Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expertise des Leibniz-Instituts für Altersforschung um Muskelstammzellen erweitert

13.02.2014
Der Skelettmuskel ist eines der regenerativsten Gewebe bei Mensch und Maus. Mit dem Alter nimmt die Fähigkeit zur Regeneration jedoch stark ab. Dies hängt vermutlich mit den Stammzellen des Muskels, den Satellitenzellen, zusammen.

Der Untersuchung der an der Alterung der Muskelstammzellen beteiligten Prozesse widmet sich die neue Arbeitsgruppe von Frau Dr. Julia von Maltzahn am Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena. Seit Oktober 2013 ist sie Juniorgruppenleiterin am FLI. Die Projekte ihrer Arbeitsgruppe werden im Rahmen des Emmy Noether Programms von der DFG gefördert.


Mikroskopische Aufnahme von Satellitenzellen (rot) auf einer isolierten Muskelfaser (blau: Zellkerne).
(Foto: Julia von Maltzahn / FLI)

Die Alterung des Skelettmuskels ist durch eine Abnahme der Regenerationsfähigkeit und der Muskelkraft gekennzeichnet. Mediziner bezeichnen die altersabhängige Muskelschwäche als Sarkopenie; sie steht unter den Top10 der altersassoziierten Organveränderungen, die die Lebensqualität und die Fähigkeit, ein eigenständiges Leben zu führen, im Alter einschränken. Ein Verständnis der molekularen Ursachen der altersabhängigen Abnahme der Muskelregeneration könnte letztlich zur Entwicklung von Therapien führen, die eine Verbesserung der Muskelkraft im Alter ermöglicht.

Frau Dr. Julia von Maltzahn studierte Biologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn mit dem Schwerpunkt molekulare Genetik. Während ihrer Diplom- und Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Klaus Willecke untersuchte sie durch Generierung verschiedener transgener Mauslinien die Rolle bestimmter Zell-Zell-Verbindungen („Gap Junctions“) in unterschiedlichen Geweben, unter anderem im Skelettmuskel.

Ihre Zeit als Postdoc verbrachte sie anschließend in Kanada am Ottawa Hospital Research Institute in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Michael Rudnicki, dem führenden Experten für Satellitenzellen im Muskel. Hier konnte sie ihre Expertise in der Biologie des Skelettmuskels - mit besonderem Fokus auf der Untersuchung der Satellitenzellen - erweitern. Sie untersuchte unter anderem die Rolle von Wnt7a, einem Protein, welches das Wachstum und die Reparatur des gesunden Muskelgewebes fördert und als potentielles Mittel zur Behandlung verschiedener Muskelerkrankungen dienen kann.

„Wir sind froh, mit Frau Dr. Julia von Maltzahn und ihrer ausgewiesenen Expertise auf dem Gebiet der Muskelstammzellen, eine passende Nachwuchsgruppenleiterin für unsere Forschung am Institut gewonnen zu haben,“ berichtet Professor Dr. K. Lenhard Rudolph, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena, stolz. „Ihre Arbeiten an Muskelzellen und dem Muskelgewebe ergänzen die bisherige Themenvielfalt am FLI und stärken das neue Forschungskonzept des Institutes mit seinem Schwerpunkt auf dem Gebiet des Alterns von Stammzellen“.

Frau Dr. Julia von Maltzahn wird für die nächsten 5 Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy-Noether Programms gefördert, einem Programm zur Förderung junger Nachwuchswissenschaftler/innen.

Publikationen:
1. von Maltzahn J, Zinoviev R, Chang NC, Bentzinger CF, Rudnicki MA. A non-palmitoylated mini-Wnt7a retains full biological activity. Nat. Commun. 2013, 4, 2869.
2. von Maltzahn J, Jones AE, Parks RJ, Rudnicki MA. Pax7 expression is required in adult satellite cells. PNAS. 2013, 110, 16474-16479.
3. Bentzinger CF, Wang YX, von Maltzahn J, Soleimani VD, Yin H, Rudnicki MA. Fibronectin regulates wnt7a signaling and satellite cell expansion Cell Stem Cell. 2013, 12, 75-87.
4. von Maltzahn J, Renaud JM, Parise G. Rudnicki MA: Wnt7a treatment ameliorates muscular dystrophy. PNAS. 2012, 109, 20614-20619.
5. von Maltzahn J, Chang NC, Bentzinger CF, Rudnicki MA. Wnt signaling in myogenesis. Trends Cell Biol. 2012, 22, 602-609.

6. von Maltzahn J, Bentzinger CF, Rudnicki MA: Wnt7a-Fzd7 signalling directly activates the Akt/mTOR anabolic growth pathway in skeletal muscle. Nat Cell Biol. 2012, 14, 186-191.

Kontakt:
Dr. Kerstin Wagner
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI)
Beutenbergstr. 11, 07745 Jena
Tel.: 03641-656378, Fax: 03641-656351, E-Mail: presse@fli-leibniz.de
Hintergrundinfo
Als Stammzellen werden solche Körperzellen bezeichnet, die in verschiedene Zelltypen differenzieren können. Hierbei werden adulte und embryonale Stammzellen unterschieden. Embryonale Stammzellen sind in der Lage, zu allen Zellen des Körpers zu differenzieren, wohingegen adulte Stammzellen nur eine bestimmte Richtung (ausgewählte Körperzellen) einschlagen können. Stammzellen bilden die Grundlage für die Regeneration geschädigten Gewebes.

Das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena ist das erste deutsche Forschungsinstitut, das sich seit 2004 der biomedizinischen Altersforschung widmet. Über 330 Mitarbeiter aus 30 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alternsprozessen und alternsbedingten Krankheiten. Näheres unter http://www.fli-leibniz.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen ‑ u.a. in Form der WissenschaftsCampi ‑, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.200 Personen, darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

Dr. Kerstin Wagner | idw
Weitere Informationen:
http://www.fli-leibniz.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aufschlussreiche Partikeltrennungen
20.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Bildgebung von entstehendem Narbengewebe
20.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie