von Organismen mit vielen ungewöhnlichen Eigenschaften beherrscht: dem braunen Seetang. Einige Arten der Braunalgen können sehr groß werden, im unterseeischen Wald ragen sie bis zu 60 Meter über den Meeresboden empor.

Trotz einer oberflächlichen Ähnlichkeit mit Landpflanzen weisen Braunalgen eine andere evolutionäre Geschichte auf. Sie sind mit dem Menschen fast so nah verwandt wie mit den Blütenpflanzen, mit beiden Gruppen teilen sie sich die Eigenschaft der Vielzelligkeit. Braunalgen haben einen atypischen Stoffwechsel und sind eine sehr interessante Quelle für neuartige Biomoleküle: Schon lange wurden sie zum Beispiel von den Pharma- und Nahrungsmittelherstellern sowie der Textilindustrie genutzt, weil sie interessante Polysaccharide, also Mehrfachzucker, produzieren.

Unlängst wurde ein Molekül in ihnen entdeckt, das die natürliche Abwehrreaktion von Kulturpflanzen anregt und so den Pestizideinsatz verringert. Ein vollständiges Inventar der genetischen Information des braunen Seetangs wird das Verständnis für die Biologie dieser faszinierenden Organismen in den kommenden Jahren erheblich beschleunigen.

Veröffentlichung:
Nature: The Ectocarpus genome and the independent evolution of multicellularity in the brown algae.

Cock J.M., Sterck L., Rouzé P., Scornet D., Allen A.E., Amoutzias G., Anthouard V., Artiguenave F., Aury J.-M., Badger J.H., Beszteri B., Billiau K., Bonnet E., Bothwell J.H.F., Bowler C., Boyen C., Brownlee C., Carrano C.J., Charrier B., Cho G.Y., Coelho S.M., Collén J., Corre E., Delage L., Delaroque N., Dittami S.M., Doulbeau S., Elias M., Farnham G., Gachon C.M.M., Gschloessl B., Heesch S., Jabbari K., Jubin C., Kawai H., Kimura K., Kloareg B., Küpper F.C., Lang D., Le Bail A., Leblanc C., Lerouge P., Lohr M., Lopez P.J., Martens C., Maumus F., Michel G., Miranda-Saavedra D., Morales J., Moreau H., Motomura T., Nagasato C., Napoli C.A., Nelson D.R., Nyvall-Collén P., Peters A.F., Pommier C., Potin P., Poulain J., Quesneville H., Read B., Rensing S.A., Ritter A., Rousvoal S., Samanta M., Samson G., Schroeder D.C., Ségurens B., Strittmatter M., Tonon T., Tregear J., Valentin K., von Dassow P., Yamagishi T., Van de Peer Y., Wincker P. Published online: 03. Juni 2010, doi: 10.1038/nature09016

Kontakt:
PD Dr. Stefan A. Rensing
Bioinformatik und Systembiologie
FRISYS, Fakultät für Biologie
Universität Freiburg
Tel.: 0049 (0) 761/203-6974
Fax: 0049 (0) 761/203-2921
E-Mail: stefan-rensing@biologie.uni-freiburg.de

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