Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die faszinierende Welt des Seetangs

04.06.2010
Forscher entschlüsseln das erste Genom der Braunalgen – Veröffentlichung in „Nature“

Die Charakterisierung von braunen Seetang-Arten ist einen großen Schritt vorangekommen: Einem internationalen Konsortium um Dr. Mark Cock von der „Station biologique de Roscoff“ in Frankreich ist es gelungen, das Genom eines dieser Organismen (Ectocarpus siliculosus) zu entschlüsseln.

PD Dr. Stefan Rensing und Dr. Daniel Lang von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg beteiligten sich an der Analyse des Genoms mit der Klassifizierung und phylogenetischen Analyse der Transkriptionsfaktoren sowie der Genomhistorie.

An vielen Küsten der Welt würde man sich, könnte man einfach ins Meer laufen, in einem dichten unterseeischen Wald wiederfinden. Diese Wälder werden von einer Gruppe von Organismen mit vielen ungewöhnlichen Eigenschaften beherrscht: dem braunen Seetang. Einige Arten der Braunalgen können sehr groß werden, im unterseeischen Wald ragen sie bis zu 60 Meter über den Meeresboden empor.

Trotz einer oberflächlichen Ähnlichkeit mit Landpflanzen weisen Braunalgen eine andere evolutionäre Geschichte auf. Sie sind mit dem Menschen fast so nah verwandt wie mit den Blütenpflanzen, mit beiden Gruppen teilen sie sich die Eigenschaft der Vielzelligkeit. Braunalgen haben einen atypischen Stoffwechsel und sind eine sehr interessante Quelle für neuartige Biomoleküle: Schon lange wurden sie zum Beispiel von den Pharma- und Nahrungsmittelherstellern sowie der Textilindustrie genutzt, weil sie interessante Polysaccharide, also Mehrfachzucker, produzieren.

Unlängst wurde ein Molekül in ihnen entdeckt, das die natürliche Abwehrreaktion von Kulturpflanzen anregt und so den Pestizideinsatz verringert. Ein vollständiges Inventar der genetischen Information des braunen Seetangs wird das Verständnis für die Biologie dieser faszinierenden Organismen in den kommenden Jahren erheblich beschleunigen.

Veröffentlichung:
Nature: The Ectocarpus genome and the independent evolution of multicellularity in the brown algae.

Cock J.M., Sterck L., Rouzé P., Scornet D., Allen A.E., Amoutzias G., Anthouard V., Artiguenave F., Aury J.-M., Badger J.H., Beszteri B., Billiau K., Bonnet E., Bothwell J.H.F., Bowler C., Boyen C., Brownlee C., Carrano C.J., Charrier B., Cho G.Y., Coelho S.M., Collén J., Corre E., Delage L., Delaroque N., Dittami S.M., Doulbeau S., Elias M., Farnham G., Gachon C.M.M., Gschloessl B., Heesch S., Jabbari K., Jubin C., Kawai H., Kimura K., Kloareg B., Küpper F.C., Lang D., Le Bail A., Leblanc C., Lerouge P., Lohr M., Lopez P.J., Martens C., Maumus F., Michel G., Miranda-Saavedra D., Morales J., Moreau H., Motomura T., Nagasato C., Napoli C.A., Nelson D.R., Nyvall-Collén P., Peters A.F., Pommier C., Potin P., Poulain J., Quesneville H., Read B., Rensing S.A., Ritter A., Rousvoal S., Samanta M., Samson G., Schroeder D.C., Ségurens B., Strittmatter M., Tonon T., Tregear J., Valentin K., von Dassow P., Yamagishi T., Van de Peer Y., Wincker P. Published online: 03. Juni 2010, doi: 10.1038/nature09016

Kontakt:
PD Dr. Stefan A. Rensing
Bioinformatik und Systembiologie
FRISYS, Fakultät für Biologie
Universität Freiburg
Tel.: 0049 (0) 761/203-6974
Fax: 0049 (0) 761/203-2921
E-Mail: stefan-rensing@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://plantco.de/

Weitere Berichte zu: Braunalgen Chemische Biologie Ectocarpus Genom Seetang

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops