Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäisches Verbundprojekt zur Schlaganfallforschung gestartet

01.11.2012
Mit der Verbesserung des mesenchymalen Stammzell-Homings bei der Behandlung von Schlaganfällen beschäftigt sich ein neues Verbundprojekt, an dem das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig beteiligt ist.

Für das auf drei Jahre angelegte Forschungsvorhaben MEMS-IRBI stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dem TRM Leipzig Drittmittel in Höhe von rund 420.000 Euro bereit.


Doppelmarkierung mesenchymaler Stammzellen (MSCs) mit grün-fluoreszierendem Protein (GFP, stabile Transfektion) und PKH26 (rot, blau = DAPI-Kernfärbung).
Foto: Fraunhofer IZI


Immunhistochemische Darstellung (MAP2-Färbung) des Gehirns 24 h nach Schlaganfall in der Ratte.
Foto: Fraunhofer IZI

Als dritter europäischer Partner des unter Koordination der Universität Warschau stehenden Projektes ist neben dem TRM Leipzig die renommierte University of Eastern Finland in Kuopio beteiligt. Das Akronym MEMS-IRBI steht für "MRI Navigated Enhancement of Mesenchymal Stem Cell (MSC) Homing Toward Stroke Lesion - Evaluating an Impact on Animal Recovery with Behavioral Testing and Imaging".

Jährlich erleiden über 250.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Um Folgeschäden und bleibenden Behinderungen vorzubeugen, muss der Betroffene umgehend behandelt werden. Für die Thrombolyse als derzeit einzige zugelassene medikamentöse Therapie steht ein Zeitfenster von maximal viereinhalb Stunden nach dem Eintreten der Symptome zur Verfügung. Dadurch bleiben schätzungsweise 90 Prozent der Betroffenen unbehandelt.

Der Bedarf an neuartigen Ansätzen insbesondere zur Therapie von Patienten in subakuten und chronischen Phasen nach einem Schlaganfall ist daher enorm. Gemeinsam mit polnischen und finnischen Wissenschaftlern untersucht das Forscherteam um Dr. Dr. Johannes Boltze im MEMS-IRBI-Projekt eine der wichtigsten alternativen Therapie¬strategien nach Schlaganfall: die Stammzelltherapie.

Eine Schlüsselrolle bei der Stammzelltherapie übernehmen die mit besonderen immunologischen Eigenschaften ausgestatteten und daher bei Transplantationen als besonders geeignet geltenden mesenchymalen Stammzellen (MSC). Auf ihre herausragende Bedeutung bei der Behandlung akuter Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wurde in präklinischen Studien bereits mehrfach hingewiesen. Weiterhin wurde gezeigt, dass mesenchymale Stammzellen nach einem Schlaganfall in kleinen Mengen zielgerichtet zu den betroffenen Hirnarealen wandern. Dort lagern sie für den späteren Übertritt in das dahinter liegende geschädigte Gewebe aktiv an das Endothel eines Gefäßes an. Dieser als "Homing" bezeichnete Prozess wird durch verschiedene komplementäre molekulare Strukturen vermittelt.

Der Fokus der Leipziger Forschungsgruppe richtet sich sowohl auf den Nachweis des Therapieeffekts des Homings bei Schlaganfall als auch auf die Optimierung des Homing-Prozesses. "Die meisten mesenchymalen Stammzellen werden nach systemischer Applikation in den feinen Kapillaren der Lungen aus dem Blutkreislauf herausgefiltert", erläutert Boltze. Daher wird nun untersucht, wie die Zellen molekularbiologisch modifiziert werden können, damit sie nicht nur näher, sondern vor allem in größerer Anzahl zum Herd des Schlaganfalls gelangen. Dafür werden sie mit einem Rezeptor für ein Oberflächenmolekül versehen, das insbesondere in Gefäßstrombahnen nahe dem Schlaganfall vorkommt. "Diese Kombination wirkt wie eine Art Leim, der für ein besseres Anhaften an den Endothelzellen sorgt", so der Arzt und Neurobiologe weiter.

Kann der Erfolg der vorgenommenen Modifikationen in Zellkultur- und Tiermodellen bestätigt werden, wird sich in einem weiteren Schritt eine Pilotstudie im Schafmodell anschließen. Mit Blick auf die klinische Anwendung am Menschen gibt Dr. Dr. Boltze jedoch zu bedenken, dass "noch etliche Jahre vergehen werden, bis wir die therapeutische Wirkung mesenchymaler Stammzellen beim Schlaganfall verlässlich geprüft haben". Patientenstudien liegen damit noch in weiter Ferne.

Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig wurde im Oktober 2006 mit dem Ziel gegründet, neuartige Diagnostik- und Therapieformen der regenerativen Medizin zu entwickeln, zu evaluieren und in die klinische Anwendung zu überführen. Die Arbeit des Zentrums wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Freistaat Sachsen gefördert. Die Forschung in der regenerativen Medizin, einem relativ jungen Zweig der Biomedizin, ist auf die Heilung bzw. funktionelle Wiederherstellung erkrankter Gewebe und Organe durch die Anregung körpereigener Regeneration oder durch biologischen Ersatz.

Maria Garz | idw
Weitere Informationen:
http://www.trm.uni-leipzig.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
18.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

nachricht Weiße Gespenster am Straßenrand - die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte
18.05.2018 | Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics